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Erster Band.
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280 Schattn! und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.

erschienen und hatte sich an einem zweiten Strick in das Tiesthal des Koißu hinab-gelassen. Zu spät bemerkte man die Flucht des gehaßten Führers, doch vergebens '

sandte man Kugeln nach. Schamil erreichte glücklich das jenseitige Ufer und ver-schwand. Aufgebracht, daß Schanill entwischt war, suchte man sich russischerseits an den i

Dörfern, welche ihre Unterwerfung eingesandt, zu rächen und brandschatzte allenthal- -

ben auf eine schauderhafte Weise. Russische Offiziere waren selbst über das Benetz- 'men ihrer Landsleute entrüstet und machten umsonst aus die Folgen aufmerksam.Zähneknirschend ertrugen die Lesghier Hohn und schnöde Verachtung ihrer Sieger, >sie widersetzten sich nicht den Räubern, die ihnen ihren letzten und einzigen Besitz,dessen sie sich vielleicht allein noch rühmen konnten, lachend davontrugen, schwurenaber im Innersten ihres Herzens fürchterliche Rache.

Die siegestrunkenen Russen bezogen frohlockend ihre Winterquartiere und mein-ten, daß nun für viele Jahre Ruhe sein würde. Man wähnte sich um so sicherer,als der schlaue Schamil, um Zeit zu gewinnen, sogar' seine Unterwerfung anbot.„Mit einem Aufrührer verhandelt man nicht, er soll kommen und sich der Gnadeder russischen Regierung unterwerfen" — war die schnöde Antwort, welche man denUnterhändlern gab. Der hier an den Tag gelegte Übermuth rächte sich bald- All-gemeines Rachegeschrci ertönte über den ganzen Osten des Kaukasus; friedliche Be-wohner und selbst offene Feinde Schamil's waren über die Grausamkeiten der Rus-sen empört. Nur eine Stimme herrschte über das Verfahren der Sieger, dieStimme der höchsten Mißbilligung. Schamil begriff den günstigen Zeitpunkt, er sahaber auch ein, daß er mit den Mitteln, die ihm bis jetzt zu Gebote gestanden, nochnicht im Stande war, den Russen mit Erfolg die Spitze zu bieten. Die Zahl derihm untergebenen Stämme war noch zu gering, um einen ernstlichen Kampf gegendie russische Übermacht zu beginnen; es mußte ferner in seiner Kriegführung eine bessereOrganisation, eine bessere Leitung sich geltend machen. Sein geheimnisvolles Entkörn- 'men aus Achulko und früher aus Himri hüllte seine Person in einen eigenthümliche»mysteriösen Schleier ein. Man erzählte sich, Mohammed habe den Murschiden selberaus beiden Orten entführt und ihn zu seinem Streiter erkoren, um die Ungläubigenzu vertreiben. Der schlaue Priester schloß sich oft mehre Tage in einer berühmtenHöhle ein, nahm (scheinbar) weder Speise noch Trank zu sich, um für die göttli-chen Eingebungen um so befähigter zu sein, und erschien dann plötzlich vor dem er-staunten Volke, dessen Menge von Stunde zu Stunde zunahm. Mit glühender Be-- redtsamkeit schilderte er die Gefahren, welche dem Islam durch die Übermacht der ketze-rischen Moskoff drohten und mahnte alle Gläubigen zur Vertreibung derselben beizutra-gen. In ein weißes Gewand gehüllt, zog Schamil von Dorf zu Dorf, von Gau zuGau, überall den reinen Glauben und Tod allen Ungläubigen predigend. AnderePriester thaten ein Gleiches. Seine intimsten Anhänger und tapfersten Streiternannten sich Schüler des großen Meisters Schamil, des von (Fvtt Gesandten. DerName Murschid (Lehrer) und Münd (Schüler) wurden Ehrentitel, die aber allge-mein Eingang fanden. Wenn auch diese Namen keineswegs erst damals in Anwen-dung gebracht wurden, so begannen sie doch erst seit dem Jahre 1840 die gewichtigepolitische Bedeutung zu erhalten, die sie jetzt besitzen. Die Lehre des MurschidenSchamil will aber keine besondere Sekte und hat am allerwenigsten etwas mit dempersischen Ssusismus zu thun, wie einer der neuesten Schriftsteller über den Kau-kasus darzuthun bemüht ist.

Der Erfolg überstieg die eigenen Erwartungen Schamil's. Die Bewohner vonKoißubui, Gumbet, welche beide sich kurz vorher den Russen unterworfen hatten,Andis, die Bewohner der Koißu - Engpässe, Ssolotaus, Awuchs, Jtschkeriens und 'des ganzen Tschetschenlandes schlössen sich Schamil an. Der Murschid selbst erklärteDargo, ein offenes Dorf im dichten Walde, unweit der Quellen des Jakßai in Jtsch-kerien gelegen, zu seiner Residenz. Von hier aus agirte er durch die Münden,welche gleichsam seine Adjutante-n darstellten und im Fall der Noth ihn vertraten.Für jeden Gau wurde der einflußreichste Mann zum Chef ernannt. Diesem lag