Band 
Erster Band.
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Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus. 279

über den andischen Kaukasus, der hier den Namen Ssouk-Bulak (kalte Quelle) führt,nach dem jenseit desselben liegenden Gau Gumbet zurück und traf auf dem dortigenschwierigen Terrain die nöthigen Vcrthcidigungsmaßregeln. Erabbe seinerseits warmit der Unterwerfung Chubars und Burtunais im Gau Ssolotau noch nicht zufrie-den, und rückte östlich nach dem Ssulak zu, wo auf hoher und fruchtbarer Userterrassedas reiche und große Dorf Tschirkai oder Tscherkei liegt. Von Schamil verlassenund um ihre großen Obstanpflanzungen besorgt, sendeten die Einwohner schon demrussischen General ihre Unterwerfung entgegen.

Herr von Ssolotau, überschritt nun Erabbe den andischen Gebirgsrücken und ließan dem dortigen Paß ein Bataillon zurück, um sich auf jeden Fall den Rücken freizu halten. Bei dem gumbetischen Dorfe Arguani kam es zu dem blutigsten und hart-nackigsten Treffen, das bisher im Kaukasus geschlagen war und — etwas Unerhör-tes — zwei volle Tage dauerte. Es war kein Kampf und keine Schlacht, es warein Morden und Schlachten, bei dem die Kaukasier nur Schritt vor Schritt wichen,aber das Feld überall mit russischem Blute düngten. Die mörderischen Kanonengaben auch hier den Ausschlag. Die Feinde flohen über den andischen Koißu nachdem Gau Koißubui, wohin ihnen die Russen alsbald nachfolgten. Da standen sievor dem Felsenneste, das sie auf jeden Fall erobern wollten; aber sie sahen schonbald, daß die Eroberung Achulkos ihnen keineswegs so leicht werden möchte alsman geglaubt hatte. Man war sogar gezwungen, den Gau zuvor von den Feindenzu saubern, ehe man an die Belagerung selbst gehen konnte. Den 12. Zuni beganndiese, aber erst den 23. Aug. zogen die Russen in die rauchenden Trümmer ein.Um diese heldenmüthige Vertheidigung in allen ihren Einzelnheiten zu schildern, dazuist hier der Raum zu eng. Den 17. Aug. wurden, aber mit ungeheurem Verluste,die ersten Befestigungen genommen. Schamil, aufs äußerste bedrängt, bot unterehrenvollen Bedingungen die Übergabe an und stellte sogar einen seiner Söhne zurVerfügung; der übermüthige Grabbe verlangte aber nichts weiter als daß sich Scha-mil selbst überliefere. Mit Entrüstung wies der stolze Sohn des Gebirges einen solchenAntrag von sich. Noch ein mal wurde gestürmt, die Russen zogen aber noch keines-wegs triumphirend ein, denn obgleich fast alle Männer gelödtet oder kampfunfähig ge-macht worden waren, so stellten sich jetzt ihnen verzweifelte Kinder irnd Furien vonFrauen entgegen. Es begann ein furchtbares Metzeln. Das Stöhnen der Sterben-den und das entsetzliche Heulen der Verwundeten klang noch lange in den Ohren desrussischen Offiziers, dessen Berichte dieser Schilderung zu Grunde gelegt sind. Manhatte sich russischerseits von der Höhe in Besitz gesetzt und doch war man noch nichtHerr der ganzen Felsenburg; an den jähen Abfällen befanden sich noch die oben erwähn-ten und in den Felsen gehauenen Wohnungen, zu denen man zum Theil nur durchStrickleitern gelangen konnte. Nach Verlauf einiger Tage kamen die Inhaber dersel-ben von Hunger, Entehrungen und Anstrengungen zum Skelet abgezehrt von selbst zumVorschein, und waren bereits zu ohnmächtig, um nur den geringsten Widerstand entgegen-zusetzen. Weder unter den Erschlagenen noch unter den Gefangenen befand sich Schamil.Man erzählt, daß Überläufer zwei Tage vor der völligen Eroberung in das Lager desGenerals kamen und diesem kund thaten, daß Schamil an einer bestimmten Stelle sichan Stricken herunterlassen werde, um zu entfliehen. Zuverlässige Männer verstecktensich auf höhern Befehl in der Nacht in der Nähe des angegebenen Orts, und in derThat hörten diese gegen Mitternacht Geräusch. Ein Lesghicr wurde an einem Strickangebunden herabgelassen, und losgebunden untersuchte er mit scheinbar ängstlicherGenauigkeit das Terrain, worauf er nach oben ein Zeichen gab. Der Strick brachteeinen zweiten und bald darauf einen dritten Kaukasier, von denen der eine in weißerKleidung ganz das Ansehen Schamil's hatte. Als alle Drei Anstalt machten zu ent-fllehen, brachen die Russen aus ihrem Versteck hervor und machten jene nach tapfererGegenwehr zu Gefangenen. Jubelnd führte man die drei Lesghier in daS Zelt deSGenerals, wo es sich ergab, daß man sich doch getäuscht hatte. Der wirkliche Schä-mn war dagegen gleich daraus, als Alles wiederum ruhig geworden, an derselben Stelle