282 Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.
dahin vorzudringen. Am Einfluß des Flüßchens Walerik in die Ssnnsha kam essogar im Anfange des Monats August zu einem hartnäckigen Treffen, in dem dieRussen trotz ihrer Übermacht und ihren 14 Geschützen den Kürzern zogen. Einrussischer Berichterstatter erzählt uns, daß in dem ganzen Jahre 1840 russischer-seits nicht weniger als 11344 Artillerie- und 1,206573 Gewehrpatronen verschossenwurden. Fragt man aber, wie viele Feinde damit gelobtet, so bekommt man dochnur die höchst unbedeutende Summe von 2—300. Allenthalben sahen sich die Nus>sen in ihren eigenen Pfählen bedroht, und alle, obwol nicht unbedeutende Hülss-kräste waren doch nicht im Stande, den Einfällen Trotz zu bieten. Es blieb ih-nen zunächst nichts weiter übrig, als alle die Punkte militairisch zu besetzen undzu befestigen, über die gewöhnlich die Einfälle ausgeführt wurden. Die frühernBefestigungen an und in der Nähe der Ssunsha und längs der Südgrcnze derkumückschen Herrschaften wurden vergrößert und eine Reihe neuer angelegt. Aberdoch vermochte eine Linie von 12 Festungen auf einer Längsstrecke von kaum 26Meilen noch keineswegs die Tschetschen vollkommen in Schranken zu halten. Weitmehr fürchtete man für Awar, ein offenes, vielfach von Feinden umschwärm-tes Land, das zwar zu seiner Vertheidigung einen befestigten Ort, Chunsak,hatte, zu dem aber nicht einmal eine sichere Straße führte. Mit Temirchanschura,dem nördlichsten Punkte im nördlichen Daghestan, wurde deshalb eine Communi-cation hergestellt. Beim Paß über das nördliche Ende des Kaitach - Gebirges fandman die Ruinen einer alten Burg, Burunduk-Kaleh, die so günstig gelegen war,daß sie zur Vertheidigung des Übergangs wiederum hergestellt wurde. Auch Himriauf der Ostseite des awarschen und Achulko auf der Südseite des andischen Koißubefestigte man von neuem. Außerdem wurden noch sechs Befestigungen auf demWege nach Chunsak angelegt. Schamil sah allen diesen Vorrichtungen von Seiteder Russen ruhig zu und legte auch nicht das geringste Hinderniß in den Weg.Wahrscheinlich hielt er nach Hadshi Murad's Übertritt die Zeit nicht mehr fern,wo auch sämmtliche Awaren sich ihrem Führer anschließen würden. In diesem Fallefielen dann alle Befestigungen schon an und für sich in seine Hände und warengleichsam nur für ihn erbaut.
Hadshi-Murad's Übertritt bestimmte noch im Winter 1840 — 41 mehre stör-rische Dörfer, über die der Awar-Chan früher nur eine geringe Oberherrlichkeit aus-geübt hatte, sich Schamil anzuschließen. Der Einfluß des Murschiden begann auchin dem fernen, bis dahin gleichgültigen Lesghistan sich allmälig geltend zu machen,denn selbst die Einwohner zweier Gaue, Andalal (Äntalal) und Karach , die bisberdem Chan von Kasi-Kumück unterthänig gewesen waren, schloffen sich diesem an.Um mit dem gehörigen Nachdruck zu operiren, waren schon im Jahre 1846über 15000 Mann Infanterie und Cavalerie und eine Brigade Artillerie zur Ver-stärkung des Heeres im Osten des Kaukasus angelangt. Der Oberbefehlshaber Go-lowin stellte sich im Jahre 1841 selbst an die Spitze der Unternehmungen, und be-schloß zuerst die Awucher und Ssolotauer für ihre Abtrünnigkeit zu züchtigen. Dasreichste und wichtigste Dorf Tscherkei, auf dem hohen linken Ufer des Ssulak, ist von denschönsten Obstgärten umgeben und in dem Besitz von so viel fruchtbarem Garten-land, daß namentlich die ihm gegenüberliegende Beste Effgenieffsk (Eugens - Beste,denn Eugen heißt der General Golowin mit dem Vornamen) einen großen Theil ih-res Proviants sich drüben gekauft hatte. Eine Brücke setzte beide Orte miteinan-der in Verbindung. Das Unglück der Russen im vorigen Jahre hatte aber die Ein-wohner Tscherkeis bestimmt, die Brücke abzubrechen und damit alle Verbindung auf-zuheben. Golowin setzte weiter unten am Ssulak, in der Nähe des Dorfes Tschir-jurt, wo man später auch eine Befestigung angelegt hat, auf das jenseitige Ufer über,trieb die Ssolotauer vor sich her und war bald im Besitz Tscherkeis, dessen Bewoh-ner ihre Unterwerfung wiederum schnell entgegengesendct hatten. Das Dorf warden Russen selbst zu wichtig, um es zu zerstören, daher verzieh der General noch-mals den Einwohnern, rächte sich aber desto blutiger an den übrigen Dörfern des