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Erster Band.
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288 Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus,

überzeugt war und sich offen darüber aussprach: die Herren im Kriegsrathe kannte»das Feld, das sie doch nie gesehen, trotzdem besser und beharrten auf ihrem Verlan-gen. Es wurden fünf Detachements je nach der gewichtigen Stellung gebildet, undjedem wurde ein Chef gesetzt, der im Allgemeinen nur unter dem Oberbefehle Neid-hardt's stand.

In Wladikaukas, einer Festung am Eingänge der großen Militairstraße in denKaukasus, befehligte damals das kleinste Detachement der General (damals Oblist)Nesteroff, während Chef des Ssunsha-Detachements der General Gurko (Hurko) war kund in Grosnaja an der Ssunsha residirte. Das bedeutendste daghestanscho Deta-chement befehligte General Luders und hatte seinen Sitz in Temirchanschura, wäh-rend am Ssamur der General Argutinsky mit einem Detachement stand. Das letzteHeer breitete sich im Süden des Kaukasus nördlich vom Alasan in Kachien (Ka-cheth) aus und stand als lesghisches Detachement unter den Befehlen des in Saka-tal residirenden Generals Schwarz. Diese fünf Detachements sind um so gewichti-ger, als sie zwar keineswegs im Jahre 1844 das Verlangen des Kaisers in Aus-führung brachten, als vielmehr, weil sie noch jetzt als solche bezeichnet werden.Neidhardt hatte sein Standquartier in Tscherwlennoi, einem alten Kosackendorfe(Stanitza) am Terek, und beabsichtigte zuerst, während Freitag, Chef der Ssunsha-linie, in dem Tschetschenlande einfiel, mit Gurko und Lüders die rebellischen Tscher-kejer und Dargoer zu Paaren zu treiben und dann nach Awar, dem jetzigen Mit-telpunkte des feindlichen Landes vorzudringen. Zu gleicher Zeit sollte Argutinsky durchKumück, und Schwarz durch das eigentliche Lesghistan marschiren oder wenigstensdie dortigen Stämme so beschäftigen, daß diese nicht zu Hülse eilen konnten. Wäh-rend Freitag oder vielleicht Gurko selbst aus dem Tschetschenlande das andische Grem-gebirge übersteigen und suchen würde, sich in Awar mit Neidhardt zu vereinigen, >solle Nesteroff ferner die Tschetschen beunruhigen.

Dieser ganze Feldzug nahm sich auf dem Papiere sehr gut aus, wie weit eraber in der Folge in Ausführung kam, soll jetzt gezeigt werden. Man glaubte inPetersburg auf alle Fälle zwar Rücksicht genommen zu haben, aber schon ehe derFeldzug eröffnet wurde, machte das Schicksal einen Querstrich, an den Niemandgedacht. General Neidhardt hatte einen zuverlässigen Mann mit einer Million Ru-bel nach Astrachan gesendet, um dort die nöthigen Nahrungsmittel für die Truppen,namentlich Getreide, zu kaufen. Der besagte Agent kam glücklich in Astrachan an,verschwand aber mit seiner Million auf eine unbegreifliche Weise und ist bis aus die-sen Tag noch nicht zum Vorschein gekommen. Obwol der Kriegsgouverneur vonAstrachan deshalb augenblicklich vom Kaiser abgesetzt wurde, so gerieth eine so be-deutende Truppenmacht, als jetzt namentlich im Norden des Kaukasus stand, dochin nicht unbedeutende Noth. Die Eröffnung der Expedition mußte sogar soweit hin-aus verschoben werden, bis neuer Proviant ankam. Erst im Juni begann Neid-hardt seine Operationen. Die Tscherkejer hatten den befestigten Brückenkopf im vo-rigen Jahre zerstört und die Brücke ganz und gar abgebrochen. Aus den Russenabgenommenen Kanonen feuerten sie mit viel Geschick nach dem tiefer liegenden Ess-genieffsk. Neidhardt bewegte sich mit etwa 30000 Mann auf der rechten Seitedes Ssulak bis zu dem Dorfe Tschirjurt, wo erst das linke Ufer nicht höher alsdas rechte erscheint, und setzte auf die andere Seite über. Aber nur langsam stiegendie Russen auf dem linken Ufer aufwärts und mußten jeden Schritt, den sie vor-wärts thun wollten, mit Gewalt erkämpfen. Die Tscherkejer wußten, daß ihnennicht zum dritten mal Verzeihung würde und wichen nur erst nach der äußerstenGegenwehr zurück. Die schönen Obstgärten, welche sich auf der hohen Uferterrasseentlang ziehen, wurden sämmtlich verwüstet, denn bald gebrauchten die Einwohnerselbst die Bäume zum Verhau, bald hieben aber auch die Russen sie aus Ingrimmnieder. Drei volle Wochen dauerte der Kampf, ehe Neidhardt selbst bis an dasDorf vordrang. Auch hier mußte jedes Haus mit Sturm erobert werden, be>vor sich die Russen Herren der Stelle nennen konnten, wo noch vor kurzer Zeit