Scharrn! urrd der heilige Krieg im Osten des Kaukasus. 289
das schöne, reiche und blühende Dorf Tscherkci mit circa 4000 Einwohnern ge-standen hatte.
Der zweite Schlag galt den Bewohnern der Republik Dargo, in deren La'nd-chen von wenig Stunden im Durchmesser sich Schamil selbst mit einem bedeutendeuHeere von 24000 Mann entgegengestellt hatte. Der Feldzug war aber noch garnicht eröffnet, als plötzlich wie ein Donnerschlag die Nachricht anlangte, der SultanDaniel von Elißui sei aufgestanden, habe die russischen Beamten davongejagt undstehe jetzt kampfgerüstet am Alasan dem General Schwarz entgegen. Die Ursachendieser plötzlichen Auflehnung eines bis dahin äußerst getreuen Vasallen des russischenKaisers lagen einestheils in persönlichen Mißverhältnissen, welche zwischen ihm undSchwarz obwalteten, anderntheils aber in den beständigen Versuchen Schamil's, die-sen gewichtigen Häuptling zu gewinnen. Mehr noch als Alles that jedoch der Zufall.Man kann denken, was für einen Eindruck die plötzliche Auflehnung des Sultansbei den zahlreichen Mohammedanern Schirwans, Schekis und Kubas hervorrief, dadiese eigentlich nur mit Ingrimm das russische Joch ertragen hatten und namentlichin der neuesten Zeit durch vielfache Vexationen noch mehr erbittert worden waren.Mehr als je mußten jetzt die Russen vorsichtig in ihren Operationen sein. Bei derersten Schlappe, die sie erhalten, wäre die Revolution in genannten Provinzen un-fehlbar ausgebrochen „und hätte in allen kaukasischen Landen unberechenbares Unglückhervorgerufen. Ein großer Vortheil für die Russen war, daß Sultan Daniel, vonnun an Daniel Beg genannt, offen übertrat und namentlich Schwarz Zeit ließ, dienöthigsten Vorkehrungen zu treffen.
An der Stelle des Alasan, wo die gewöhnliche Fähre über den Fluß geht, kames zum ersten Zusammentreffen. Daniel zog sich nach dem reichen und großen Dorfeseiner Herrschaft, nach Kach, zurück. Hier kam es zu einer heißen Schlacht, in derSchwarz ebenfalls das Feld behauptete, aber doch für den Augenblick zu ohnmächtigwar, um den Feind weiter zu verfolgen. Der Sultan hatte sich auf seine BurgElißui, am Eingang einer Schlucht zurückgezogen und trotzte von hier aus, alsSchwarz ihm am dritten Tage nachfolgte, allen Anstrengungen der Russen. Zweimal wurden diese mit so blutigen Köpfen zurückgeschlagen, daß die meisten Solda-ten einer dritten Auffoderung geradezu gar nicht Folge leisten wollten. " Schon ju-belten die Lesghier hinter ihren Felsen und glaubten sich geborgen, als plötzlich eineSchar russischer Freiwilliger mit solcher Wuth anstürmte, daß jene, sich dieses nichtversehend, die Vertheidigung des Eingangs der Schlucht aufgeben mußten und sichmit wildem Geheul in die Burg warfen. Diese sogleich anzugreifen, hielt sichSchwarz für zu schwach, er wartete deshalb auf Hülfstruppen, die ihm namentlichder Obrist Bekoff aus Nuchi zuführen sollte. Mit Allem, was irgend nur zu Ge-bote stand, mit nur 300 Mann, marschirte Bekoff auf dem nächsten Wege ausNuchi über die Berge nach Elißui. Gegen Abend erreichte er die Höhe des Ee-birgsarmes, der das Thal von Elißui nach Osten einschließt, wagte aber der anbre-chenden Dämmerung halber nicht noch herabzusteigen. Kaum hatte aber Daniel Begdie Feinde auf der Höhe bemerkt, als er der Meinung wurde, daß Argutinsky mitdem ganzen ßamurschcn Detachement herbeigeeilt sei. Einer solchen Macht konnteer schon deshalb nicht widerstehen, weil seine Burg nicht einmal gehörig verprovian-tirt war. Sein Entschluß war bald gefaßt; noch in derselben Nacht entfloh er mitden Seinen in die Berge, sodaß die erstaunten Russen am andern Morgen ohneSchwertstreich in die verlassene Burg einziehen konnten.
Auch Argutinsky war mit dem ßamurschcn Detachement thätig gewesen. Schonim Mai hatte er ein hartnäckiges Treffen beim Dorfe Chosrek, im Quellengebietdes kasikumückschen Koißu, zu bestehen und dabei viele Gefangene gemacht. WenigeStunden von Chosrek entfernt nach Osten zu liegt das berühmte Dorf Kuwetschi,dessen Bewohner schon seit den ältesten Zeiten durch die Verfertigung damasirterWaffen eine große Berühmtheit erlangt haben und auch jetzt hauptsächlich den Be»Die Gegenwart. I. 19