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Erster Band.
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298 Schamil und der heilige Krieg im Osten des Kaukasus.

Minen angelegt, die eine gewaltige Zerstörung in dem befestigten Dorfe hervorriefen.Trotzdem hielt sich die Besatzung noch bis zum 27. Sept. und zog sich dann überdie Brücke zurück.

Die Russen waren somit Herren von Ssalty, aber ihre Lage kann auf keinen FallVortheilhaft gewesen sein, denn auch sie zogen ab, ohne ihre Eroberung behauptenzu können. Es ist wahrscheinlich, daß sich jetzt die Lesghier von neuem auf der-selben Stelle verschanzt haben und daß die Russen eine zweite Eroberung in diesemJahre versuchen müssen. Alles was von den Letztem in diesem Theile Lesghistansgeschah, war die neue Gründung und Befestigung des auf linker Seite des kasiku-mückschen Koißu liegenden Zudakara, eines großen Dorfes der frühern Republik Dargv.Die Zerstörung von Ssalty hat Schamil keinen wesentlichen Nachtheil gebracht. Erselbst scheint nicht sehr großen Werth darauf gelegt zu haben, da er nicht in eigenerPerson die Leitung der Vertheidigung übernahm. Schamil war dafür allenthalbenthätig, und gewann durch seine hervorragenden Gcistesgabcn nach und nach auch dieübrigen Lesghierstämme der obern Koißugaue. Zum ersten mal wird ein Naib vondrei Stämmen: der Dido, Antkratl und Bogos, mit Namen Mudir Adaloff genannt,sodaß neben Daniel Beg noch ein zweiter Häuptling gegen die lesghische Linie operirtund General Schwarz so beschäftigt, daß dieser selbst an Einfälle gar nicht denken kann.

Nicht weniger hatte sich im Nordwesten die Macht Schamil's ausgebreitet, daihm jetzt fast alle Tschetschenstämme und sogar die heidnischen Kisten, die wahrschein-lich nun den Islam annehmen, huldigen. Der Naib der kleinen (oder westlichen)Tschetschna, Nur Ali, machte fortwährend die kühnsten Einfälle bis in die Nähe vonWladikaukas und in die kleine Kabarda. Der kleine von drei Seiten mit russischenBefestigungen umgebene Stamm der Karabulaken sehte einen Widerstand entgegen,der außerordentlich war. Obgleich sich die Russen im Verlaufe des Jahres 1847eine Menge Siege über diesen Stamm und die übrigen Bewohner der kleinen Tschetschnazuschreiben, so nahmen sie ihren Feinden doch trotz der Übermacht kaum eine SpanneLandes ab. Man muß abwarten, ob die in diesem Jahre dort angelegten fünf Ko-sackendörser für die nächste Zeit wichtigere Erfolge herbeiführen. Auf die Ansiedelun-gen von friedlichen Lesghiern im Nordosten des russischen Gebiets ist auf keine Weiseder Werth zu legen, wie man russischerseits meint. Sollte Schamil weiter siegreichvordringen, so sind gerade diese Lesghier den Russen sehr gefährlich. Sie werdensich ihrem Häuptlinge von neuem anschließen und gegen die Russen kämpfen, selbstwenn sie noch häufiger Treue geschworen als sie es schon gethan.

Das Jahr 1848 scheint ganz Europa umzugestalten und seine Völker einembessern Sein entgegenzuführen. Die verknöcherten Systeme Einzelner hören auf zuherrschen in einer Zeit, wo die Menschheit zu großartigem Selbstbewußtsein gekom-men ist; das Gängelband, welches die Völker in unschuldiger oder vielmehr unwissenderund unbewußter Kindheit bis hierher erhalten sollte, ist zerrissen. Die Vernunft machtendlich ihre Rechte gegen die frühern Hirngespinste, die die Staaten regieren sollten,geltend. Ob Rußland diesem Dränge der Zeit entgehen kann, möchte wol bezwei-felt werden. Zwar ist der Vornehme dort gesellig gebildet und spielt in den soge-nannten feinen Cirkeln eine Rolle; es geht ihm aber alle tiefere Bildung ab. DieForm beherrscht ihn ebenso wie den gemeinen Mann, der schlechthin Mensch odergar der Schwarze (d. h. der nicht Ebenbürtige) genannt wird und in der That einemPudel gleicht. Der russische Bauer hat sich zum großen Theil so an den Despo-tismus seines Herrn gewöhnt, daß er sich selbst außerhalb desselben gar nicht denkenkann. Sollte der Kaiser gezwungen sein, einen großen Theil der am Kaukasus stehen-den Truppen wegzunehmen, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß Schamil seineMacht über den ganzen östlichen Kaukasus ausdehnt und die Russen bis in die Ebe-nen, wo immer die Kanonen den Ausschlag geben, zurückdrängt. Wir erhalten dannwieder ein kräftiges islamitisches Reich, das bei günstigen Umständen einer Bedeu-tung entgegengehen könnte. Schamil ist übrigens keineswegs so ein Barbar, alsnamentlich russische, aber auch deutsche Berichte ihn schildern; er ist nur grausam