Band 
Erster Band.
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319
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Der Socialismus und Communisums in Frankreich. 319

In einer solchen Lage der Dinge zeigt sich nun stets eine gleichartige Erschei-nung: diejenigen Elemente, denen die unmittelbare Gegenwart angehört, bilden aller-dings die augenblickliche Macht und die Masse. Allein die Elemente der Zukunftsind gleichfalls vorhanden; sie zeigen sich in Demjenigen, was man die Extremenennt. Und diese Extreme bestanden für jene gemeinschaftliche Opposition in demTheile derselben, der nicht etwa blos die Verfassung, sondern der vielmehr Republikselbst wollte. Allerdings hielt die eigentliche Bourgeoisie sich diesen Ideen fern; dochwar sie dennoch außer Stande, st. ganz von sich zu weisen. Die Arbeiter vor al-lem, deren die Bourgeoisie bedurfte, federten auch Rechte für sich. In ihnen warder Boden der republikanischen Ideen gegeben, und der lebendigste Theil der franzö-sischen Jugend säumte nicht, hier seinen Platz zu finden. Der Weg, auf dem manzum Ziele zu gelangen suchte, war aber ein eigenthümlicher für jene Zeit, es warder Weg der geheimen Verbindungen, unter denen die große und mächtige Verbin-dung der Carbonari die bekannteste ist. Diese Verbindung, die ohne bestimmtesZiel blieb, wurde im Blut ihrer Theilnchmer erstickt und hinterließ keinen unmittel-baren Erfolg. Desto wichtiger war indessen die mittelbare Folge, daß man von daan die geheimen Verbindungen überhaupt als ein legitimes Mittel der Oppositionansehen lernte. Das hat reiche Frucht getragen: die Verbindungen, die geheimenGesellschaften haben die innere Geschichte der folgenden zehn Jahre beherrscht. Alleinzunächst war das Interesse und auch die Macht der eigentlichen Bourgeoisie bei wei-tem überwiegend. Die immer entschiedenere Richtung des Königthums zwang dasganze Volk, dichtgeschlossen zusammenzuhalten. Es durfte, sollte es anders mit ir-gend einer Wahrscheinlichkeit dem Siege entgegengehen, keine Art der innern Spal-tung anerkennen. Der Unterschied zwischen Bourgeoisie und Peuplc verschwand hier-mit; das ganze Volk gewann 1830 den Sieg der Julirepolution.

Die sociale Bewegung nach der Julirevolution bis 1840: Trennung zwischen Bourgeoisie undNeuple; Verbindung des Letzter» mit dem Republikanißmus; das neue Proletariat; die geheimenGesellschaften und die Aufstände; die neue Epoche des Babeufismus.

Als nun nach den kurzen aber heißen Tagen deS Juli und August die Kroneaus dem Haupte des neuen Herrschers befestigt war, was hatte man da eigentlichgewonnen? Au eng waren alle Classen des Volkes aneinander gedrängt gewesen,um nunmehr nicht ihre eigenthümlichen Verhältnisse zur Staatsgewalt zu begreifen,und für lange Zeit ihre gegenseitige Stellung zu ordnen. Die nächsten Bewegun-gen mußten über wichtige Dinge entscheiden. Ganz offenbar hatte durch die Revo-lution die Bcurgeoisie zunächst gewonnen, was sie erstrebt, nämlich: das verfassungs-mäßige, freie Recht. Allein dieses Recht hatte in der Gestalt, wie die Bourgeoisiees wollte und erhielt, gar keine Bedeutung für den Arbeiterstand. Denn vor allemwar der alte Wahlcensus nur auf so wenig vermindert, daß kein Arbeiter an derVolksvertretung theilnchmen konnte. Die Bourgeoisie war einfach an die Stelle desalten Adels der Restauration getreten. Das Volk, der eigentliche Peuple, stand demStaate um keinen Schritt breit näher. Das war ein Resultat, das von allen Seitensehr wohl eingesehen wurde. Einen Augenblick lang hatte das ganze Volk den Staatin Händen gehabt; dieser Augenblick ging vorüber, und der Arbeiterstand befand sich inder alten Stellung. Dazu kam, daß die Revolution der ganzen Industrie einen hartenStoß gegeben hatte. Die Capitalien zogen sich zurück; die Arbeit ward beschränkt;der Lohn sank, und die Folge des Kampfes für das Recht der Bourgeoisie war dieVermehrung der Last des Arbeiterstandes. Ein solches Verhältniß mußte nothwcn-

bedenkliche Folgen haben. Die rein republikanische Partei, bis dahin ohne eigeneStellung, trat nunmehr wieder selbständig auf. Sie hatte aber jetzt natürlich in-nerhalb der Bourgeoisie keinen Platz mehr, denn diese besaß Alles, was sie sbdernkonnte. Sie mußte daher, um irgend etwas zu bedeuten, sich Denen zuwenden, dieauch für die neue Verfassung gekampft, aber durch ihren Sieg gleichfalls nichts er-reicht hatten. Das aber war der Arbeiterstand. Derselbe kam dem Republikanis-