Der Socialismus und Communismus i« Frankreich. 321
Augen über Einen Punkt, von dem man bisher geschwiegen hatte. Was die Re-publik ihrer Form nach sei, das hatte man bisher sehr wohl geprüft; allein ob dieserepublikanische Form nun auch im Stande sein werde, wirklich dem Arbeiterstandeweiter zu helfen, ob mit der Republik eine Verbesserung der socialen Lage des Pro-letariats erreicht werde, das war den Verschworenen und Verbündeten bisher nochnicht eingefallen. Man hatte Wort und Begriff der „LZslitä" oft genug gebraucht;ob aber die staatsrechtliche Gleichheit auch die bürgerliche Gleichheit ernstlich gewährenwerde, danach hatte man sich eigentlich nie gefragt. Durch jenes Buch nun wardes klar, worauf es bei der Sache des Proletariats ankam; Das, was Babeuf ge-wollt, ward das Ziel der Gedanken. Jetzt wollte man zwar auch eine Republik,aber man wollte sie als Mittel für den Zweck bürgerlicher Gleichheit. Natürlich tra-ten diese Ideen, die von der Babeuf'schen Verbindung ausgegangen, selbst wiederzunächst in all der Roheit jenes radicalen Communismus hervor. Aus der Fode-rung nach einer Theilnahme des Proletariats an der Staatsgewalt ward eine Fede-rung nach Theilnahme an dem Vermögen, und an die Seite des Hasses gegen dieRegierung trat ein nicht minder lebendiger Haß gegen die Besitzenden. In diesemAugenblick zogen sich freilich alle bessern Theile aus einer solchen Verbindung zu-rück; die revolutionäre Bewegung' ward dem Pöbel überlassen und zeigte sich hierin ihrer ganzen Nacktheit. An die Stelle offener Revolten traten die Attentate.Man wird sich wol der Attentate Alibaud's und Meunier's erinnern, die höchst wahr-scheinlich Mitglieder der „8ooist8 äs8 kamillss" waren. Der Babeufismus erhielteigene Organe und machte Versuche, Flugblätter und Zeitschriften zu gründen. End-lich entstand auch seit der Julirevolution die vierte geheime Gesellschaft, die „8c>-oists äss saisoirs" mit Blanqui und Barbes an der Spitze. Diese Gesellschaftließ ihre Adepten den Haß und Untergang aller Reichen und Wohlhabenden schwö-ren; ihr Glaubenssatz war die absolute Gleichheit und Vertheilung aller Güter, ihreMittel offene Revolte und geheime Attentate. Der lange vorbereitete Aufstand brachendlich aus im Mai 1839; anfänglich schien ihm der Erfolg hold, allein bald ge-wann die öffentliche Macht den Sieg, und die Hauptführer wurden gefangen undverurtheilt. Jetzt trug die Regierung Sorge, die Grundsätze dieser Verbindung be-kannt zu machen, und erreichte dadurch vollkommen ihren Zweck, denn die öffentlicheStimme verdammte nicht nur den Aufstand als solchen, sondern vor allem die Prin-cipicn, für deren Verwirklichung derselbe gedampft hatte. Die Trennung der Bour-geoisie von allen revolutionairen Unternehmungen schien für immer gesichert durchdie Furcht, daß jede künftige Revolution nur eine Empörung der Nichtbesitzer gegendie Besitzenden oder des Proletariats gegen die Bourgeoisie sein könne. Auf dieserGrundlage erbaute das Königthum nun ein System, das lange feststehend, endlichdie Krone selbst zerschmetterte.
Die commumstischen Richtungen seit 1810; die Februarrevolution von 1848.
Zunächst freilich trat eine Ruhe ein, die ein ganzes Jahr hindurch die Ge-müther täuschte. Plötzlich aber hob das Attentat Quenisset's den Schleier vonDem, was in dem Proletariat vorging. Die Verhöre desselben zeigten, daß die Ver-bindungen ebenso wenig aufgehört hatten, als die Bewegungen der untersten Classeder Gesellschaft; die genauere Nachforschung ergab, daß eine ganz neue, und imGrunde weit beachtenswerthere Gestalt der Dinge Platz gegriffen, als man bishergeahnt hatte. Diese neue Gestalt der Bewegung/ welche die Zeit von 1840 — 48begreift, bildet in der Geschichte des Ganzen eine eigenthümliche, eine dritte Epoche.-Zn chr tritt uns im Proletariat der eigentliche Communismus in drei Hauptrichtun-gen entgegen, die wir einzeln näher ins Auge fassen müssen. Die erste dieser Nich-
ist der rohe Communismus, der als Fortsetzung des Babeufismus erscheint,und den man hauptsächlich in der Verbindung der „ Iravaillouro ögniitnires" ver-treten findet, zu denen Quenifset gehörte. Dieser rohe Communismus hat durchausDie Gegenwart. I. 21