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Der Socialismus und Communismus in Frankreich. 325
jämmerliche Rolle, welche die Regierung hier spielte. Es wollte Änderung, aberder Änderung stand die gesetzmäßige Majorität der Kammer entgegen. Man warganz überzeugt, daß ein solcher Zustand aufhören werde, wenn das Volk selbst seineVertreter wähle. Dazu gab es nur Ein Mittel, die Wahlreform. Sie trat an dieSpitze aller innern Fragen. Eine Wahlreform aber ist kurz gesagt nur der Grund-satz, daß ein geringeres Vermögen das Wahlrecht geben, und daß daher ein größererTheil des Volkes an der Vertretung bethciligt werden soll. Wenn sie vernünftig ist,so ist ihre Grundlage nur ein so großer Besitz, daß jeder fleißige, ordentliche, ge-schickte Mann denselben erwerben kann. Eine Wahlreform hat daher nothwendigalle Theile des Volkes für sich. Sowie die Wahlreform mithin zur Hauptfrageward, gab es wieder, wie im Jahr 1830, ein gemeinsames Ziel für Alle; alle Par-teien waren einig. Auch die Regierung ward durch die Frage nach der Wahlreformauf ihren letzten Punkt zurückgedrängt. Denn wurde die Reform durchgeführt, sowar natürlich an eine Gewinnung der Majorität nicht mehr zu denken. In derWahlreform mußte sich die Sache entscheiden. Man rüstete sich zum Kampfe.
Betrachtet man nun diesen so kurzen und entscheidenden Kampf, so ist Dasklar, worauf es für die Folge ankommen wird. Die Republikaner sowol als dieCommunisten hatten gleich anfangs die ganze Frage nach der Wahlreform als einenbloßen Durchgangspunkt angesehen, während die Bourgeoisie sie als den Endpunktbetrachtete. Der Kampf selbst hat danach zwei Abschnitte. Der erste reicht biszur Entlastung des Ministeriums Guizot und seines Princips. Während aber dieNationalgarde die Reform hoch leben läßt, erhebt sich in den Vorstädten der andereTheil des Volkes, welcher der ermüdeten Nationalgarde die Republik abzwingt. Manerkennt deutlich, wie planmäßig sich der Aufstand der Vorstädte zurückhielt bis zumentscheidenden Augenblick, und wie der Kampf für die Republik von vornherein einganz anderer war als der Kampf für die Reform. Bis zur Entlastung der Mini-ster siegte die Bourgeoisie; nach ihrer Entlassung siegte das Proletariat, nicht derPöbel, nicht die Masse, nicht der Arbcitcrstand, sondern das bewußte und bewaff-nete Proletariat. Das Wesen und der Kern dieser Zustände ist damit zusammen-gefaßt in dem nun wol leicht verständlichen Satz, daß jetzt die Republik die Staats-form für das Leben und die Zukunft des Proletariats wurde, während sie es1793 nur für den abstrakten Begriff der persönlichen Freiheit und Gleichheit war.So hat sich vollendet, was wir oben äußerten: statt daß früher der Staat die Ge-sellschaft beherrschte, begann jetzt die Gesellschaft den Staat zu beherrschen. DieEntwickelung des gemeinsamen Lebens bis zu diesem Punkte war nun zu Ende.Die Frucht war reif; sie ist gefallen, und die Weltgeschichte steht vor einer neuen Frage.
Wie nun soll diese Frage ihre Antwort.finden? Wir sind nicht so übermüthigzu glauben, daß wir sie geben können. Kein Mensch hat je eine Frage beantwor-tet, die an die ganze Menschheit gestellt war. Aber was wir vermögen, daS ist dieklare Hinstellung der Frage selbst. Es ist gezeigt worden, in welchem tiefen Wider-spruch das ganze Proletariat der Gegenwart steht; es ist dies Proletariat bishergänzlich von jeder Thätigkeit zur Lösung dieses Widerspruchs ausgeschlossen gewesen.Durch die Februarrevolution erlangte aber das Proletariat die höchste Gewalt inmenschlichen Dingen; es erlangte die Staatsgewalt. Es ist keinem Zweifel unter-worfen, daß es dieselbe gebrauchen wird, um seinem Ziel, der Erhebung derArbeit zur Gleichstellung mit dem Capital, näher zu kommen. Möglich,ja wahrscheinlich nach dem Laufe menschlicher Dinge ist es, daß neue Kämpfe, Nie-derlagen und gewaltsame Ereignisse eintreten, welche diesen Zustand stören oder garunterbrechen; darüber wird kein Sterblicher ein entscheidendes Wort zu sagen imStande sein. Allein die Sachlage kann sich dadurch nicht ändern. Wird früheroder später die Volksvertretung eine Vertretung des Proletariats auch nur zur Hälfte,ja nur zum Drittheil, so wird die Frage, von der Frankreichs Schicksal abhängt,die sein: inwieweit die Staatsgewalt in ihrer vollsten Ausübung esvermag, die gegebenen Zustände der Gesellschaft zu ändern, «nd die