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Erster Band.
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324 Der Socialismus und Communismus in Frankreich.

Gewalt im Staate verbündete. Nun aber war die herrschende Gewalt das Bürger-thnm, die eigentliche Bourgeoisie, anfänglich noch zerspalten in eine republikanisch«und eine dynastische Partei. Zwischen beiden zu stehen, war unmöglich; sich derletzten zuzuwenden, ohne die erste zu vernichten, hieß offenbar das Königthum selbstzur Partei machen. Es blieb also nichts übrig, als die Republikaner geradezu zubekämpfen. Und für diesem Kampf gaben die Umstände dem Königthum die beste Ge-legenheit an die Hand, indem die Bourgeoisie die Sicherung des Credits als eineNothwendigkeit erkannte. Das Königthum, indem es den Aufstand bewältigte, schienallein für die Bourgeoisie zu kämpfen. Die letztere schloß sich ihm daher auf dasentschiedenste an, und die Regierung siegte mit der Nationalgarde und der öffentli-chen Meinung zugleich auf allen Punkten über die Republik. Diese Zeit geht etwabis zum Jahre 1836; sie ist die Zeit des aufstrebenden neuen Königthums.

Allein der König sah ferner sehr wohl ein, daß, sobald die öffentliche Ruhe ge-sichert sei, auch diese Bourgeoisie selbst sich gegen die Obergewalt des Königthumswenden, und dasselbe zum Werkzeug für seine eigenen Interessen machen werde.Er mußte daher jetzt einen Schritt weiter gehen, und jeden Angriff auf das König-thum als einen Angriff auf die Sicherheit des Bürgerthums erscheinen lassen. Dazunun bot gerade der Communismus das beste und durchgreifendste Mittel, die Atten-tate den legitimsten Anlaß. Nun begann eine neue Taktik. Man ging von derÜberzeugung aus, daß der Republikanismus überhaupt kein Gegner mehr sei; alleindie nahe Verwandtschaft desselben mit dem Communismus machte es möglich, jedeBewegung des Volkes als eine Gefahr für das Eigenthum darzustellen. Es gelangdamit, die Bourgeoisie für eine Zeit lang vor jeder Entwickelung des Volkes in Furchtzu setzen, und das Königthum als die einzige Stütze des bestehenden Zustandeshinzustellen. Sie warf sich daher demselben offen in die Arme; die Theilnahme desVolkes an der Regierung ward aus die bloße Opposition beschränkt, und die Regie-rung durfte es wagen, die Presse, die Versammlungen, die Reden des Vokkes aufallen Seiten zu beschränken. Das Königthum herrschte eine Zeit lang wirklich allein,und hatte in dieser Herrschaft die öffentliche Meinung für sich. Aber allmälig tra-ten bedenkliche Zeichen der Zeit ein. Zwar verschwanden die Aufstände und sogardie Attentate, doch auf der andern Seite mehrte sich die Staatsschuld, und das Bud-get stieg in unerhörter Weise. Die Regierung fing an, eine schwere Last für dieBourgeoisie selbst zu sein; sie fürchtete, daß sie den Schutz, den sie vom Königthumgenoß, sehr theuer werde bezahlen müssen. Sie wollte daher Reformen. Eine Reformaber ist in solchen Zuständen nicht etwa blos die Änderung eines einzelnen Instituts,sondern vielmehr stets der erste Schritt zu einer neuen Gestalt der Verhältnisse, ammeisten wenn sie sich auf das Wahlrecht bezieht. Die Wahlreform war es aber,die man wollte. Es war klar, daß die Bourgeoisie das Königthum bewältigen würde,wenn die Wahlreform durchging. Auf diesen Punkt concentrirte sich daher die ganzeGewalt des nun entstehenden Kampfes, und es wird nicht schwer sein, den Gangder Dinge unter dem Ministerium Guizot seit 1840 darzulegen.

Der Plan der Regierung beruhte zunächst auf «der Überzeugung, daß die öf-fentliche Meinung jeder gewaltsamen Änderung der Dinge abgeneigt sei, und daß es ,daher nur darauf ankomme, so viel Macht in Paris zu.concentriren, als für dieBewältigung einer plötzlichen Bewegung nöthig schien. Daher denn die Befestigungvon Paris, der Casernen in Paris, die Entwaffnung der Nationalgarden in allenProvinzialstädten, die Übung der königlichen Prinzen in militairischcn Dingen. Dannaber mußte man aus verfassungsmäßigem Wege alles Dasjenige thun, was zu thunwar. Um das zu können, mußte man die Majorität der Kammer haben, die darumzum Theil durch die unwürdigsten Mittel gewonnen wurde. Mit dem öffentlichenRecht und der öffentlichen Macht zugleich hoffte man jedem Sturme begegnen zukönnen. Das Volk sah indessen ein, daß man die Formen des Rechts gegen denGeist desselben gekehrt hatte. Seine Lasten wuchsen. Unruhen brachen in derSchweiz und in Italien aus; die französische Ehre fühlte sich gekränkt durch die