406 Die bürgerlichen Verhältnisse der Inderr in Deutschland.
gen aus. Endlich gestattet es den auch nur theilwcise dem Schacherhandel sich wid-menden Jsraclikcn die Ansaßigmachung und Vcrchelichung erst nach dem 55. Jahre.Alle diese Bestimmungen, die wol in guter Absicht gegeben wurden, verletzen die all-gemeine Menschenwürde, sind des modernen Staats unwürdig, und bewirken durchihre innere Nichtigkeit gerade das Gegentheil von Dem, was man ursprünglich be-zweckte. Nur die Freiheit gibt Kraft, Ehre, Vertrauen und Dankbarkeit.
Die Raccnvcrmischung, eine wirkungsreiche Folge vollständiger Zubenemancipation.
So muß nun die blos theilwcise Emancipation der Juden, nicht minder aberauch die Ansicht von deren allmäliger Gleichstellung mit der christlichen Bevölkerungnach Vernunfkgründen wie nach der Erfahrung als nicht gerechtfertigt erklärt werden.Die Gesammtsrage kann demnach, wie aus unserer Erörterung hervorgeht, nur inder allgemeinen und vollständigen Emancipation der Juden ihre wahrhafte und zeit-gemäße Lösung finden. Aus der vollständigen Emancipation wird zunächst von selbsteine zwar seit 20 Jahren in allen Ständeversammlungen besprochene, aber nie genuggewürdigte Maßregel folgen, nämlich: die Freigebung der Ehe zwischen Juden undChristen, wenigstens von Seiten des Staats. Diese Mischehe aber muß im Laufeder Zeit zu einer förmlichen Naccnvermischung führen, mit der nothwendig die letztenDerknöcherungen und Eigenthümlichkeiten schwinden werden, durch welche die Judenbisher unserer bürgerlichen Gesellschaft zur Last gefallen sind. Eine solche Vermi-schung muß selbst die specifisch-jüdischen Traditionen, Sitten und Vorstellungen imKreise der Familien brechen, und hiermit von Grund aus das Bedenken heilen, alswäre es möglich, daß gerade durch die Emancipation das Fortwuchern einer fremden, .feindseligen Nationalität im Schosse der germanischen Gesellschaft weitern Spielraumerhalten könnte. „Als sich in Rom", sagt D. Strauß bei Behandlung diesesGegenstandes, „das Bedürfniß zeigte, die Kluft zwischen Patriciern und Plebejern >auszufüllen, welche aus den Bewohnern derselben Stadt zwei feindliche Völker zumachen drohte, da trugen verständige Männer darauf an, daß das Gesetz, welchesgegenseitige Heirathen zwischen beiden verbot, außer Wirkung gesetzt werde. Zwarwehrte sich das Patriciat aus allen Kräften gegen eine Neuerung, durch welche, wiedie Consuln sich ausdrückten, und wie in Betreff judenchristlicher Mischehen auchunsere Prälaten und Consistorien sich ausdrücken würden, alle göttlichen und mensch-lichen Satzungen gestört, Stämme und Religionen vermengt, die Ehen zur thierischenVermischung herabgewürdigt wurden; aber der energische Tribun und die Zeitgemäßheitseines Antrags drangen dennoch durch, und erst jetzt, urtheilte er, seien die beidenStände in Ein Volk zusammengewachsen. Wo auch Hinsort die Römer eine Stadtoder Völkerschaft sich besonders innig verbinden wollten, da pflegten sie ihr das Con-nubium ,zu ertheilen." Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß dieselbe Maßregelauch, jetzt dieselbe Wirkung haben, daß mit dem Zusammenwachsen entgegengesetzterVolkselemcnte der alte Hader und das alte Mistrauen schwinden wird. Allerdings .wird man sich auch jetzt diesen Mischehen von verschiedenen Seiten her widersetzen.Nicht nur die, orthodoxe Christlichkeit, sondern auch das starre Judenthum wirdEinspruch dagegen erheben; selbst die Familien werden sich anfangs gegen die Misch-ehen, erklären und von der Heirathsfreiheit wenig Gebrauch machen. Allein diestifle.Wirkung humaner. Gesinnung und Gesittung, welche die Volksgeister und dieReligionen einander näher rückt und zu höherer Einheit abklärt, wird auch hier!»ihren unwiderstehlichen Einfluß aus die Parteien üben.
'.. Diese humane Bildung und Gesinnung, welche die großen Grundsätze bürger-licher und religiöser Freiheit und Gleichheit zum VZahlspruch unserer Zeit macht,muß sich gewiß auch schon in diesem Augenblicke bethätigen, wo die gesetzgebendenVersammlungen Deutschlands; aufs neue über das politische Schicksal unserer Judenentscheiden sollen.. Selbst, die ^frühern Verhandlungen der deutschen Stände, voraflem aber der freie Geist, in s welchem diese , Angelegenheit aus dem Vereinigte»Landtage Preußens im Jahre , iM7s,ftotz dem. Einflüsse und der Gewalt einer ins