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Erster Band.
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Die Familie Cavaignac.

Als ein Decret Napoleon's die in Neapel angestellten Franzosen zu Ausländern erklärte,kehrte er nach Paris zurück. Bei der Rückkehr Napoleon's von der Insel Elba, imMärz 4815, wurde er als Präfect nach dem Sommedepartement beordert; er hattejedoch diese Stelle noch nicht angetreten, als die zweite Restauration eintrat. InFolge des sogenannten Amnestiegesetzes vom 12. Jan. 1816, das auch ihn betraf,sah er sich genöthigt, nach Brüffel auszuwandern, wo er den 24. März 1829 starb.Die Beschuldigungen, mit denen ihn die Biographen jener Zeit überhäuften, sinddurch die vollständigsten Belege als unwahr erwiesen worden. Jean Baptiste Ca- >vaignac hinterließ drei Kinder. Der älteste Sohn, Godesroy, sollte Advocat, derzweite, Eugene, Soldat werden; das dritte Kind war eine Tochter, Caroline Cavaignac. IDie drei Kinder wurden, während der Verbannung ihres Vaters, unter der Aufsichtder Mutter zu Paris erzogen, und trotz der ganz entgegengesetzten politischen Den-kungsart blieben die Mutter und die drei Kinder ihr ganzes Leben lang durch die ^festesten Liebesbande verknüpft. Die Mutter und die Tochter waren gut Napoleonischgesinnt, die beiden Söhne dagegen waren, wie ihr Vater, entschiedene Republikaner.Dennoch dürste man nicht leicht ein innigeres, seelenvolleres Verhältniß finden alsdasjenige, welches in der Cavaignac'schen Familie zwischen Mutter und Kindern wiezwischen den Geschwistern selbst bestand. Madame Cavaignac, geborene Julie de Co-rencey, lebt noch; sie ist aus einer altadeligen Familie in der Provence, und einevon jenen antiken Naturen, in denen sich Charakterstärke und Liebe wundersam ver-einigen. Selbst sehr vielseitig und fast zu hoch gebildet, aber ohne allen Anstrichvon Pedanterie und gelehrtem Weiberwesen, ließ sie ihren Kindern eine sehr voll-ständige und glänzende Erziehung geben. Die beiden Söhne absolvirten ihren Schul- ,cursus im College Sainte-Barbe, eine Schule, aus der sehr viele Zöglinge hervor-gegangen sind, die sich in den verschiedenen Zweigen des menschlichen Wissens undKönnens einen angesehenen Namen errungen haben.

Godesroy Cavaignac, geboren zu Paris 1801, studirte die Rechte undmachte das Advocatenexamen. Ein sehr befähigter und gebildeter Kopf, hätte er sichwol eine heitere und ruhige Laufbahn eröffnen können; allein seine politische Überzeu- -gung, die von Jugend aus mit seinem Wesen verwachsen, warf ihn bald in den hei-ßen Kamps der Parteien. An der Julirevolution von 1830 nahm er, mit der Waffein der Hand, den thätigsten Antheil, und besonders setzte er sein Leben tapfer aufsSpiel in den Kämpfen um das Stadthaus. Nach der Erhebung der Familie Orleansbefand er sich unter den ersten, die gegen die neue Regierung auftraten. Er warCapitain in der zweiten Legion der Artillerie der pariser Nationalgarde, die, wegen zurevolutionairen Geistes beim Proceß der Minister Karl's X., im December 1830 aus-gelöst wurde. Als Mitglied und Präsident der republikanischen Gesellschaft der „4wiräu psuplo", klagte ihn die Regierung schon im October 1831 als Hochverräther an.Vor den Assisen erklärte er damals frank und frei, daß er ein Republikaner sei, daßer die feste Überzeugung habe, die Freiheit könne unter dem Königthum unmöglichbegründet, sondern nur durch eine reine republikanische Regierungsform gesichert wer-den. ,, Die Rede, welche er vor dem Gerichtshof hielt, ist ganz bezeichnend für seinePersönlichkeit und Denkart. „Mein Vater", sagte er, „war eines jener Mitgliederdes Nationalconvents, welche die Republik im Angesicht des damals siegreichen Europa ^verkündetem Hierauf vertheidigte er sie mit den Waffen in der Hand. Dafür mußte ier nach zwölfjähriger Proskription in der Verbannung sterben. Ich bin sein Sohnund der Erbe seiner Meinungen. Durch Studium und Nachdenken hat sich der natür-liche Anstoß befestigt, den meine politischen Ansichten durch meine Erziehung erhiel- >ten, und da sich nun heute eine Gelegenheit mir darbietet, ein Wort auszusprechen,das Andere geächtet haben, so erkläre ich hier aus inniger Überzeugung, daß ich ein !Republikaner bin. Ich habe diesen Gegenstand von allen Seiten erwogen; es genügtemir nicht zu wissen, daß die Republik die vollkommenste aller Regierungsformen sei; ichHabe auch die Geschichte durchforscht, habe Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftüberschaut, um zu sehen, ob die Republik in Europa auch thunlich sei, und ich habe