Band 
Erster Band.
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Die Familie Cavaignac.

gefunden, daß sie nicht nur möglich sondern sogar unvermeidlich ist, daß Alles die-sem Ziele zuschreitet — die Ereignisse, die Geister, die Dinge. Es liegt mir klarvor Augen, daß die Bewegung, welche jetzt die Welt ergriffen, nothwendig zur Re-publik führen muß."... „ Immer hält man den Republikanern die Schreckenszeitder ersten Revolution entgegen. Wir wissen aber von dieser Zeit, daß sie durch dieInvasion Frankreichs begonnen und mit dessen Befreiung und Vergrößerung geendethat; vernünftige Leute suchen in der Geschichte blos die Resultate auf, das Übrigeüberlassen sie den Nichtsthuern und Träumern. Mag man noch so laut gegen denNationalconvent schreien — es ist doch nicht zu leugnen, daß ex die Freiheit gerettet,den Despotismus siegreich bekämpft, seine großen politischen Ideen verbreitet hat, unddaß er von allen Regierungen, die seit 36 Jahren auseinander folgten, die einzigeist, die siegreich und freiwillig vom Ruder abtrat. Darum bin ich stolz darauf, derSohn eines Conventgliedes zu sein."

Man sieht, Godesroy Cavaignac war ein Republikaner vom festesten Schlage,ein Revolutionair von der radicalsten Sorte. Er gehörte zu der „Gesellschaft derMcnschenrechte", die aber Cavaignac's Republikanismus noch lange nicht für voll-gültig anerkannte. Eine Section dieses großrevolutionairen Vereins hielt seinetwegeneine Art Femgericht und erklärte ihn für vogelfrei; aber vor dem Meuchelmordesträubte sich der offene und ehrliche Nationalcharakter doch zu sehr, als daß sich einFreischöffe, der das Bluturtel vollstreckte, gefunden hätte. Nach den Aprilunruhenvon 1834 erlitt Godesroy eine längere Gefangenschaft mit seinen republikanischenFreunden Guinard, Re'curt, Marrast und Andern, die sämmtlich in den Aprilpro-ceß verwickelt wurden. Ihre merkwürdige Flucht aus Samte-Pelagie ist bekannt.Godesroy Cavaignac rettete sich nach England und verlebte daselbst fünf Jahre, dieer zu umfassenden staatswissenschastlichen Studien verwandte. Seine Mutter undSchwester besuchten ihn daselbst, und von dieser Reise, die unter heftigen Gemüths-bewegungen und in einem strengen Winter vor sich ging, schreibt sich die Krankheither, welche Caroline Cavaignac hinwegraffte; sie starb unverheirathet im Alter von22 Jahren zu Paris, ein Jahr nach ihrer Zurückkunft aus England. MadameCavaignac, die von ihrer Tochter und selbst von ihrem ältesten Sohne bis zu dessenFlucht nie getrennt gewesen war, befand sich in Folge dieses Todesfalls drei Jahrelang ganz vereinsamt. Zwei Stunden nach dem Tode ihrer Tochter hatte sie dieFassung und Geistesstärke, einen langen Brief an Godesroy zu schreiben, worin sieihn von Allem, was ihm bis dahin verheimlicht worden, in Kenntniß setzte und zu-gleich beschwor, nicht nach Frankreich zurückzukommen. Wirklich kam Godesroy erstzwei Jahre nach der vom Ministerium Mole ertheilten Amnestie aus England nachParis zurück, wo er sogleich seine Opposition gegen die Regierung wieder eröffnete.Ledru-Rollin bewog ihn jetzt, ein «genes Organ, „lla kskorws", zu stiften, in demer zwar mit derselben Kraft der Überzeugung wie früher, aber mit mehr Mäßigungdie Politik Ludwig Philipp's angriff und die demokratischen Ideen verbreitete. Durchdie aufrichtige und edle Hingabe an seine Sache, sowie durch den reichsten Schatzhistorischen Wissens, zwang er selbst seinen Feinden Achtung ab. Keiner seiner Zeit-genossen war wol mehr als er mit allen Einzelheiten in den Thatsachen und Grund-sätzen der ersten Revolution vertraut. Der Verlust seiner Schwester schmerzte ihn tief.Die wechselvollen Schicksale und Fahrten seines politischen Lebens, dabei der Gramüber die getäuschten Hoffnungen, hatten seine nie sehr feste Gesundheit erschüttert,und die mühsamen Beschwerden, welche ihm die Redaction des neuen Journals zu-zog, beschleunigten seine Auflösung. Er starb, nachdem er einige Monate an schwe-ren Brustleiden gekrankt, unverheirathet, am 5. Mai 1845, in seinem 45. Jahre.An seinem Todestage selbst geschahen die Verhandlungen über die Befestigung vonParis, an deren Verhinderung er mit Eifer seine letzten Kräfte gesetzt. GodesroyCavaignac besaß ein martialisches Äußere; besondern Eindruck machte sein schönerK°pf- Unter einer rauhen Hülle barg er ein tiessühlendes, rechtschaffenes und füralles Große begeistertes Herz. Man kann es als ein Glück für seinen Nachruhm