Band 
Erster Band.
Seite
410
JPEG-Download
 

410

Die Familie Cavaignac. >

ansehen, da? er mit seiner Partei nicht gesiegt hat; er würde mit seinen vertrautesten !Freunden, vielleicht gar mit seinem Bruder zerfallen sein. So ist er von allen Par-teien geachtet und von seinem Bruder vergöttert dahingegangen. Die Anhänger dergerade in hitziger Fehde begriffenen republikanischen Fractionen betrauerten einstimmigseinen frühen Tod, und schloffen an seinem Sterbebette und auf seinem Grabe einenGottesfrieden, der aber bald nachher wieder in den alten Teufelszank ausartete. Diedemokratische Partei verlor an ihm einen eifrigen und rüstigen Kämpfer, der mitmoralischer Kraft und Überzeugungstreue ihre Sache verfocht. Seine Hauptkampf-plätze waren die „Iriduns" und die „liskorins"; in beiden legte er seine Ideen und* Aussprüche nieder. Seine leitenden Artikel und großem Aufsätze sind nicht frei von.Tiraden und Declamationen, aber durchweg in kräftiger, männlicher Sprache geschrie-' Len und verdienen theilweise gesammelt zu werden, als bezeichnende Belege für denpolitischen Geist feinet Zeit und seiner Partei.

Eugene Cavaignac, geboren zu Paris am 15. Dec. 1802, begann, nachVollendung seiner Gymnasialbildung im College Sainte-Barbe, die Vorstudien seinermilitairischen Laufbahn in der Polytechnischen Schule, und war schon 1828, bei derExpedition der Franzosen nach Morea, Stabshauptmann im zweiten Genieregiment. 'Im Jahre 1850 befand er sich in Arras in Garnison, wo er sich mit zu allererst >für die Principien der Julirevolution aussprach. Als sehr eifriger Republikanerbetrachtete er jedoch nach der Wiederherstellung des Thrones die Revolution für geschei-tert. Zu Metz, wo er seit 1851 in Garnison stand, stellte er 1852 seinen Namen !an die Spitze einer Volksadresse, die auf Krieg antrug und gegen die übertriebenenFriedenstendenzen der neuen Regierung protestirte. Um dieselbe Zeit wurde er vonseinem Obersten befragt, ob er im Fall eines Aufstandes Befehl geben würde, aufdas Volk zu schießen, wobei er durch seine verneinende Antwort ganz unverholenseine demokratische Gesinnung ap den Tag legte. Die Regierung schickte ihn deshalb !nach Afrika;'sie wagte nicht, strenger gegen ihn zu verfahren, weil er schon damalsin seinem Corps sehr angesehen und allgemein beliebt war. Man that, als verstehees sich von selbst, daß seine Antwort nicht wol anders lauten könne, weil er derBruder Godefroy Cavaignac's sei, und die von seinem Vorgesetzten an ihn gerichteteFrage gleichsam als Herausfodcrung zu einer solchen Antwort gelten müsse. Von

1855 an sehen wir ihn thätigen Antheil nehmen an den Kämpfen, die seinen Namen

ehrenvoll bekannt machen sollten. Im Juli desselben Jahrs wurde er in Folge derNiederlage an der Makta, mit dem damaligen Commandanten Lamoriciere, unterBegleitung der wenigen treu gebliebenen arabischen Reiter, von Oran zum General

Trezel gesandt, um diesen zu bestimmen, zu Lande nach Oran zurückzukehren. Nach

der Einnahme von Tlemcen, im Januar 1856, errichtete der Marschall Clauzel, derdie Expedition angeführt hatte, ein Bataillon Freiwilliger, welches in der dortigenCitadelle als Garnison bleiben sollte. Das Commando desselben wurde dem CapitainCavaignac übergeben. Er hielt sich sehr ehrenvoll auf diesem ganz abgelegenen Po-sten, schlug alle Angriffe der Araber zurück und wußte, von Abd-el-Kader hart bedrängt,seiner ganzen Umgebung den ausdauernden Muth einzuflößen, der ihn selbst beseelte.Mehre Monate lang war er blockirt, ohne hinreichenden Propiant; er setzte sich selbstauf knappere Rationen als seine Soldaten, die er von jeher so viel als möglich pflegteund schonte. In den „Lnnalss olgäri-snires " liest man hierüber Folgendes: „DieOffiziere und Soldaten machten sich aus einheimischem Zeuge Kleidungsstücke und ver-schafften sich nur mittels ihrer Betriebsamkeit einige Gemächlichkeiten. Der CapitainCavaignac flößte allen seinen Leuten unbegrenztes Vertrauen ein und bewirkte durch !seine unausgesetzte Sorgsamkeit, daß diese Handvoll Franzosen unter einer feindseligen !Bevölkerung und in einem wildfremden Lande nicht den Muth verlor." Das Ba- !taillon Cavaignac's, obschon es sich mit bewundernswürdiger Ausdauer und Tapfer-keit benahm, erhielt, wahrscheinlich wegen des Republikanismus seines Anführers,vom Minister kein Zeichen des Wohlwollens; keiner von den Anträgen, die derMaxschall Clauzel zu Gunsten desselben stellte, wurde genehmigt, Indessen zeigte