Band 
Erster Band.
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Die Familie Cavaignac.

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Wischen Sekten und der niedern Volksclassen auf sich geladen hat (wäre der letzteAufruhr gelungen, die rothen Republikaner und Communisten hätten ihn zuerstguillotinirt oder wenigstens für vogclfrei erklärt), so genießt er dagegen, wenn auchkeine Liebe, doch ein sehr großes Zutrauen und Ansehen bei den mittlern und hohemBürgerclasscn, die nach ihm als nach einem Netter blicken. Übrigens macht sichCavaignac aus nichts so wenig, als aus Dem was Popularität heißt, wenn An-betung der Menge darunter verstanden wird. Er weiß es wohl, daß Der, welcherihm heute Weihrauch streut, morgen daraus einen Anspruch gründet, und wenn die-ser unerfüllt bleibt, ihn übermorgen lästert. Er vermeidet wo er kann alle öffent-lichen Huldigungen und Auszeichnungen. Eines Abends in der großen Oper anwesendverließ er augenblicklich seine Loge, als er sich Gegenstand der Aufmerksamkeit dcSganzen Hauses sah. Man muß es für einen redenden Beweis der Achtung, dieCavaignac allgemein einflößt, halten, daß sich bis jetzt kein sogenannter schöner Geisterlaubt hat, durch witzelnde Reimereien oder Ungereimtheiten aus Kosten des Chefsder Executivgewalt einige platte Lacher zu belustigen. Die Pariser verleugneten die-sen Hang zu Witzeleien nie, selbst gegen die besten ihrer Könige und Staatsmännernicht. Was bisher gegen Cavaignac geschrieben ward, war nicht Spott oder Schön-geisterei, sondern schnödes Pasguill oder rohes Gift.

Das sind einige Züge aus dem Leben und Privatcharakter des Mannes, der inden Junitagen den französischen Staat vor gänzlicher Auflösung rettete und seitdemredlich an seinem innern und äußern Frieden arbeitet. Einiges ist zwar schon ge-schehen, aber beiweitem das Meiste, fast Alles ist noch zu thun übrig; denn manwähne nicht, daß die Kraft eines einzigen Mannes in so kurzer Zeit sichtbare Wir-kungen auf die gährende Menschenmasse hervorbringen, daß ein Wille dieses Chaosschnell zur Ordnung bilden, den leidenden Zustand des Volkes wieder in einen ge-sunden verwandeln und die alten Wunden heilen könne. Dazu gehört ein Menschcn-altcr, ein anderer Geist als der unserer Generation, ein Wiedererwecken aller Gewerbs-zweige, eine durch mitwirkende Kräfte ausgeführte vollständigere Organisation des Gan-zen. Cavaignac machte sich in allen seinen bisher geführten Verwaltungen als einMann von Kopf, Kenntnissen, strenger Mannszucht, Klugheit und Muth schätzbar;er zeigt sich auf seinem jetzigen höchsten Regierungsposten als ein kühner und star-ker Vertheidiger der Republik und der gesellschaftlichen Ordnung. Die mit wachsa-mem, festem Ernst wirkende Kraft der neuen Regierung wird auch als ihr eigen-thümlicher Charakter allgemein empfunden. Obgleich unter den obwaltenden Verhält-nissen die Zahl der Unzufriedenen groß ist, so flößt doch dieser feste und ernsteCharakter der Regierung dem großen Haufen unwillkürliche Achtung ein. Wolmag die Anwendung strenger und militairischer Mittel, durch welche Cavaignac bisjetzt Frankreich und Paris zügelte, nicht mit den proclamirten Grundsätzen bürgerli-cher Freiheit übereinstimmen; allein — wenn man die öffentlichen Zustände Frank-reichs seit der Februarrevolution kennt und erwägt, so wird man wenigstens gegensolche Mittel tolerant sein müssen. Eine Masse von Menschen ohne Grundsätze undBesitz, die kein Interesse an bürgerliche Ordnung und gesetzliche Freiheit bindet,die, veränderlich und wankelmüthig, Jedem gehört, der ihr Theilung und Plünde-rung verspricht, eine solche blinde Kraft ist fürchterlich wie das bewußtlose Element,und sodert eine andere gewaltsame Kraft, die sie zügeln und beherrschen kann.

Ob aber das bloße Zügeln und Unterdrücken genügt, ob mit der negativenPolitik nicht auch eine positive zu verbinden, eine solche, welche die streitenden Ge-gensätze aussöhnt, ob Cavaignac, wie Vortheilhaft sich auch seine Handlungen undgouvernementalen Maßregeln von denen seiner Vorgänger unterscheiden, doch nicht zusthr in demokratischen Ideen und Vorurtheilen des Tags verstrickt ist, ob er dieNatur der zu Staatsactionen erhobenen Principien und ihre unvermeidlichen Konse-quenzen ^zu erkennen vermag, ob seine Ideen und Grundsätze genügen, Frankreichvernünftig-demokratisch und organisch-sittlich zu constituiren, das ist eine Frage, die