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Die Mainzer Vorgänge vom Mai 1848.
Tavakgnac ist zu redlich, um je mit andern als legalen Mitteln regieren zu wollen,was aber der Lage der Dinge nach nicht angeht. In solchen Zeiten kann man nurals Staatshaupt von Zweien Eines wählen: entweder man kann das Steuer demGeschaukel der parlamentarischen Wellen und somit das Staatsschiff dem Verderbenüberlassen, oder man muß sich einen usurpatorischen Einfluß auf die Geschäfte unddadurch freie Hand in öffentlichen Angelegenheiten sichern. Damit die Republik inFrankreich sich befestige, dazu ist auf mehre Jahre ein wirklicher Dictator nöthig.Man kann dagegen schreien; aber Thatsache, unabweisbare Thatsache ist, daß eseines einigen und tyrannischen Willens bedarf, wenn die französische Nation mitder neuen Lebensform und Staatsverfassung verwachsen soll.
Die mamzer Vorgänge vom Mai 1848.
D)ie jüngste Zeit hat zu der traurigen Berühmtheit, welche Mainz als Festung seitmehren Jahrhunderten erlangte, einen neuen Beitrag geliefert, einen Beitrag, wel-cher zur Genüge beweist, daß es besonders in einer politisch bewegten Zeit noch bei-weitem gefährlicher sei, in einer deutschen Bundesfestung zu wohnen als in einerFestung überhaupt. Früher hatte Mainz nur durch Belagerungen und durch An-griffe feindlicher Truppen zu leiden, während ihm vor kurzem der Untergang durchdie eigene Besatzung drohte. Eine einfache, von jeder Parteilichkeit möglichst freieund die verschiedenen Ansichten und Meinungen nebeneinanderstellende Erzählung derEreignisse, welche vom Anfange des Monats März bis zu dem verhä'ngnißvollen Tageeintraten, an dem der lange genährte Zwist zwischen Bürgern und preußischen Trup-pen zum offenen Kampf ausartete, mag die ausgestellte Behauptung rechtfertigen.
Die Kunde von dem Sturze Ludwig Philipp's und der Verkündigung der Fran-zösischen Republik, die schon am Abend des 27. Febr. nach Mainz gelangte, riefunter den Bewohnern dieser Stadt, welche schon längere Zeit ihren Unwillen überdie Verkümmerung der ihnen seit einer Reihe von Jahren liebgewordenen Institu-tionen von Seiten der Regierung kaum zu unterdrücken vermochten, eine fieberhafteAufregung hervor. Bereits am folgenden Abend wurde in einer Volksversammlungeine energische Adresse an die zweite Kammer der Landstände entworfen und ein-stimmig angenommen. Man verlangte darin als Grundlage der Volksfreiheit dieLösung der Presse von allen Fesseln, Garantie des Fortbestehens der angefochtenenGesetzgebung, Ersetzung des stehenden Heers, „dieses fressenden Krebses am Staats-einkommen", durch eine die Sicherheit des Landes im Innern und nach außen alleinschützende Volksbewaffnung, volle Freiheit des Gemeinde- und Volkslebens, ohne denverhaßten Zwang der Polizeigewalt und ohne die Bevormundung eines anmaßendenBeamtenstandes, das Recht, in öffentlicher Versammlung die Bedürfnisse des Landesberathen und seine Wünsche den Ständen mittheilen zu dürfen, eine Revision derVersassungsurkunde in zeitgemäßem Geiste, Gleichstellung und Freiheit der religiösenCulte und endlich eine wahrhafte Vertretung des deutschen Volks durch ein deutschesParlament. Zugleich wurde beschlossen, die Festlichkeiten und Vergnügungen desCarnevals dem Ernste der Zeit zu opfern. Die Vorlesung der bereits noch währendder Versammlung mit Unterschriften bedeckten Adresse, welche am folgenden Morgenauf dem Gutenbergsplatze und andern öffentlichen Plätzen stattfand, erregte alsbalddie Aufmerksamkeit der Polizeibehörde. Der von ihr zur Verhaftung der Vorleserbeorderte^ Beamte wurde aber sammt seiner Mannschaft von der aufgeregten Mengemrt Steinwürfen empfangen und konnte nur durch den Schutz mehrer tüchtigerBürger weiterer Mishandlung entzogen werden. Das Volk ließ sich indessen an die-