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Die Mainzer Vorgänge vom Mai 1848.
strömen von wenigstens Hunderttausend entschlossenen Männern in der Residenzstadt,welche vielleicht einem großen Unglücke nicht entgangen wäre, verhindert zu haben.An die Stelle des Ingrimms, welcher sichtlich mit jedem Tage gewachsen war, tratnun bei der Mehrzahl der Bevölkerung (denn Vielen schien die Freude immer nochvoreilig) eine überaus fröhliche Stimmung. Diese Freude wurde an dem festlichenTage des 8. März durch Glockengeläute, Gesang und Musik vom Thurme des Domsherab, durch Beleuchtung der Stadt, durch einen großartigen, von etwa 30000Menschen begleiteten Fackelzug, durch die wirklich erhebende Absingung des Liedes„Heil dir Moguntia" vor dem Standbilde Gutenberg's und den noch zum Überflußgeleisteten Schwur, für die Freiheit zu leben und zu sterben, bis zu ihrem Gipfel-punkte gesteigert. Das Bürgercomite, welches sich bis zur Erfüllung aller Ver-sprechungen permanent erklärt hatte, stimmte in den allgemeinen Jubel mit ein, fandsich aber schon in den nächsten Tagen veranlaßt, seine Bekanntmachungen, welchebesonders die Achtung vor dem Gesetz und die Erhaltung der Ordnung einschärften,mit dem Zuruf: „Seid wach und gerüstet!" zu schließen. Verdächtigende Gerüchtefingen bereits an, sich über das Land zu verbreiten, und man sah nur zu deutlichdie Absicht einer so unvermuthet gestürzten Partei, Zwietracht zwischen den einzelnenProvinzen zu stiften. Denn während sich in Mainz die beunruhigende Nachrichtverbreitete, der Deputirte Aih sei in Darmstadt erschossen worden, trug man sichdort mit dem abgeschmackten Gerüchte, die Rheinprovinz lasse sich von republikani-schen Gelüsten hinreißen und beabsichtige das neue Ministerium zu stürzen. ZumGlück fand sich der Erbgroßherzog und Mitregent durch solche alberne Reden nichtbewogen, seinen den Städten Mainz und Worms angekündigten Besuch länger zuverschieben, und der Empfang, welcher ihm allenthalben bereitet wurde, mußte ihnalsbald von der Treue seiner Unterthanen diesseit des Rhein und von der Bös-willigkeit müßiger Verleumder überzeugen. In Mainz wurde seine Anwesenheit (am.20. und 21. März) durch entsprechende Festlichkeiten, durch Beleuchtung der ganzenStadt und durch einen großartigen Fackelzug gefeiert. Er selbst sowol als auch dieErbgrvßherzogin, deren Freundlichkeit besonders auf das Volk einen wohlthuendenEindruck machte, schienen am Morgen des 22. März die Stadt befriedigt zu verlas-sen, welche schon an dem Abend desselben Tags der Schauplatz eines bedauerlichenZwistes zwischen Bürgern und Soldaten der preußischen Garnison werden sollte.
Das Gouvernement der Bundesfestung Mainz mußte, wie kein Vernünftigerin Abrede stellen wird, bei dem Beginn der Bewegung in der Stadt in eine sehrschwierige Stellung gerathen; es mußte seine gewiß nicht geringe Verantwortlichkeitwahren, und doch konnte es ihm nicht zustehen, den Freiheitsbestrebungen der Bür-ger, so lange sie keine die Sicherheit der Festung gefährdende Richtung nahmen, ir-gendwie Hindernisse in den Weg zu legen. Zwar wurden die Wälle mit Kanonenbesetzt, die Zugänge und offenen Räume der noch im Bau begriffenen Rheinkehledurch Palissaden gesperrt, die Wachen verstärkt und die Mannschaften mit scharfenPatronen versehen; aber weder die Volksversammlungen aus öffentlichen Plätzen, nochdie festlichen Umzüge, obschon dadurch große Massen von Landleuten in die Stadtgezogen wurden, erlitten irgend eine Störung oder unterlagen sichtbarer Überwachung.Bei dem ersten Fackelzuge und noch mehr bei dem zweiten sah man sogar viele Sol-daten, besonders der östreichischen Garnison, mit den Bürgern Arm in Arm fröh-lich einherschreiten; viele Kasernen waren erleuchtet, und sowol der Vicegouverneurv. Hüser als auch der Festungscommandant v. Jetzer erwiderten jedesmal freundlichden jubelnden Zuruf der an ihren Palais' vorüberziehenden Massen. Ja der Vicc-gouverneur trat sogar heraus auf die Straße in die Mitte des ihn begrüßenden Bür-gercomite, schüttelte mehren Mitgliedern desselben die Hand, und versicherte ihnen, daßsie ihm vertrauen dürsten, sowie er auch den Bürgern von Mainz vertraue. Aberder Keim der Zwietracht war bereits gelegt und sollte sich nur allzu schnell entwickeln.Die einberufenen Reservemannschaften der in Mainz liegenden preußischen Regimen-ter waren aümälig vom 11.—14. März eingetroffen und gaben schon in den ersten