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Die deutsche Kriegsflotte.
brauchte Dänemark in jeden unserer Ströme zu stecken, um ihn zu verstopfen, gleichals wenn man ein großes Weinfaß mit einem kleinen Pfropfen verstopft. ZweiMillionen Deutsche (so viele mögen etwa an unsern Küsten wohnen) gerathen außersich über ein HalbesDutzend dänischer Nußschalen mit kaum 3000 Soldaten am Bord!
Es ist, als wenn der Wolf in eine Heerde Lämmer gebrochen wäre, und manglaubt eine Copie des Hondekoeter'schen Bildes vor sich zu sehen, wo ein Falke aufeinem Hühnerhof erscheint. Da ziehen sich unsere Tausende von Kauffahrern ängst-lich in das Innere ihrer Häfen zurück. Da rennen die Boten an den Küsten hinund her. Da richten sie vom User aus die Perspective auf die dänische Fregatte,und betrachten mit Spannung eine jegliche ihrer Bewegungen. Da lesen wir inallen unsern Journalen genaue Berichte und Artikel: von der dänischen Fregatte,die vor Swinemünde in Sicht ist, von der dänischen Fregatte vor Pillau, von derdänischen Fregatte vor der Elbe, von der dänischen „Havfruen"*) vor Stettin. Da I
erzählt man, was sie mache, welche Bewegungen sie ausführe, welche Segel sie !
aufspanne und was das vermuthlich zu bedeuten habe; daß sie einen Anker fallen ^
lasse, daß sie diese oder jene Miene anzunehmen scheine, daß sie westwärts nach ^
Koserow gesteuert sei und daß sie ein Boot aussetze, daß ein Kanonenboot zu ihrgestoßen sei, daß sie vielleicht damit die deutsche Küste bombardiren wolle. DiesAlles wird von tausend geänstigten Federn ins Innere des Landes berichtet. DieKaufleute stecken die Köpfe auf den Börsen zusammen, die Assecuranzprämien „ge-gen Kriegsgefahr" gehen schwindelnd in die Höhe, das Vertrauen und der Creditfallen tief und platt zu Boden. Und alles Dies woher und weswegen? Blos nurallein der einzigen, höchst unbedeutenden, aber unangreifbaren, unwegschaffbaren dä-nischen Fregatte wegen. Im Lilliputerlande war natürlich allgemeines Entsetzen, alsein Brobdignacschiff an der Küste erschien. Aber wunderbar! hier ist der umgekehrte ^
Fall; ein Schiff aus dem Lilliputerlande erregt denselben Schreck im Lande derBrobdignacs. Wie die Engländer, die Holländer und die Dänen selbst wol in die-sem Augenblick über die Figur, die wir machen, sich ins Fäustchen lachen mögen!
Ein Zwerg, dem ein Riese nichts anhaben kann, weil er es versäumte, sich zurrechten Zeit Wasserstiefeln zu bestellen. Was mögen die Amerikaner von uns den-ken, ja was, um noch einmal auf sie zurückzukommen, die Chinesen, die doch inihren letzten Kriegen mit den Briten g?gen eine weit größere Macht sich zur Seezur Wehre setzten. Aber wie im Norden, so geht es auch am Adriatischen Meereher, wo die Triestiner vor dem Albini erschreckt sind und über alle seine Bewegun-gen in kläglichen Artikeln berichten.**) Da stehen unsere tapfern und siegreichen Trup-pen am Kleinen Belt und am Sund vor Alsen. Beide Meerengen sind nur so breit,daß die rufende Stimme hinüber hallt. Und doch können die Preußen keinen Schrittweiter thun, aus Mangel an derjenigen Waffengattung, die, wie gesagt, keinem wohl-organisirten Staate fehlen sollte. Und ebenso verdutzt und hülflos stehe« unsereöstreichischen Truppen an den Lagunen vor Venedig. Sie sind wie die Landthiere, !die es mit einem beidlebigen Feinde zu thun haben. Sie haben ihn besiegt und wollenihn fassen; da entschlüpft ihnen dieser besiegte Feind ins Wasser, und sie merken nunzu spät, daß sie selbst keine Amphibien sind.
Schläft ein solcher Riese, wie es ein Volk ist, erst einmal fest, so dauertes lange und kostet viel Mühe, ihn zu wecken und in Bewegung zu setzen. DasReden und die bloße Überzeugung helfen da kaum. Man muß dazu erst Bomben undKanonen losschießen. Der deutsche Michel lag fort und fort im tiefen Schlafe, je-doch nur auf einem, auf dem Auge, welches dem Meere hätte zugewendet sein
*) So hieß eine der dänischen Fregatten in der Ostsee. Das Wort bedeutet so viel als„Meerjungfer".
**) Bei diesen Schilderungen, sowie bei den später folgenden Zahlenangaben, ist zu erin-nern, daß der vorliegende Artikel gegen Ende des Monats Juli 1848 niedergeschrieben wurde.
D. Red.