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Die deutsche Kriegsflotte.
im Frieden unangefochten ist, bleibt eS !m Kriege nicht. Wir erregten mit unsererSeemacht zwar keine Eifersucht der fremden Seemächte, dies ist wahr! Aber wirzogen uns dagegen Das zu, was dem Schwachen, der sich selbst nicht helfen kann,dem Starken gegenüber immer zu Theil wird, ihre Verachtung. Unsere Consuln,unsere Handelsflotten, unsere Flaggen genossen überall Achtung; aber gerade nurso viel, als man ihnen gütigst zugestehen wollte. Wer irgend eine deutsche Flaggebeschimpfen wollte, gegen ihn konnte Deutschland seinen Kindern kein Recht, keineGenugthuung verschaffen. Wir genossen allerdings zu Zeiten des Schutzes fremderSeemächte, z. B. der britischen; allein wer behaupten wollte, daß dieser Schutz ohneAufwand für uns und unbezahlt war, der mag nicht wissen, daß die Briten ihnuns nur deswegen zu Zeiten gewährten, weil wir ihre besten Kunden waren, ihnenden höchsten Tribut zahlten. Für die Millionen, welche unsere Seestädte auf indi-recte Weise für den Schutz der Briten zahlten, hätten wir längst eine Kriegsflottebauen können.
Will man sehen, wohin es mit jener Politik gekommen ist, so blicke man aufHelgoland; man gedenke des Sundes; man frage die Holsteiner; man werfe ei-nen Blick auf die jetzige Stellung Deutschlands gegenüber den dänischen Fregatten,die sich jetzt vor unsere Häfen gelegt haben. Die deutsche Insel Helgoland habenuns die Engländer entwendet; sie haben diese Warte der Nordsee, unser deutschesGibraltar, besetzt und haben sich auf ihr vor der Mündung unserer beiden Haupt-handelsströme vor Anker gelegt, damit dort nichts sich ereigne, was ihnen nicht ge-nehm wäre. Und dabei haben sie es, so gering schätzten sie mit Fug und Rechtunsere Macht selbst in der kleinen Entfernung weniger Meilen von unsern Küsten,nicht einmal der Mühe werth gefunden, diesen Felsen zu befestigen oder auch nurdurch ein Kanonenboot bewachen zu lassen, eine Ehre, die sie doch dem den Spa-niern entwendeten Gibraltar in hohem Grade erwiesen. Schon im Jahre 1806gaben uns die Engländer eine empfindliche Lehre, die wir aber weder verstanden nochbenutzten. Weil Preußen damals auf Frankreichs Antrieb Hannover besetzte, legtendie Engländer ein Embargo auf alle preußischen Schiffe, consiscirten 400 und zer-störten die ganze preußische Rhederei dermaßen, daß während Preußen 1806 gegen2000 eigene Schiffe besaß, es so weit herunter kam, daß es selbst 1828 noch nur576 Schiffe hatte. Im Sunde hatte eine "kleine Seemacht unserm Handel einenRiegel vorgeschoben und ihm unerträgliche Ketten angelegt. Wäre Deutschland eineSeemacht, diese Ketten wären längst gesprengt, welche die andern Seemächte nurdeswegen dulden, weil die Hauptlast davon auf das wehrlose Deutschland fällt undsie indirect dabei gewinnen.
Wie den Sund, wie Helgoland, so mag man auch die Holsteiner befragen überdie Folgen jener deutschen Seeunmachtspolitik, die Holsteiner, welche wider ihrenWillen und gegen ihre natürliche Neigung auf dänischen Kriegsschiffen zu dienengezwungen waren, die es dulden mußten, daß die Dänen die holsteinischen (deutschen)Schiffe für dänisches Eigenthum erklärten, und die deutsches Geld, deutsches Blutund deutsche Kraft auf vielfache Weise für das Interesse einer fremden Nation ver-geuden mußten. Und endlich blicke man auf die Stellung Deutschlands, die es jetztden dänischen Fregatten und Kanonenböten und der sardinischen Flotte gegenübereingenommen. Dieser Blick muß einen Blinden sehend machen. Da haben sich dieDänen mit bewaffneten Schiffen vor jede Mündung unserer Flüsse, vor die Weser,vor die Elbe, vor die Trave, die Oder, die Weichsel, den Pregel hingelegt und ha-ben unsere ganzen Küsten aus eine Strecke von 200 Meilen hin in Alarm undSchrecken versetzt. Alle unsere großen Handelsstädte, Bremen mit 70000, Hamburgmit 150000, Stettin, Königsberg, Danzig, jede mit 80 —100000 Bewohnern,sind in der ängstlichsten Aufregung. Und vor wem? Etwa vor einer mächtigenFlottenabtheilung mit einem Wald von bewimpelten Mastbäumen? Nein, jede dieserStädte zittert vor einer einzigen kleinen dänischen Fregatte mit ein paar DutzendKanonen und mit einigen Hundert Mann Besatzung. Ein einziges Schiffchen nur