448 Die deutsche Kriegsflotte.
einzuflößen suchen. In Ost- wie in Westindien, im Mittelländischen Meere wie beiIsland, überall müssen deutsche Kriegsschiffe bisweilen kreuzen, sodaß jedes Volk derWelt durch eigene Anschauung von ihrem Dasein und ihrer Tüchtigkeit sich überzeugenkönne." Dies ist wol gut; aber zuletzt hat doch die Welt ihr Ende, und haben wirnun diese Rundschau ausgeführt, haben wir allen Indianern und Eskimos der Erdeunsere schwarzrothgoldenc Flagge gezeigt, und ihre Bedeutung explicirt, so müssen wirdoch schließlich mit unsern neuen Schiffen nach Hause zurückkehren und, hier Quar-tier für sie bereit halten. Es nützt uns nichts, daß wir jenseit des Äquators denAntipoden imponiren, wenn unterdessen in der Heimat die Dänen unsere Küsten an-greifen. Wir müssen Ankerplätze für unsere Flotte haben, Stationen, in denen wirsie versammeln und concentriren können, um von da aus im Fall der Noth sie mitEnergie ausrücken zu lassen, in denen sie Rettung und Sicherheit vor den Winter-stürmen finden können, Herbergen, in denen wir sie in Friedenszciten billig und sicherunterbringen können; Magazine müssen wir haben, in denen wir auf eine zweckmäßigeund billige Weise das Kriegsmaterial aufspeichern können, was beständig auf dentreulosen Wogen umherzuschleppen uns viel zu kostspielig fallen würde. Wir habenmit einem Worte Kriegshäfen nöthig, und es zeigt sich die jetzt so oft aufgeworfeneFrage, ob und wo wir zweckmäßige Kriegshäfen besitzen oder uns schaffen können.Ein zweckmäßiger Kriegshafen, wie die nautische Wissenschaft ihn idealisch aufstellt,muß mancherlei Eigenschaften besitzen. Sein Meereswasser muß zuvörderst durchSüßwasserflüffe nicht zu sehr entsalzt sein, weil sich die Schiffe im salzigen Wassergut conserviren, im süßen aber leichter faulen. Bei den Handelshäfen ist diese Rück-sicht nicht so wichtig, da sie die stets rührigen Kauffahrteifahrer nur für kurze Zeitaufnehmen, und nicht wie die Kriegshäfen Herbergen oder Magazine für die oft langeruhenden Rüstzeuge des Wafferkriegsgottes sein sollen. Dann muß ein solcher Haferdurchweg eine bedeutende Tiefe und endlich eine bequeme Abgrenzung oder Gestalthaben. Es muß ein bequemer Ein - und Ausgang da sein, damit die Schiffe schnellaus dem Schlachtfelds und an den bedrängten Punkten erscheinen können. Zugleichaber muß das Hafenthor mit Landbatterien leicht vertheidigt werden können, damitdie geschlagenen Schiffe sich unter ihrem Schutze zurückziehen können, und es demFeinde unmöglich wird, unsere Kiele herauszuführen und ins Schlepptau zu nehmen,wie die Briten es einst mit den dänischen Orlogs machten. Durch Inseln oder Bor-gebirge, die sich ins Meer hinaus erstrecken und zu allen Zeiten gegen der ElementeWuth schirmen, soll eine gute Rhede, oder ein Außenhafen, gebildet sein, in welchemdie activen Schiffe, der Befehle jederzeit gewärtig, vor Änker liegen. Eine zweiteBucht, der Binnenhafen, soll damit verbunden sein, um die nicht activen und ab-getakelten Schiffe aufzunehmen, die vollkommen ruhig und ganz nahe beim Festlandeliegen müssen, damit sie leicht das Nöthige empfangen oder das Überflüssige abgebenkönnen. In diesem Binnenhafen müssen sich wieder noch andere. Bassins (Docks)befinden, in die man die beschädigten Schiffe zur Ausbesserung bringen oder die neu-gebauten vorn Lande hinablassen kann.
Die Natur bietet allerdings Meeresbuchten, die diesem Ideal von Hasen mehroder weniger nahe kommen. Indessen bleibt dem Menschen selbst bei den bestenNaturhäfen doch immer noch fast ebenso Vieles nachzuarbeiten und zuzurichten, wiedem Bildhauer bei der Gestaltung eines rohen Marmorblocks. Viele der auf unsereBestrebungen verächtlich oder eifersüchtig Herabblickenden Bespötter unserer Flotten-wünsche in England, Ämerika, Dänemark u. s. w. haben uns gefragt: Wo aberhabt ihr denn an euren Küsten nur irgend eine Gelegenheit zu einem Kriegshafen?Und manche Hoffnungslose und Ängstliche bei uns haben ebenfalls diese Frage sogestellt, als gäbe es keine Antwort darauf. Blickt man dagegen in die Erörterungenund Berichte, die unsere norddeutschen Journale, seitdem die Flottenträume sich ernst-lich verwirklichen zu wollen scheinen, enthalten, so sollte man im Gegentheil ver-muthen, daß wir wenigstens einige Dutzend unvergleichliche Kriegshäfen an unsernKüsten besäßen. Denn es sind fast noch mehr Prätendenten für die Kriegshasen-