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Die deutsche Kriegsflotte.
machten sich zu Zimmerleuten, wie einst der Kaiser Peter der Große zu demselbenZwecke in Saardam dasselbe that. Man brachte erst eine kleine Flotte zu Stande.Tausende, die srüher nie das Meer versucht, gingen mit dem Dogen an Bord. Siefingen an, sich wieder den Feinden zu zeigen; sie versuchten sich mit ihm in kleinenGefechten; sie wurden geschlagen; sie versuchten es wieder; sie — siegten. So übtensie sich ein, während sie unausgesetzt bauten, schmiedeten und zimmerten. Sie botenendlich dem Feinde eine Hauptschlacht, und dann nach Jahresfrist gelang es endlich,ihn völlig zu besiegen, ihn zu vertreiben und die Unabhängigkeit, die Macht und dasGlück des Vaterlandes wiederherzustellen. In der englischen Marinegeschichte gibtes fast ähnliche Fälle, z. B. als die holländischen Admirale in die Themse einfuhren,und London noch viel ärger bedrohten, als jetzt unsere Elbe und unser Hamburg,unser Stettin und Trieft bedroht sind. Ja, aus der neuesten Geschichte unserer jetzi-gen Feinde selbst können wir manchen Stachel zu unserer Ermuthigung, wenn esdessen bedürfte, hervorfinden. Den Dänen wurde vor 40 Jahren die ganze Flottevon den Briten geraubt und entführt. Die Dänen waren damals so fregattenloswie wir jetzt, und hatten nicht viel mehr Kanonen auf dem Wasser schwimmen alswir deren jetzt am Bord unserer Amazone haben. Wie die Römer, wie die Vene-tianer, wie jetzt wir, mußten sie wieder ganz von vorn beginnen. Allein sie setztensich sofort ans Werk, und wir haben in diesem Augenblick Gelegenheit, zu empfin-den, wie weit es dieses kleine und nicht sehr reiche Volk schon in der kurzen Zeit vonwenigen Jahrzehnden wieder gebracht hat.
Haben wir Deutsche Das auszuweisen, was zur Gründung einer Kriegsmarine nothwendig ist?
Bieten unsere Küsten Kriegshäsen, oder wenigstens Gelegenheit zu deren Herstellung dar?
Auch wir wollen uns nun endlich, so ist es ausgesprochen, ans Werk setzen.Wir wollen die Schmach abwaschen, welche die Versäumnisse unserer Vorfahren aufuns luden. Wir wollen die Augen aufmachen und es nicht länger verkennen, daßes aus Gottes Erde für den Verkehr und die Machtentwickelung der Staaten sowolWasser als Festland gibt. Wir wollen den Fischen und Seethieren nachahmen, vondenen fast keiner wehrlos ohne Zahn oder Horn oder Säge im Wasser umher-schwimmt. Mit einem Worte, wir wollen vernünftig werden, uns naturgemäß ein-richten und eine Flotte bauen. Allein — dies ist kein leichtes Unternehmen! Esdrängen sich uns viele schwere Fragen auf, von deren genügender Beantwortung dieMöglichkeit und Ausführbarkeit eines solchen Unternehmens abhängt. Haben wir diefür eine Kriegsflotte nöthigen Kriegshäfen? oder können wir uns mit Leichtigkeit solcheherstellen? Besitzt unser Vaterland das Material, das zu einem solchen Bau nöthigist, in hinreichender Menge und Güte? Können wir namentlich auch die großenGeldsummen ohne allzu große Beschwerde ausbringen? Haben wir uns schon für dieAusführung des Unternehmens einigermaßen vorbereitet? Was ist namentlich inder letzten Zeit für die Sache gethan? Alle diese Fragen sind höchst wichtig. Jegenauer wir sie beleuchten, desto besser werden wir einsehen lernen, ob wir mit un-sern Flottenplanen auf einem richtigen Wege sind, und ob es sich der Mühe lohnt,daran festzuhalten und mit Überwindung aller Schwierigkeiten auf der betretenenBahn fortzuschreiten. Alle diese Fragen in ihrem ganzen unermeßlichen Detail wer-den in der Folgezeit ein Gegenstand vielfacher, tiefgehender Untersuchungen werden.Hier können wir freilich nur andeuten und die Antworten»! im Großen und Ganzengeben; doch werden wir auch so im Stande sein, die Überzeugung von der Noth-wendigkeit und Ausführbarkeit einer deutschen Flotte zu befestigen undzu stärken.
In. einer Abhandlung über die deutsche Flotte, die jüngst in der „DeutschenVierteljahrsschrift" erschien, heißt es: „Wir dürfen unsere Kriegsschiffe, sobald wirsie erst haben, nicht ruhen lassen, sondern müssen sie tüchtig zu weiter« Fahrtenbenutzen und sich fleißig tummeln lassen. In den fernsten Meeren, in den entlegen-sten Häfen muß sich häufig die deutsche Kriegsflagge zeigen und überall Achtung