Band 
Erster Band.
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454 Die deutsche Kriegsflotte.

Herabströmen, und die dalmatischen Küsten waren ehemals mit allerlei Holzarten reich-lich gesegnet. Aber die Römer bauten hier ihre berühmten liburnischen Schiffe.Und dann mußten dieselben Gegenden noch ein mal das Material zu einer anderndas Mittelmeer beherrschenden Flotte hergeben, zur venetianischcn. Die Alpen sinddaher bis zu dem Kamm hinauf, wo deutsche und italienische Wasserwege sich schei-den, in hohem Grad entwaldet, sodaß man in jenen Gegenden säst überall aus demZustande der Waldungen entscheiden könnte, wo man italienischen, wo deutschen Bo-den beträte. Und in noch höherm Grade sind es die Berggelände der dasmatischenKüsten, die überall von erschreckender Nacktheit starren. Nur in einigen Niederun-gen zwischen den Bergen und an den sumpfigen Mündungen einiger Küstenflüsse,z. B. der Narenta, gibt es noch kostbare Waldungen. Da die Nordspitze des Adria-tischen Meeres, wo unsere Besitzungen liegen, überall von hohen Felsmaffen ummauertfind, so ist es auch schwer, ihnen aus andern Gegenden den Bcdars an Holz zuzu-führen, obwol die schönen Waldungen längs der Sau so nahe sind. DaS einzigeder großen, nach Süden geöffneten Alpenthäler, das dem Deutschen Bunde an-gehört, ist das obere Etschthal mit seinen Nebenthälern, oder das südliche Tirol.Hier könnten wir aus deutschen Wäldern frische Holzzufuhr Herunterflößen. Dochfind auch hier seit einigen Zahrzehnden die betrübendsten Klagen über Verschlimmerungdes Zustandes der Wälder laut geworden. Vermuthlich wird indessen wol die wien-triester Eisenbahn, die in der Nähe so mancher steirischen und illyrischen Waldrevierevorüberstreicht, einst geeignet sein, die Holzpreise in Triest zu ermäßigen und denSchiffbau dort zu erleichtern.

Die Deutschen find bekanntlich an die Spitze der Bewegung für Forstculturgetreten, mit der man der fortschreitenden Waldzerstörung entgegenarbeitete. Siehaben nicht nur die besten Bücher über diesen Zweig der Nationalökonomie geschrie-ben, Bücher, die in die meisten andern Sprachen unsers Welttheils übersetzt wurden,sondern ihre Regierungen haben auch die zweckmäßigsten Verordnungen in den ihnenangehörigen Wäldern getroffen, Verordnungen und Einrichtungen, die man ebenfallsin Frankreich und anderswo nachzuahmen sucht. Und so haben wir uns denn indieser Beziehung, durch Conservirung unserer alten Bäume und durch sorgfältige An-pflanzung neuer, zu einer mit der Zeit zu bildenden deutschen Flotte ziemlich gutvorbereitet. Es bleibt uns nur noch übrig, das Conservirte und Geborgene auchselbst zu benutzen, und es, statt blos zu Eßtischen, Großvaterstühlen und Pserdestäl-len, auch zu großartigen patriotischen Zwecken, zu einer Kriegsflotte zu verwenden.Vermuthlich könnten unsere Forstculturmänner schon gleich anfangen, bei ihrer Baum-zucht auf eine zu bauende Flotte Rücksicht zu nehmen, und manche Anordnungenzu treffen, wie eine Flotte es erheischt. Die Amerikaner erzeugen z. B. in ihrenWäldern das beim Schiffbau so wichtige Krummholz oder Knieholz auf künstlicheWeise und mit einer kleinen Nachhülfe. Wo sie einen zweckmäßig gekrümmten Astentdecken, da hauen sie seine Nebenzweige ab, damit sich das Knie desto vollkräftigerentwickele. Die Franzosen sehen darauf, daß die vor dem Einfluß des Windes ge-schützten Bäume für die Flotte conservirt werden. Die Bäume, welche vom Windeviel hin- und hergeschaukelt werden, und die sie „bois rouls" (geschaukeltes Holz)nennen, erlangen keine große Festigkeit der Holzfaser. Vermuthlich gibt es noch vielesolcher Arten der Nachhülfe, und unsere sorstwissenschöstlichen Bücher, in denen bis-her immer nur von dem Brennholz und Tischler- oder Drechslerholz zu lesen war,sollten nun auch regelmäßig ein Capitel über die Cultur der Forste, wie sie einedeutsche Kriegsflotte nöthig macht, enthalten. Frankreich ist in vier Kriegsmarine-Walddistricte und -Directionen (Oirsotions korsstisrss äs Is wsrins) abgetheilt, diedamit beauftragt sind, in den Wäldern alle Anordnungen zu treffen, welche derMarine dienlich sein könnten. Da nun jedes Ding so viel als möglich bei der Wur-zel — hier bei der Baumwurzel — anfangen muß, so sollte es eine unserer erstenMaßregeln sein, auch unser ganzes Vaterland einer solchen Eintheilung und Über-wachung zu unterwerfen.