Band 
Erster Band.
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Die deutsche Kriegsflotte.

Gegenden unsers Vaterlandes, namentlich sehr reichlich in Westfalen, in den hannö-verschen Halben, in Schleswig-Holstein und in allen den Länderstrichen, welche dieNordsee umgeben. Ebenso in den Gebieten längs der Ostsee, welche bisher die Dä-nen und Engländer zu ihrem Vortheile ausbeuteten. Ja noch unangetastete Ureichen-wälder gibt es an der Drau und Sau und in andern Uferstrichen der Donaugewässer.Die Eiche ist das Hauptholz für den Schiffskörper, doch ist dabei das Holz derFichten, Buchen und Nußbäume, Eschen und Ulmen zu gewissen Schiffstheilen ebensobrauchbar als nöthig. Aus allen diesen Holzarten sind unsere Wälder gemischt.Namentlich sind wir in Bezug auf die Fichte, die für die Masten und Raen sowichtig ist, und die nach der Eiche den zweiten Platz im Schiffsbau einnimmt, vorden Engländern und vor vielen Seefahrernationen des südlichen Europa bevorzugt.Ein englischer Statistiker rangirt die Länder Europas in Bezug auf ihre Bewaldungfolgendermaßen: zuerst Rußland, Skandinavien, Polen, von denen die Wälder einViertel der Oberfläche bedecken sollen; dann Deutschland mit Ostreich und Preußen,wo die Wälder ein Fünftel bedecken; dann die Niederlande mit einem Sechstel; dieSchweiz mit einem Siebentel; Frankreich mit einem Neuntel; Italien mit einem Zehn-tel; Großbritannien mit einem Vierzigste! Waldoberfläche. Träfe diese Angabe, wiees wahrscheinlich, einigermaßen die Wahrheit, so stände demnach Deutschland in Bezugauf Waldreichthum Rußland und Polen zunächst. Man kann sagen, daß bisher dergrößte Theil der europäischen Flotten aus deutschem Holze gebaut wurde, und daßalle unsere Nachbarnationen nur unsere Wälder als gute Beute betrachteten. Zuerstbrauchten uns in der Weise die Dänen, deren Seeoffiziere jährlich an die Oder undWeichsel hinaufzureisen pflegten, und in den Wäldern unserer Oderprovinzen, derSudeten und Karpaten diejenigen Bäume bezeichneten, die ihnen gut genug dünkten,um daraus Schiffe zur Molestirung unsers Handels im Sunde und unserer Häfenan der Elbe zu bauen. Dann die Engländer, die zwar ihr Schiffsmaterial aus allenWcltländern zusammenschleppen müssen, da sie, außer Eisen und Kupfer, wenig desdazu Nöthigen selbst besitzen, die aber das Holz von Danzig, Königsberg und Meine!vorzugsweise schätzen und ihre besten Schiffe aus dem bei ihnen hochangesehenen„Lsltio timbsr" zimmern. Unsere baltischen Planken gehen selbst nach Frankreich undnach der iberischen Halbinsel, sogar auch nach Südamerika. Ferner die Russen, dietrotz ihrer eigenen großen Wälder noch einen bedeutenden Theil des für ihre Flottenöthigen Holzes aus Memel beziehen. Darauf die Holländer, die unsere Schwarz-wälder und andere in den Rheinländern gelegenen Gehölze ausbeuten. Auf den Ka-nälen und Flüssen, die aus Westfalen in die Niederlande führen, gehen ihnen dieherrlichsten Eichenstämme zu. Darunter sieht man viele von Alter ehrwürdige Stämme,unter deren Schatten noch die Zeitgenossen unserer Hohenstaufen ruhten, ja die viel-leicht noch Karl's des Großen Sonne beschien. Es muß einem deutschen Patriotendas Herz bluten, solche ehrwürdige Nationalmonumente gefällt, geschweige denn, gleichhessischen Soldaten, den Fremden verhandelt und überliefert zu sehen. In Amster-dam und Rotterdam speichert man die herrlichen Stämme dann auf, um sie gele-gentlich zu Barrikaden gegen die zum Ocean strebenden Bewegungen desjenigen Volkszu gebrauchen, für das Gott sie wachsen ließ. Die Franzosen und Belgier habenmitten in den waldreichen Thälern der deutschen Alpen in der Schweiz mehre Eta-blissements gegründet, in welchen an Ort und Stelle das gefällte Holz für belgischeund französische Rechnung zu Planken und Flintenkolben zersägt und zerhauen wird,um mit Hülfe des Rhein oder der Rhonekanäle in die Arsenale Toulons oder zurScheide geschafft zu werden. Bemächtigten wir uns selbst aller dieser den Fremdendienenden Hölzer, die so zu sagen vor unserer Thüre wachsen, so ist es klar, daßwir für unsere Baltische, unsere Nordsee- und unsere Donauflotte nicht in Verle-genheit gerathen könnten.

Etwas weniger gut sieht es an der Nordspitze des Adriatischen Meers aus.Hier haben die Venetianer und schon vor ihnen die Römer im Laufe der Jahrhun-derte entsetzlich ausgeräumt. Die Alpen, von denen zur Holzflößung geeignete Flüsse