508
Joseph Freiherr von Iellachich.
Iellachich ist kaum von mittelmäßiger Größe, aber muskulös und stark gebaut.Ihn charakterisirt eine hohe, kahle Stirn, ein dunkles, scharfblickendes, oft aufflam-mendes Auge, ein ernst-freundliches Antlitz mit einem melancholischen Zug um denMund. Milde und Leutseligkeit liegt in seinem ganzen Wesen, und stets bereit zuRath und That, stets in gleicher Laune und Zuganglichkeit, ist feine Thüre und seinHerz zu jeder Stunde für Bitten und Beschwerden offen. Wie sehr er auch ernsteBeschäftigung liebt, da geistige Thätigkeit sein eigentliches Leben ausmacht, so ist erdoch gern heiter und durch Geist und Witz augenblicklich der Mittelpunkt jeder Ge-sellschaft. Er ist ein Freund aller männlichen Vergnügungen, namentlich von Rei-ten und Jagen, und, trotz seiner Fähigkeit als Staatsmann und Schriftsteller, aus-schließend und durch und durch Soldat. Edel in Wesen und Gesinnung, voll derritterlichsten Biederkeit, großmüthig, freisinnig, von echter gediegener Vaterlands-liebe beseelt, ist er einer der Männer unserer Zeit, die eine große Zukunft versich haben.
ner andern Proklamation an die k. k. Truppen in Ungarn sprach er die Hoffnung aus, daßsie gegen die Grenzer nicht feindlich auftreten würden. Diese, sowie spätere Aufrufe, aus de-nen ein versöhnlicher Geist sprach, und welche die Gemeinschaft des Kroatenthums mit derReaction zurückwiesen, gewannen ihm in der That viele offene und geheime Anhänger. Nachder Rückkehr der ungarischen Reichsdeputation trat endlich das dem östreichischen Hofe ver-haßte Ministerium Kossuth ab, dessen Auflösung man auch von Wien aus als erste Bedin-gung des Friedens foderte. Der Vicekönig, Erzherzog Stephan, versuchte einstweilen die Lei-tung der Geschäfte selbst zu übernehmen; allein man erklärte dies als gefährlich und unge-setzlich und errichtete unter dem Namen einer Provisorischen Regierung eine Art Dictatur, dieabermals aus den Erministern Kossuth und Szemere bestand, bald aber einem MinisteriumDatthpanpi Platz machte. Der Hof und Iellachich hatten mit dieser Veränderung freilich nichtsgewonnen, denn Kossuth hauchte auch dieser Verwaltung die Seele ein. Da die k. k. Befehls-haber theils wenig Lust zeigten, gegen Iellachich zu kämpfen, theils geradezu mit demselbmgemeinschaftliche Sache machten, außerdem auch die Slawen Rordungarns mit ihrer Erhe-bung drohten, und der Ban unter solchen Verhältnissen unaufgehalten gegen die Donau ver-dräng, so ries die neue Regierung den Landsturm unter die Waffen und bereitete eine allge-meine Erhebung des Magyarenthums vor. Zugleich drang der Reichstag in den ErzherzezStephan, seiner Pflicht als Palatin zu genügen, und sich an die Spitze der ungarischen Zn-surrection zu stellen. Der Erzherzog zeigte sich auch am 17. Sept. geneigt, den Oberbefehlzu übernehmen, trat aber alsbald, statt an die Spitze der Truppen, seiize Reise nach Wiman, um angeblich den Staat durch den letzten Versuch einer friedlichen Übereinkunft sicherstzu retten. Während aber das ungarische Ministerium die Conccntrirung einer freilich meistaus ungeübten Nationalgarden bestehenden Dravearmee bei Veszxrim versuchte, zog Zella-chich seine, 35—40V0Ü Mann zählenden Streitkräste bei Groß-Kanisa zusammen, um, wie esscheint, endlich den entscheidenden Schlag gegen das wehrlose Magyarenthum zu fuhren.
Enden diese Wirren, in denen die östreichische Hofcamarilla eine echt jesuitische Rcllcspielt, nicht mit einem Compromiß, so dürste wol die Entscheidung, mag sie auf die ein!oder die andere Seite fallen, sehr vcrhängnißvoll sein. Gelingt es dem Magharismus sichaufzuraffen und den Feind zu Boden zu werfen, so fallen voraussichtlich die letzten Bande,welche Ungarn an das östreichische Kaiserthum knüpfen, und die slawische Sache überhauptgeht hiermit einer großen Niederlage entgegen. Gelingt es Iellachich, durch Waffengewaltden Magyarismus zu demüthigen, so mag zwar vorläufig, seihst gegen des Banus Willen,die kurzsichtige Hofpolitik Raum für eine Reaction gegen daß Ostreich vom März gewinnen.Zugleich aber feiert das Slawenthum, das schon auf dem Congresse zu Prag Ostreich als einslawisches Kaiserthum erklärte, einen in seinen möglichen Folgen unberechenbaren Sieg- Ms"könnten sich dann die prophetischen Worte unsers Biographen, daß der Banus eine „hfaßeZukunft" vor sich habe, erfüllen. Denn es wäre nicht unmöglich, daß ihm eine illynsche,oder wol gar eine südslawische Königskrone, vielleicht unter Rußlands Schutze, entgegenstrahlte-Wem Deutschland im Interesse der Freiheit, der Civilisation und der eigenen Rationcfluatin dem, zwar von Hofintriguen unterhaltenen und ausgebeuteten, aber im Grunde den Cha-rakter einer slawischen Erhebung tragenden Kampfe den Sieg wünschen muß, darf wol nichterst ausgesprochen werden. D- Red.