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Erster Band.
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534 Die Kartoffeln.

feln.sind aber beiwellem nicht so groß, wie die der unserigen, durch die Cultur ver-edelten, sondern erreichen höchstens die Größe der Welschnüsse oder Taubeneier.

Nach Europa gelangten die ersten Kartoffeln im Jahre 1565 durch einen Ca-pitain Hawkins, welcher sie aus Santa-Fe de Bogota nach Spanien brachte. Vonhier aus führte Cardanus 1580 dieselben in Italien ein, woselbst sie bald einiger-maßen bekannt und verbreitet wurden, und den Namen Tartusfi oder Tartoffuli,von welchen der deutsche entstammt, erhielten. Unabhängig von dieser ältern Ein-führung brachte der Admiral Sir Walter Raleigh im Jahre 158-1 die ersten Kar-toffelknollen aus Virginien nach Irland, dem Lande, welchem diese Pflanze dermal-einst zum Segen wie zum Fluche zu werden bestimmt war, und baute zugleich dieersten daselbst auf seinem Landgute Aounghall bei Cork an. Derselbe that übrigensweniger für die Verbreitung des neuen Nahrungsmittels als der Seeheld FrancisDrake, welcher es ein Jahr später in ziemlicher Quantität nach England brachte,sich sehr für die Cultur desselben interessirte, und daher auch im Volksmunde denewigen Ruhm besitzt, Entdecker und Bringer der Kartoffel gewesen zu sein. ImJahre 1590 beschrieb der berühmte Naturforscher Kaspar Bauhinus die Kartoffelzum ersten mal wissenschaftlich; etwas später erwähnt ihrer auch Thomas Harriotin seiner Beschreibung Virginiens als einer kleinen Knollenfrucht unter dem NamenOpenawk, während Banks behauptet, sie werde in der Umgegend von Quito vonden Indianern Papas genannt. Es scheinen diese alten Nachrichten dafür zu spre-chen, daß die Kartoffel sowol im Norden als im Süden Amerikas zur Zeit der Ent-deckung heimisch, oder wenigstens in einer von beiden Regionen vollständig akklima-tisirt gewesen sein muß. Aus Italien gelangte sie 1596 durch eine päpstliche Ge-sandtschaft nach Holland. Man betrachtete die Knollen damals noch als eine Kost-barkeit und von heilkräftiger, stimulirender Wirkung, und die kindische Arzneikunstjener Zeit trieb allerlei Unfug mit denselben.

Aus letztgenanntem Land erhielt 1601 der Botaniker Clusius in Wien zweiKartoffeln, welche wahrscheinlich die ersten waren, die nach Deutschland gelangten.Der Anbau dieser Frucht ging außerordentlich langsam von statten, und es wur-den, da wo die Cultur begann, oft die seltsamsten und lächerlichsten Experimentedamit angestellt. In England erschienen noch im Jahre 1616 die Kartoffeln nurauf den Tafeln der Reichen; bei Tabernämontanus finden wir die Pflanze als einseltenes Gewächs unter dem Namen Grüblingsbaum beschrieben. Die Cultur derKartoffeln im Großen ward in Deutschland zuerst in der Landgrafschaft Hessen,und zwar zu Bieberau im Odenwald, 1618 ausgeführt. Aber noch im Jahre 1661wurden sie überall als ausländische Speise verkauft und betrachtet, und erst von1680 an begann sich ihr Anbau, wenngleich anfänglich nur gartenmäßig, auszu-breiten. Damals kam es noch vor, daß man die Kartoffelstauden als Aiergewächsein Töpfen vor den Fenstern zog, und daß eine Braut an ihrem Ehrentage keinenkostbarern Blumenstrauß auszuweiden wußte als einen solchen von Kartoffelblüten.Es wiederholt sich indessen Alles in der Welt, und somit ist es kein Wunder, wennin dem neuen Staate Griechenland die junge Königin, um aus indirectem Wege dieCultur der Kartoffeln zu heben, gar oft mit einem Kranz von deren Blüten imHaar öffentlich erschienen ist. Und wie schön und bedeutend schmückt ein solcherKranz der wirklich hübschen Blume das Haupt einer Landesmutter! In Badenbaute man die ersten Kartoffeln 1695; nach Mecklenburg wurden sie 1708 ausSchottland eingeführt. Nach Würtemberg brachten sie 1710 auswandernde Wal-denser aus Irland. 1712 gelangten sie aus Brabant nach Kurhcssen, und 1720durch pfälzer Einwanderer nach Preußen. Schweden erhielt die kostbare Gabe imJahre 1726; im Elsaß und in der Schweiz wurden 1730 die ersten Kartoffeln cul-tivirt. Aber immer noch ward ihr Anbau mehr der Kuriosität halber betrieben, alswegen des erkannten eigentlichen Nutzens, und im Anfang des 18. Jahrhundertsschrieb noch ein nassauer Professor: „8olsnum tubsrosum, cmjus roclioos vsseuntl8obilss, hui sewpsr sli^uicl psrsgrini (jussrunt, oum Lbunäuntia oidoruw swt