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Erster Band.
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Die Kartoffeln.

exssliati."*) Erst in den letzten Jahrzchnden des 18. Jahrhunderts sing der Kartof-selbau an allgemein zu werden. In Frankreich ward die Frucht nicht eher als 1770eingeführt und insbesondere durch Parmentier's rastlose Bemühungen verbreitet.

Von dem Theuerungsjahr 1772, welches durch den gänzlichen Miswachs derGetreideernte entstanden war, datirt sich endlich die Cultur der Kartoffeln im Gro-ßen in Deutschland. Man hatte erkannt, welchen unermeßlichen Nahrungsschah dieNatur der Menschheit in dieser Pflanze geschenkt hatte, und die Regierungen, sonstgerade nicht besonders eifrig in der Einführung des'Neuen, drangen nunmehr, durchintelligente Männer dazu veranlaßt, auf den sofortigen Anbau der segensreichen Knol-len. Aber die gesetzlichen Maßregeln zu diesem Behuf stießen fast überall auf denhartnäckigsten Widerstand. Bisher hatte sich der Stand der Kleinbauern durchausder Cultur der neuen Pflanze enthalten; als eine Verordnung ihm dieselbe endlichanbefahl, that er Alles, was Eigensinn, blindes Vorurtheil, Schlendrian und Aber-glaube erfinden können, um dieselbe zu umgehen. Es ist bekannt, daß damals dieBauern lieber gar nichts als Kartoffeln ernten wollten, daß sie, gezwungen dieselbenzu pflanzen, die Saat wieder heimlich bei Nacht ausnahmen, sodaß endlich Preußensgroßer König durch Militairgewalt einschreiten, und nicht allein die Production, son-dern auch die Konsumtion der Kartoffeln erzwingen zu müssen glaubte. Das halfzwar; allein immer noch blieb ein Mistrauen gegen die neue Knollenfrucht zurück,das erst in den letztvergangenen -L0 Jahren gänzlich verschwunden ist. In welcherWeise sich dasselbe geltend machte, beweist die Antwort der galizischen Bauern, die,zum Kartoffelbau ermuntert, entgegneten: „Wir essen keine Frucht, mit welcher dieSchweine gefüttert werden."

Wie sonderbar! Wollte heute irgend eine Regierung den Anbau der Kartoffelnnur durch einen Erlaß zu beschränken suchen, welche Gährung würde im Volke ent-stehen! Derselbe Bauer, welcher vor 50 Jahren mit innerlichem Ingrimm ein Kar-toffelbeet neben dem gelben Roggenfelde sah, würde heute verhungern zu müssenmeinen, wenn man ihm die Nahrungsquellc der mehligen Knollen untersagen wollte.Aber nein, nicht derselbe Bauer, Gott sei Dank! Es ist seit einem halben Jahrhun-dert der Stand der Landleute weit, unendlich weit vorangeschritten in Bildung undEmpfänglichkeit für das Gute und das allgemeine Beste. Es sind seither die häß-lichen, bedrückenden Schranken gefallen, welche ehedem das freie Schalten und Wal-ten des Besitzers auf seinem Grundeigenthum so sehr hemmten und drückten; es istLicht und Aufklärung in die Köpfe gekommen, und der Bauer hat gelernt zu rech-nen und zu speculiren. Nicht als ob das diesem Stande vor allem anklebende Vor-urtheil, die Langsamkeit seines Gedankens und Entschlusses, das Festhängen an Er-erbtem, Althergebrachtem schon ganz und überall verschwunden, als ob alle Lastenund Hemmnisse beseitigt wären! Nein, aber es ist in dieser Hinsicht heutzutage dochtausend mal besser als vor 70 Jahren. Damals standen der Einführung des Kar-toffelbaus außer den moralischen Hindernissen, welche im Charakter und der Bildungs-stufe des Landvolks begründet waren, auch noch politische entgegen, die in den Satzun-gen feudaler Herrlichkeit ihre Ursache fanden. So wußte man anfänglich durchausnicht, welche Stelle in der Folge man den Kartoffeln in der allgemein verbreitetenDrciselderwirthschaft anweisen solle, da man die Brache nicht ausgeben wollte undsie durch Hackfruchkbau nicht zu ersetzen verstand. Der Flurzwang mußte neue Mo-difikationen erleiden, gegen welche sich Viele sträubten. Die Hutbercchtigten erblick-ten in der Brachebenutzung durch Kartoffeln eine große Verletzung ihrer Rechte, undes gab ärgerliche Conflicte aller Art, unter welchen diejenigen hinsichtlich der Zehcnt-frage, die, weil der vermehrte Kartoffelbau die Eetreidecultur sehr beeinträchtigenmußte, sehr wesentlich mit ins Spiel kam, keineswegs zu den letzten zählten. Wahr-haft Gutes und Nützliches bricht sich aber selbst unter den ungünstigsten Verhalt-

es) Solsnum tuberosum (die Kartoffel) — dessen Knollen die Adeligen essen, die immernach etwas Ausländischem züngeln, weil sie, im Überfluß schwelgend, übersättigt sind.