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Die Kartoffeln.
rnüse 96 Kilogr.; weißer Kopfkohl 480 Kilogr.; dürre Linsen, Ackerbohnen, Speise-bohnen, Erbsen, getrockneter Reis 13 Kilogr.; frische Erbsen, Linsen, Speisebohnenund Ackerbohnen 24 Kilogr. Es nähren demnach 13 Theile Reis ebenso viel als43 Theile Kartoffeln. Nach Lagrange sind 7 Eier an Nahrungswerth gleich 1 Pfd.Fleisch; folglich wären 157,41 Eier so viel wie 45 Kilogr. Kartoffeln.
Jedermann weiß, wie außerordentlich vielfältiger, oft höchst verschiedenartigerZubereitung die Kartoffeln als Speise fähig sind. Hat man doch schon oft soge-nannte Kartoffelessen abgehalten, wobei, um jene Vielseitigkeit acl ooulos oder viel-mehr sä stomaobuiu zu demonstriren, von Anfang bis zu Ende nur aus Kartoffelnbereitete Gerichte aufgetischt worden sind, und doch ging deren Zahl öfters in dieHunderte. Man kann sogar Wein aus denselben bereiten, welcher indessen freilichkeine besondern Ansprüche zu machen befugt ist. Dagegen hat man in neuerer Zeitan vielen Orten' mit Glück versucht, aus den Kartoffeln Bier zu brauen. Bei rich-tiger Verfahrungsart wird dasselbe ganz vorzüglich, von mildem, angenehmem Ge-schmack, und es ist außerordentlich zu wünschen, daß die Fabrikation desselben immermehr Boden gewinne. Es wäre dies direct und indirect zugleich das geeignetsteMittel, den Verbrauch des Kartoffelbranntweins, welcher ins Ungeheure geht, wirksamzu beschränken. Die Benutzung der Kartoffeln zu Branntwein und Spiritus machtderen hauptsächlichste technische Verwendung aus. Sie werden zu dem Zwecke mittelsDampfes abgekocht, verkleinert und, mit Malz und Getreideschrot in einer Kufe innigvermischt, mit Wasser versetzt und als Maische gekühlt. Durch Zusatz eines Fermentsgelangt dieselbe sodann in Gährung und wird zu einer zuckerh altenden Flüssigkeit,die in einem Destillationsapparat in Alkohol verwandelt wird. 100 Pfd. Kartoffelngeben im Durchschnitt 8 Quart Branntwein zu 50° TralleS, oder 400 °/„ Al-kohol. Der Rückstand der Maische, die Schlämpe, ist als ein vortreffliches Vieh-futter von Werth. Die Stärkefabrikation aus Kartoffeln ist ebenfalls ein sehr ver-breiteter Industriezweig. Die Gewinnung des Stärkemehls aus den Knollen ist sehreinfach und geschieht durch Maceration derselben, Auswaschen und Trennen der Stärkevon den Fasern in Setzfässern. Aus der Kartoffelstärke kann sodann ein sehr brauch-barer Syrup gewonnen werden, mit dessen Bereitung sich in Deutschland viele Fa-briken beschäftigen. Ferner benutzt man die Kartoffeln als Brotzusatz, verarbeitet siezu Mehl und Gries, stellt einen vortrefflichen Sago aus denselben her, bereitet auseiner Mischung derselben mit Quark den Kartoffelkäse, verwendet sie als Farbebinde-mittel, als Waschmittel, sabricirt eine Art von Seife aus denselben, verfertigt Papieraus ihren Fasern, besonders aus dem Rückstand der Stärkefabriken, wendet sie hierund da mit der Cichorie als Kaffeesurrogat an, und hat sogar schon versucht, ihreBlätter und Schalen zu Taback zu stempeln. Fügen wir noch hinzu, daß die Kar-toffeln eines der vortrefflichsten Viehfuttcr sind, und zwar sowol roh als gekocht, sowerden wir so ziemlich erschöpfend die Mannichfaltigkeit ihrer Benutzung berührthaben. Ihr Futterwerth verhält sich zu dem des guten Wiesenheus wie 200:100;400 Pfd. Schlämpe und 300 Pfd. Abfälle bei der Stärkefabrikation haben ebenfallsje 100 Pfd. Heuwerth.
Die Kartoffelkrankheit.
Bei dieser hundertfältigen Verwendung, bei der außerordentlichen Verbreitungder Kartoffel als Nahrungsmittel, ja als fast einziges Nahrungsmittel von Millionen,muß es ein furchtbares Unglück sein, wenn einmal eine totale Misernke dieser Fruchteintritt. Glücklicherweise war bis zum Jahre 1845 eine solche nur sehr selten imGroßen vorgekommen, ein Grund mehr, den Anbau der Kartoffel zu vermehren.Allein in dem genannten Jahre zeigte sich in ganz Europa eine Krankheit derselben,die als Seuche auftretend furchtbare Verwüstungen anrichtete, höchst bedeutende Ver-luste veranlaßte, und Elend, Theuerung und Hungersnoth in ihrem Gefolge hatte.Man nennt diese Seuche, welche jetzt immer noch nicht verschwunden ist, obgleichsie augenscheinlich beträchtlich milder geworden und vereinzelter auftritt, vorzugsweise