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Die Kartoffeln.
die Kartoffelkrankheit. Schon früher kannte man einzelne Krankheiten, die sich anden Kartoffeln zeigten, hier und da manchmal beträchtlichen Schaden stifteten, aberniemals ihre Verheerungen über ganze Länderbezirke, ja Welttheile erstreckten. DieTrockenfäule oder Stockfäule verwandelt die Kartoffelsubstanz in eine braune, schwam-migfaule, trockene und ungenießbare Masse. Der Schorf oder das Pockigsein beginntmit harten Auswüchsen auf der Knollenschale, die sich nach innen ausbreiten unddie Kartoffel in eine zähe lederartige Masse verwandeln. Die Kräuselkrankheit befälltdas Laub, welches schwarz wird, sich zusammenrollt, abstirbt und dann den Knollenkeine Nahrung mehr zuführt; das Befallen äußert sich durch rasches Abdörren desganzen Stocks u. s. w. Alle. diese Krankheiten der Kartoffelnpflanze sind aber nurganz partikulär geblieben; der Schaden, welchen sie hervorbrachten, betraf nur denEinzelnen, niemals die Gesammtheit. Anders aber verhielt es sich mit der eigentli-chen Kartoffelkrankheit, welche eine so große Aufregung in ganz Europa hervorgebrachthat, daß sie als ein geschichtliches Factum nicht minder wie als naturhistorische undlandwirthschaftliche Merkwürdigkeit eine umfassende Beleuchtung verdient.
Die Kartoffelkrankheit machte sich zum ersten mal in Europa im Jahre 4845bcmerklich. Die ersten Spuren, vielleicht den Ausbruch derselben, entdeckte man amEnde des Monats August. Um diese Zeit bemerkten viele Landwirkhe einen eigen-thümlichen, stinkenden Geruch auf den Kartoffelfeldern, das Kraut der Pflanzenerschien sonderbar gefärbt, Nachgrabungen erwiesen, daß ein großer Theil der Knollenvon einer früher nicht gekannten Fäule ergriffen war. Mit Blitzesschnelle durchkreuz-ten sich auf einmal die Nachrichten über die eingebrochene Seuche der Kartoffeln voneinem Ende Europas bis zum andern. In Irland und Ungarn, Italien und Schwe-den, am Rhein und an der Seine, in den Alpen und im Erzgebirge, in den Mar-schen und in der Haide, überall war diese furchtbare Geißel erschienen. Die Nothwar groß, der Schrei nach Hülfe widerhallte allenthalben. Nicht Hunderte, nein,Tausende ließen es sich angelegen sein, ein Mittel gegen die Krankheit zu finden,das innerste Wesen derselben zu ergründen. Allein das Erstere ist bis heute erfolglosgeblieben, und das Letztere ist nur insofern gelungen, als es zwar die Wirkung bisin das kleinste Detail erforscht hat, über die Ursache derselben aber noch in vollstän-digem Dunkel ist und nur Hypothesen geltend zu machen suchen kann. Unter denvielen trefflichen Untersuchungen über das Wesen der Kartoffelkrankheit von Martius,Münter, Focke, Dezeimcris, Corda und Andern folgen wir hier insbesondere denBeobachtungen des Letzter», ohne indessen das Wichtigste aus der Gesammtliteraturüber die Kartoffelkrankheit, die aus Hunderten von Bänden und Broschüren besteht,außer Augen zu lassen.
Wenn man ein mit Kartoffeln bestelltes Feld, auf welchem sich die Krankheiteingesunken hat, sorgfältig untersucht, so gewahrt man alsbald, daß das Aussehendes Kartoffelkrauts schon sehr genau und bestimmt die Jnfection der Knollen an-deutet. Jenes nimmt nämlich zuerst eine hellere Farbe an und bekommt nach undnach bräunliche und schwärzliche Flecken, welche sich an feuchten Localitäten mit Schim-melbildungen sehr verschiedener Form bedecken, an trockenen und sehr hochgelegenenOrten aber durchaus keine Schimmel- oder Pilzbildung zeigen, sondern daselbst ein-fach abtrocknen und nach und nach die ganze Pflanze und die Pflanzen der Nach-barschaft ergreifen. Man bemerkt alsdann auf dem Acker, während die größte An-zahl der Stöcke noch kräftig und dunkelgrün steht, einzelne Flecke, deren Pflanzeneine gelbliche, kränkelnde Farbe haben, und späterhin große, ausgestorbene Stellenzu einer Zeit, wo das Absterben des Krauts noch durchaus nicht an seiner Zeitoder naturgemäß ist. Zugleich gewahrt man, daß die Kartoffelstengel anfangen fleckigzu werden, hier und da sogar eine weiche Beschaffenheit, die den Beginn der Fäul-niß verräth, haben. Grabt man einen Stock, welcher diese Kennzeichen bietet, aus,so findet man an demselben zwar auch gesunde, aber jedenfalls mehre kranke Knollen;eigenthümlich ist, daß die letzter» vorzugsweise an der Oberfläche und in der Nähedes Hauptstocks liegen. Untersucht man die Knollen genauer, so gewahrt man, daß