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Die Kartoffeln.
bei Knollen von Pflanzen, deren Kraut eben nur gelblich geworden ist, diese fastnoch völlig gesund aussehen, außen noch keine Spur der Krankheit zeigen, und imQuerschnitt nur hin und wieder in kleinen, oft nur senskorn - oder erbsengroßen Stel-len misfarbig anlaufen. Bald aber erhalten diese Knollen auch von außen bräun-liche, beim Abtrocknen schwärzliche, verschrumpfende Flecken, welche sich in wenigenTagen immer mehr ausdehnen, und dann sieht man im Querdurchschnitt die krankenTheile der Substanz röthlichbraun oder schmuzigbraun anlaufen. Schon an der Epi-dermis des Knollens und deren Verfärbung erkennt man die erkrankten Stellen durchihr intensiveres Braun und daß sie gewöhnlich mit sehr kleinen schwarzen Punktenbedeckt sind, sobald die Krankheit schon weiter vorgeschritten ist, wahrend an ebenerst angegriffenen Stellen diese Punkte noch fehlen und sich nicht an jeder Kartoffelso deutlich zeigen. Sie entstehen durch Fäulniß der sternförmigen Zellenconglomerate,und von diesen faulenden Punkten gehen alle die walzenförmigen Pilzbildungen aus,welche von Vielen als das eigentliche Wesen der Krankheit betrachtet worden sind.Durchschneidet man nun so stark ergriffene Knollen, so findet man ihr Fleisch nochscheinbar derb, gesund und gut gefärbt; aber wenige Minuten nach der Durchschnei-dung laufen die erkrankten Stellen des Knollens roth an, und von nun an schreitet,im Falle solche Kartoffeln noch in der Erde bleiben oder in Kellern und Mieten auf-bewahrt werden, die Krankheit außerordentlich rasch vor, und die ergriffenen Knollenzeigen nach einigen Wochen schon die dunkelbraunen Querschnitte der Substanz. Istder Raum, in dem die Kartoffeln aufbewahrt werden, feucht, so geht die krankeMasse der Knollen in eine eiterähnliche, graue, schmierige und zerfließende Materieüber, welche einen pestilenten Geruch ausscheidet, während die Substanz der kranken,noch nicht so zerfließenden Knollen nur einen intensiven Modergeruch verbreitet. Istaber der Ort, an welchem die Kartoffeln aufbewahrt werden, trocken und lustig,und sind sie nicht in Haufen aufgeschichtet, sondern gut ausgebreitet, so schreitet dieKrankheit minder rasch vor und geht nicht in nasse Fäule über, sondern die erkrank-ten Stellen vertrocknen zu einer graubraunen derben Substanz, bilden so die trockeneFäule, und in dieser Substanz findet man noch mehr als 50 °/» Stärkemehl ganzunverändert und durch Waschen ausziehbar wieder.
Untersucht man aber die Substanz eines eben erkrankten Kartoffelknollcns mikro-skopisch, so findet man an kranken Stellen eine sehr feinkörnige Substanz an den Zellen-wänden und im Zellensaste abgelagert, während das Stärkemehl derselben Zellen und derbenachbarten gesunden Zellen völlig unverändert geblieben ist. Die Körnchen dieser Sub-stanz sind außerordentlich klein, und bei ZOOOmaliger diametraler Vergrößerung hattensie noch kaum die Dicke eines Fadens des Mikrometerkreuzes und mithin unter o,«m>5Zoll pariser Maß. Sie bewegten sich, wie alle so fein zertheilten Substanzen, molecular.In allen Stadien der Krankheit bemerkte Corda nicht eine Spur eines diese letzterebedingenden ento- oder epiphytischen Pilzes, und Alles, was andere Forscher darübergesagt, gilt erst von dem Zeitmomente an, wo die einzelnen Pflanzen so zerstörtwaren, daß sie als Boden für solche Pilzbildungen dienten, welche alle vegetabilischefaulende Substanzen gemeinsam bewohnen und die vorgefundene Fäulniß gemäß ihresnaturwirthschaftlichen Berufs befördern, ohne sie jedoch hervorgerufen zu haben. Beifortschreitender, und gegen Pilzaussaat von außen gesicherter Krankheit findet manein eigenthümliches Zerstören und Auflösen des Zellengewebes oder der Zellenwändeund des Holzkörpers der Kartoffel, eine Krankheitsform, die mit dem nassen BrandeStärkemehl haltiger Baumstämme, namentlich der Cycadeen oder der Sagopalmen,große Ähnlichkeit hat, und die in Beziehung der sie bedingenden Ursache und Säfte-mischung physiologisch noch uncrklärbar ist. Jeder aufmerksame Beobachter erkenntauch, daß der Stärkemehlgehalt im Marke des Kartoffelknollens wenig gelitten hat,und wie im gesunden Knollen der mittelste Theil des Stammmarkes ebenfalls weni-ger Stärkemehl enthält als die rundum liegenden Markmassen, so findet man auchdasselbe Verhältniß in der kranken Kartoffel und hat daher keinesfalls durch die Krank-heit an Stärkemehl eingebüßt. Alles zusammengehalten, läßt es mehr als wahr-