Band 
Erster Band.
Seite
546
JPEG-Download
 

546 Die Kartoffeln.

sei. Es fragt sich nun, welche Ursachen sind es, die dieselbe hervorgebracht haben?Hier betreten wir aber das Gebiet der Zweifel. Bis jetzt sind darüber nur Hypo-thesen aufgestellt worden, von welchen keine unbedingt als die allein richtige erklärtwerden darf. Man hat bis jetzt folgende Ursachen aufgestellt: 1) Degeneration.Versuche haben schlagend bewiesen, daß diese nicht existirt. 2) Mangelhafter Anbauund schlechte Ausbewahrung der Kartoffeln. Es läßt sich nicht leugnen, daß diesevon Einwirkung sein können. Die frische Düngung, welche man allenthalben demKartoffelfeld zuwendet, ist jedenfalls schädlich. Bedenkt man ferner, daß die Setz-kartoffeln im Frühling in Folge der Äufeinanderschichtung bis zu 20 Fuß hoch indumpfigen Kellern, und der daraus folgenden Wärmeentwicklung oft fußlange Keimegetrieben, also schon einen bedeutenden Theil der Keimnahrung consumirt, ehe sienoch die Bedingung eines regelrechten Wachsthums erhalten haben, so wird mangestehen müssen, daß ein solches Verfahren unter allen Umständen schädlich sein undeine Neigung zur Krankheit in den Knollen hervorrufen muß. 5) Witterungsver-hältnisse. Große Feuchtigkeit mag allerdings zum Entstehen der Seuche beigetragenhaben; allein auch ohne dieselbe hat man die letztere entstehen sehen. Das Jahr 184swar sehr reich an Gewittern, daher mehre Naturforscher einen Überfluß an Elektri-cität als Ursache angegeben haben. Dies widerlegt aber das Wiedererscheinen derKrankheit im Jahre 1848, welches bekanntlich sehr wenige Gewitter hatte, und inwelchem die Lust nach sorgfältigen Messungen so geringe elektrische Spannung zeigte,daß russische Arzte den Mangel daran unbedenklich in Verbindung mit dem Erschei-nen der Cholera gebracht haben. 4) Pilz - und Schimmelbildungen. Wie schonerwähnt, ist es Thatsache, daß sich solche auf den kranken Kartoffelpflanzen einstellen.Besonders wurden beobachtet: Lotr^tis inkestsns von Montagne und Corda, einPilz, der sich aber auch oft bei gesunden Pflanzen zeigt; kusigporium solani vonMartius und Dezeimeris (auch Iriollotlleoium ckiüusum), ein Schimmel, der aufvielen faulenden Pflanzenstoffen vorkommt. Ferner ^orostslagmug emimbsriiius,^seopkors imiosclo u. s. w. Schon die Menge dieser Gattungen muß beweisen,daß die Pilze nicht Ursache sondern Wirkung der Krankheit sind. Es mag zwar sein,daß letztere durch die Sporen der Pilze mitgetheilt werden kann; allein es muß dannschon eine Jnfection, wenn auch unbemerkbar, stattgefunden haben. 3) Thiere.Infusorien und Insekten sind von Verschiedenen als Ursache der Krankheit genanntworden. So fand man in den kranken Knollen die Larven der Fliegengattung 8oinr»vitripsrmis, die sich aber auch bei der Trockenfäule, überhaupt in fauligen Bege-tabilien einstellen. Gleiches gilt von den Milben, Asseln, Myriapoden, Psyllen undKäfern aus der Reihe der 8tspllylini und ktilini. Ein englischer Naturforscher, Smec,hat mit vieler Hartnäckigkeit seine Behauptung verfochten, daß die Kartoffelblattlaus,^pki8 vaststor, die Ursache der Seuche sei, ist aber gründlich widerlegt worden.Wie die Pilze, stellen sich die genannten Thiere da ein, wo schon ein Ansang orga-nischer Zersetzung enthalten ist. 6) Endlich hat man den Mangel an Salz im Bo-den als Ursache angegeben. Da, wo die Kartoffel wild wächst, ist dasselbe aller-dings in hinreichendem Maße vorhanden, und man hat sogar bemerkt, daß die inder Nähe der See gepflanzten Kartoffeln, wo die Winde die salzhaltigen Wasser-theilchen brachten, oder der Boden mit Salz imprägnirt war, frei von der Seuchegeblieben sind; allein man wirst in dieser Hinsicht mit Recht die Frage auf, tve^halb seit 100 Jahren dieser Salzmangel nicht fühlbar gewesen ist? Es ist also auchdie Annahme dieser Ursache nicht gerechtfertigt, und Wir sind nach wie vor im Dun-kel über die Entstehung der Kartoffelkrankheit.

Vorkehrungen gegen die Krankheit.

Wie soll man aber die Wirkung aufheben, wenn man nicht die Ursache kennt?Deshalb sind seither alle Mittel zur Verhütung der Kartoffelkrankheit ohne Erfolggeblieben. Das Verfahren des Dr. Klotzsch, von dem preußischen Landesökonomie-Collegium dringend empfohlen, welches im Ausbrechen (Geizen) der Blattäste der