547
Die Kartoffeln.
Pflanze besteht, muß erst durch die Erfahrung sich bewahren: sein Erfolg ist jeden-falls zweifelhaft. Die andern hier und da empfohlenen Mittel sind allzu empirisch,um nicht von vornherein jeden Glauben daran zu unterdrücken. Es laßt sich dahervon Seiten der Landwirthc weiter nichts gegen die Kartoffelkrankheit thun, als wasschon längst hatte geschehen sollen, nämlich: sie durch eine sorgfältige und verständigeCultur so unschädlich als möglich zu machen. Umsichtige Auswahl des Saatguts,Legen von ganzen Kartoffeln, Anbau ohne Dünger in leichtem Boden von alter Kraft,genügende Bearbeitung in der Vegetationsperiode, Versuche mit Salzdüngung, Ver-mehrung des Futterbaus und in Folge dessen der Viehzucht, zweckmäßige Aufbewah-rung der Knollen — sind die Hauptpunkte, welche in dieser Hinsicht ins Auge gefaßtwerden müssen. Hat sich die Krankheit eingestellt, so muß durch möglichst vorthcil-haste Verwendung der inficirten Kartoffeln ihr Schaden verringert werden. Es istdurch zahlreiche Versuche erwiesen, daß dieselben als Nahrung weder für Vieh nochfür Menschen schädlich sind; die Ausbeute von Branntwein aus ihnen ist fast die-selbe wie aus gesunden. Es gibt außerdem vielerlei Methoden, den Nahrungsstofferkrankter Kartoffeln durch Verarbeitung auf die Dauer zu erhalten. Abgekocht undfest in hermetisch verschlossene Fässer mit etwas Salz eingeschlagen, bleiben sie voll-kommen gut und gewähren im Frühjahr ein ausgezeichnetes Viehfutter. Sie könnengedörrt in Mehl verwandelt werden, wenn man sie zuerst frieren läßt, die Feuchtig-keit auspreßt, und die Schalen davon trennt. Durch den Frost kann überhaupt dasStärkemehl angefaulter Kartoffeln, sobald sie zerstreut ausgebreitet werden, am ein-fachsten erhalten werden. Wie lange sich das letztere unter günstigen Umständenbrauchbar hält, beweist der Umstand, daß eine vergessene Kartoffelgrube in Schle-sien, nach 27 Jahren eröffnet, sich mit Kartoffelmehl angefüllt zeigte, welches voll-kommen gut und genießbar war.
Die Kartoffelsurrogate.
Um den durch die Seuche veranlaßten Ausfall durch die Einführung neuer Speise-pflanzen zu decken, sind verschiedene Gewächse zur Cultur vorgeschlagen worden.Die Kartoffelsurrogate des Naturforschers Gesner, die derselbe auf Prinz-Edwards-Jnsel auffand, die Sangabaan (Ol^cins ^pios), und die Musquasete (OlaMnisVirginias), sind zu schwierig anzubauen und liefern einen zu unsichern und gerin-gen Ertrag, als daß man darauf hätte eingehen können. Ebenso vermochten dieknollige Platterbse (I^tk^rus tuksrosus), der knollige Kümmel (Laruw bulboosgts-num), und ähnliche Knollengewächse, die man hin und wieder empfahl, kaum einigeBeachtung zu erringen. Es ist sonderbar, daß man nirgend daran gedacht hat,die Solaneen (8olsnum inontsinnn), und 6sri, welche ebenfalls knollentragend sind,zum Anbau zu bringen. In England hat man statt dessen sein Augenmerk aufverschiedene tropische Früchte gerichtet, welche an Nahrungsfähigkeit mit der Kartoffelwetteifern, an Ertrag sie übertreffen. Die südamerikanische Arakatscha (Loiuuiu^rsosobs), deren Knollen denen des Sellerie ähnlich werden, kann hierbei kaum inBetracht kommen, ebenso wenig die Topinambur (Ilslisntlrus tubsrosus), die schonvielfach bei uns cultivirt werden, außerordentlich reiche Ernten geben, aber im Ver-hältniß zu ihrem Volum und Gewicht sehr wenigen Nahrungsstoff bieten. JeneFrüchte, auf die man das Augenmerk richtete, sind die Zjamswurzel, die Batate unddie Auca oder der Maniok. Ob es inzwischen gelingen wird, dieselben an das eu-ropäische Klima zu gewöhnen, steht noch sehr im Zweifel. Lohnendere Aussichtwürde jedenfalls die Cultur des Bergreises gewähren, der in China cultivirt undjetzt auch schon in Rußland versuchsweise angebaut wird. Auch die von Lamarre-Prcquot aus Nordamerika gebrachte Pflanze I'sorsloa esoulsnts, ihm zu Ehren Pic-quotiana genannt, aus der Familie der Papilionaceen, deren Wurzeln sehr stärke-mehlhaltig sind, hat in neuerer Zeit als vorgeschlagenes Kartoffelsurrogat Aufmerk-samkeit erregt. Blickt man indessen umher im ganzen Bereiche der Nutzpflanzen,