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Die Kartoffeln.
tracht muß die Verwaltung eines Staats darauf Bedacht nehmen, die Kartoffelculturnicht auf Kosten anderer Nutzpflanzen prädominiern zu lassen. Direct darf sie frei-lich nicht eingreifen, sondern nur auf indirectem Wege. Gelingt es ihr, ein Mittel,welches freilich generell nicht angegeben werden kann, dafür zu finden, so dürfte esihr zugleich auch gelingen die, wie wir gezeigt haben, so sehr von der Kartoffelwirth-schast bedingten Zustände der untern Classen, insbesondere auch hinsichtlich deren Er-werb und Lohnverhältnisse, zu heben und in ein besseres Gleichgewicht zu bringen.Denn bei der im Verhältniß zu dem Naturalvermögen in steigender Progressionanwachsenden Bevölkerung, wie dies die Einführung und allgemeine Verbreitung eineswohlfeilen Lebensmittels bedingt, wird auch der Andrang nach Arbeit, die Disposi-tion über eine Anzahl von Arbeitskräften immer größer, also der Lohn des Einzelnenimmer mehr herabgedrückt werden. Der Arbeiter aber verliert dadurch stufenweisestets mehr von dem Überschuß, welcher ihm von seinem Verdienste bleibt, und folglichwird sich die Gesammtmasse seines Besitzthums fortwährend verringern: er kann we-niger ausgeben und anschaffen, und muß somit nach und nach in den Zustand völ-liger Armuth und Hülflosigkeit gerathen. Und selbst das ist endlich zu berücksichtigest,daß er, aus ein und dasselbe Nahrungsmittel angewiesen, auf einen immer kleinerwerdenden Kreis von bessern Genüssen beschränkt, den Geschmack und die Lust anletztern endlich gänzlich verliert, keinen Antrieb mehr fühlt, durch rastlose Thätigkeitsich ein besseres Loos zu erwerben, und so endlich, in thierische Roheit versunken,nur noch ein vegetirendes Leben führt, welches in dem Heute das Morgen vergißt.Auf diese Art ist Irlands Volk zu Grunde gerichtet worden, auf diese Art wird dieBevölkerung Schlesiens, des Erzgebirges, eines Theils von Westfalen und der beidenHessen einem sehr traurigen Loose entgegengeführt.
Recapituliren wir die einzelnen Punkte, welche der Staatswirth hinsichtlich derProduction wie der Consumtion der Kartoffel im Auge behalten muß, so stellt sich Fol-gendes heraus: Der Kartoffelbau vermag mehr Menschen zu ernähren als der Getreide-bau. Der Preis der Kartoffel beträgt aber um ebenso viel weniger, als sie wenigerNahrungsstoffe liefert wie die Cerealien: also bringt sie, abgesehen von dem etwaigenMehrerfoderniß an Bodenkraft, der Urproduction keineswegs mehr Nutzen als die letztern.Dieser noch unerwähnte Punkt ist leicht zu beweisen. Nach Rau beträgt der Preis derKartoffeln meistens ein Drittel bis ein Viertel des Roggenpreises. In Baden betruger in den Jahren 1835—41 ungefähr 28/» desselben, oder 18,s des Weizens undSpelzes; in Belgien 1831 —35 20,4°/» des Weizens, oder 31°/» des Roggens;in England 1832 — 36 20,s"/» des Weizens, oder 28°/» des Roggens; in denRheinlanden binnen 50 Jahren gerade ein Drittel, in Steiermark binnen 20 Jah-ren sogar 41,8°/». Hieraus wäre anzunehmen, daß die Nahrhaftigkeit etwa einFünftel nach dem Gewicht betrüge. Berücksichtigt man, daß das Getreide nochMahl- und Backlohn kostet, so stimmt dann das Preis- und Wcrthverhältnißziemlich überein. Die Ernährung mit Kartoffeln kann im Vergleich mit dem Brotetwas wohlfeiler sein, weil jene weit voluminöser sind, weshalb davon zur Sätti-gung eine kleinere Menge nothwendig ist, als nach dem Verhältniß der geringernNahrhaftigkeit erfodert würde. Allein die Preise beider Nahrungsmittel können sichnicht weit von dem Werthverhältniß entfernen. Aus diesem Grunde haben die Kar-toffeln einen höhern Preis des Getreides nicht veranlaßt, wenngleich sie ein Stei-gen der Bevölkerung möglich machten. Aber diese Vermehrung der Populationgeschah auf Kosten der Kraft und Gesundheit der Individuen; sie hat die Nachfragenach Arbeit nicht erhöht und dadurch Herabdrückung des Verdienstes zu Wegegebracht. Demnach ist es ein Nachtheil für den Staat, wenn die Mehrzahl seiner,den arbeitenden Classen angehörenden Bewohner einzig und allein auf die Kartoffelals Nahrungsmittel angewiesen ist, denn sie verursacht eine Verminderung des Lohnsbis zur letzten Stufe durch leichtere Ernährung und übertriebene Concurrenz, ver-mehrt die Zahl der Arbeitsunfähigen und Arbeitslosen, ist unsicher in der Ernte,