552 Fürst Michail Woronzoff.
zur Ausfuhr nicht geeignet und der Magazinirung unfähig. Der ackerbautrei-bende Staat muß daher im Getreidebau seine Stütze suchen; der fabriktreibende mußdie Cultur der Kartoffel beschränken, wenn er den Gefahren des Pauperismus unddes Proletariats die Spitze bieten will; der handeltreibende Staat kann die Kartoffelnicht gebrauchen; der — organische Staat aber schätzt sie als wohlfeilstes Nahrungs-mittel, setzt jedoch ihrem Verbrauch eine Grenze durch zweckmäßige Administrativ-einrichtungen.
Die Wege, welche man einschlagen muß, um den Nachtheil einer übermäßi-gen Kartoffelconsumtion aufzuheben, werden durch specielle Bedingungen modificirt.Aufmunterung der Getreidekultur, besonders der des Mais, steht in vorderster Reihe.Ankauf von Brotfrüchten durch den Staat, welcher dadurch den Markt in die Händebekommt, Magazinirung, ohne bureaukratische Verwaltung und nach geordnetem Sy-stem, werden ebenfalls von bedeutendem Einfluß sein. Wenn dem Armen Gelegen-heit gegeben wird, gegen Arbeitsbons sein Brotgetreide zu den wohlfeilsten Preisenin den Staatsmagazinen zu holen, so wird er gern dem übermäßigen Kartoffelgenußentsagen. Aber er soll freilich auch Fleisch genießen können, denn es ist unbestritteneThatsache, daß der Mangel an Fleischnahrung auch außerhalb der Kartoffelbezirkedie Schwächung und Verkümmerung der Race fördert. Hebung der inländischen Vieh-zucht durch Aufmunterung des Futterbaus, Gemeindeställe u. s. w. wird daher ebensovon hohem Belange sein. Selbst eine Regulirung der Fleischtaxe, nach Weise derEngländer, in der Art, daß die besten Stücke theurer, die schlechter« wohlfeilersind, kann der ärmern Classe Gelegenheit geben, öfter Fleisch und kräftige Suppeanstatt der Kartoffeln zu genießen. Möglichste Beschränkung des Branntweinbren-nens, welches nur eine total falsche, gewinnsüchtige Ansicht als unentbehrlich fürdie Winterfütterung des Viehstandes darstellt, dagegen Ermunterung der Kartoffel-bierbrauerei muß von den allerheilsamsten Folgen sein. Es sollte namentlich den Bren-nereibesitzern der Kleinverkauf gar nicht gestattet, der Branntweinschank in Wirths-häusern mit der allerhöchsten Steuer belegt werden. Dies würde die Spirituspro-duction gar nicht beeinträchtigen und doch eine Quelle unsäglicher Demoralisation undphysischen Elends verstopfen. Wird endlich die Staatsregierung daraus Bedacht neh-men, durch Errichtung einer Ministerialabrheilung für die Arbeit die Zustände dererwerbenden Classen zu reguliren und denselben einen Blick in ihre Lage und in ihreZukunft zu gewähren, sind ferner die Schranken gefallen, welche noch hier und dadem Wohl des besitzlosen Bauernstandes hemmend entgegenstehen, verbreitet endlicheine tüchtige Erziehung auch tüchtige Bildung im Volk — dann wird auch der Wohl-stand und die Einsicht in die Ökonomie des Ganzen sich über das ganze Volk aus-breiten, und die Kartoffel zwar nach wie vor freudig, aber nicht mehr als alleinigeInhaberin des Feldes der Armen, neben dem Getreide wachsen können.
Fürst Michail Woronzoff,
Eeneralgouverueur von Neurußland, Bessarabien und alle» kaukasischen Ländern, Ober-befehlshaber des kaukasischen Contingents.
Moch nie hat der Selbstherrscher aller Neußen einen Unterthan mit solcher Machtbekleidet, wie den Grafen, jetzt Fürsten Woronzoff. Das Beispiel steht einzig in derGeschichte da. Kein europäisches Reich erreicht den Umfang der Statthalterschaft,welche der Kaiser von Rußland dem Fürsten Woronzoff anvertraut hat, denn iwWesten lehnt sie sich an östreichisches Besitzthum, an die Bukowina, breitet sich dann