596 Erzherzog Johann von Östreich.
münd, Mährenberg, Eibeswald, Pröding am 24. zu Grätz an. Hier blieb er zweiTage rasten, um Jellachich zu erwarten und nach dieser Verstärkung wieder zu offen-siven Operationen zu schreiten. Allein er erfuhr am 26. Mai die gänzliche undschimpfliche Niederlage dieses Generals, und sah so auch diesen Entwurf vereitelt.Nachdem er noch denselben Tag die Überreste von Jellachich's Corps, etwa 3000Mann, aufgenommen, schickte er sich an, von Gräh nach Körmönd zurückzugehen,um sich an die ungarische Jnsurrection unter dem Erzherzog Palatin anzuschließen.Erst am 27. Mai erhielt er die Nachricht von dem Siege seines Bruders Karl beiAspern, konnte aber die großen Hoffnungen, die man auf den Glückssall setzte, nichttheilen, und äußerte darüber seine Meinung laut und unumwunden. Er ließ sichdarum auch nicht hindern, nach Kormönd zu marschiren, wo er vom 2. bis zum8. Juni blieb und sich in dieser kurzen Zeit zu sammeln, zu verstärken und zu ord-nen suchte. Da die Bewegungen des Vkekönigs Eugen, Macdonald's, Marmont'sauf die Absicht einer Vereinigung mit Napoleon's Hauptmacht an der Donau schlie-ßen ließen, so gab er seinem Bruder Karl und auch dem Kaiser zu erkennen, wiezweckmäßig es sei, daß er die ungarische Jnsurrection und das starke Corps Giulay'saus Kroatien an sich ziehe und so, auf 40000 Mann Kerntruppen verstärkt, demWicekönig und den übrigen französischen Corps einzeln entgegentrete, um ihre Ver-einigung mit der französischen Hauptmacht zu verhindern und Bonaparte zu Deta-chirungen und zur Zersplitterung seiner Kräfte an der Äonau zu zwingen. Alleinder Erzherzog erhielt nach langem Zögern vom Generalissimus Karl den Befehl, ersolle nicht mehr selbständig auftreten, die Deckung Ungarns der Jnsurrection über-lassen, längs der Naab und Marzal auf die Schütt und durch diese nach Presburgrücken, wo ein Brückenkopf sei und ein verschanztes Lager anzulegen wäre, als offen-siver Punkt am rechten Donauufer. Johann verließ demnach Körmönd am 8. Juni,»nachte am 10. in Tuskevar Halt und marschirte von hier nach Papa, wo er am11. und 12. mehre Gefechte bestand; am 13. traf er in Raab. ein.
Der Erzherzog Johann in der Schlacht bei Raab und in der Stellung zu Presburg.
Kaum in Raab angelangt, empfing Erzherzog Johann einen Befehl, der seinevorher gemisbilligte Vereinigung mit der ungarischen Jnsurrection guthieß, die Hal-tung und Verschanzung von Naab gebot, und die Detachirung eines Corps von4000 Mann Linieninfanterie, einer gleichen Anzahl Landwehr, nebst 24 Kanonenund 220 Pferden nach Presburg anordnete. Ein solches Verfahren gegen den Erz-herzog war empörend und mußte die Kluft, welche zwischen den'beiden Hauptquar-tieren schon herrschte, nur noch vergrößern. Man hatte dem Erzherzog kurz vorherdie Vereinigung mit der Jnsurrection wie mit Giulay versagt, und ihn überhauptfür zu schwach gehalten, den einzelnen französischen Corps entgegenzutreten. Jetztsollte er in der Eile Raab befestigen und diesen Platz gegen den vereinigten Feindhalten, dabei aber noch einen Theil seiner Streitkräfte nach Presburg schicken.Die ungarische Jnsurrection, die ihm der Palatin zuführte, war 16000 Mann stark,darunter 7000 Pferde. Manche Abtheilungen befanden sich noch auf dem Marsche,andern fehlte es an dem Nöthigsten. Die Infanterie war gänzlich ungeübt, kannte»loch nicht den Gebrauch des Gewehrs und hatte noch keinen Feind gesehen. Diemeisten Reiter verstanden noch nicht ihre Pferde zu satteln und zu lenken. Mit sol-chen Truppen, deren Ausrüstung und Übung man gänzlich vernachlässigt, sollte derErzherzog wirken. So herrliche Kriegselemente auch die ungarische Jnsurrection bot,konnte es doch unter solchen Umständen Niemand einfallen, durch sie große, dasSchicksal der Monarchie bedingende Schläge auszuführen. Das verschanzte Lager,das der Erzherzog zwischen der Donau und Raab einnehmen sollte, lehnte sich zwaran beide Flüsse und war durch Moräste und Überschwemmungen zum Theil gedeckt;allein es besaß eine viel zu große Ausdehnung, wurde durch einen todten Wasserarmin zwei Theile getrennt, und bot nur eine Verbindung nächst Raab und wenig Aus-Länge im Fall eines Rüchzugs dar. Wenige kannten das Land und hatten es schul-