Band 
Erster Band.
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Erzherzog Johann von Östreich. 599

von Komorn besorgen. Diese Ablösung solle jedoch erst vor sich gehen, wenn- derVersuch einer Entsetzung Raabs ausgeführt worden. Der Erzherzog Johann, trafnun seine Anstalten, auf die kleine Schütt überzusetzen, was nur bei Czicso möglichwar. Am 19. rückte er nach Nagy-Tany auf die große Schütt und bezog daselbstunter dem Angriffe des Feindes ein Lager; am 20. rückte er nach Böcs. Hier er-hielt er vom Generalissimus einen abermaligen Befehl, der lautete: wenn er den Über-gang bei Czieso auf die kleine Schütt bewerkstelligt und Naab befreit haben würde,sollte er Altenburg nehmen. Gelänge dies bis zum 20. nicht, so solle der Palatinmit den Insurgenten den Feind und die Donau vom Ende der kleinen Schütt bisKomorn und weiter abwärts beobachten; der Erzherzog Johann solle jedoch zwischendem Palatin und Presburg auf der großen Schütt bleiben. Am 21. bereitete hieraufder Erzherzog Alles zum Übergänge auf die kleine Schütt vor, der in der Nacht vom22. unternommen werden sollte. Zugleich berichtete er dem Generalissimus, daß Cha-stcler am 16. mit 3000 Mann in Warasdin, Giulay am 15. in Mahrburg gewesen,daß der Feind Grätz beschieße, daß Davidovich mit den Insurgenten bei Komorn stehe.Noch am Abend des 21. empfing indessen Johann vom Generalissimus den Auftrag,daß er die ganze Unternehmung aufgeben und Bianchi zu Presburg ablösen solle.„Ich bin entschlossen", hieß es weiter, „eine andere Operation vorzunehmen, wodurchRaab, wenn es sich hält, entsetzt wird." Welche Operation dies war, erfuhr Jo-hann nie. Letzterer brach nun am 22. Juni nach Sommerein auf und traf am 23.in Presburg ein, während der Palatin und Davidovich zu Böcs und Komorn blieben.

Das Lager bei Presburg war an der Tyrnauerstraße. Dort ließ der Erzherzogseine Reiterei und die wenigen Reservetruppen; der größte Theil seiner Streitkrästebesetzte die Posten. Ihm gegenüber stand Davoust mit 8000 Mann bei Karlsburgund Kittsee. In Acs stand Montbrun mit 8000 Mann Infanterie und 1200 Rei-tern; Moesa und Köts waren durch Posten beseht. Der Erzherzog untersuchte am21. Juni die Posten und Arbeiten, fand Alles unvortheilhast angelegt und traf wirk-samere Anstalten. Noch am 21. erhielt er die Nachricht von der Capitulation derGarnison zu Raab. Am 26. Nachmittags langte der Kaiser Franz selbst in Pres-burg an. Gegen Abend übergab ein feindlicher Parlamentair die Auffoderung, dasganze rechte Donauufcr zu räumen, mit der Drohung, sonst würde Presburg be-lagert werden. Ehe der Erzherzog die abweisende Antwort geben konnte, begann derFeind die Stadt zu beschießen. Nach eurer wiederholten Auffoderung dauerte dasFeuer mit Unterbrechung bis zum 29. Juni, an welchem Tage es besonders aus dieVerschanzungen abgesehen war. Der Erzherzog ließ die Brückengliedcr zurechtmachen,um schnell eine Brücke zu werfen, mußte sie aber aus Befehl des Generalissimuswegschaffen, weil der Feind behauptet hatte, er habe darum die Stadt beschossen.Mehr als 150 Häuser der Stadt lagen schon in Asche. Von einem starken Feindeumgeben, berichtete der Erzherzog seine kritische Lage dem Generalissimus pnd stelltevor, daß ein Ausfall gegen den ihm überlegenen Feind nicht ausführbar sei; dieganze östreichische Reserve bestehe aus vier Bataillonen, und das Übrige stehe vonMema in der Schütt bis Theben vertheilt. Hatte der Feind die Beschaffenheit desBrückenkopfs gekannt, er würde ihn in der That mit Sturm, wenn auch mit Ver-lust an Menschenleben, genommen haben. Chasteler erhielt nun Befehl, gegen Ko-morn vorzurücken; desgleichen wurde Giulay herbeibeordert, um Marmont und Ruscaabzuhalten und Grätz zu entsetzen. Der Generalissimus schrieb, der Palatin sei imFall einer Hauptoperation bestimmt, gegen Raab vorzurücken und dem VicekönigEugen aus dem Fuße zu folgen, Chasteler müsse sich mit ihm vereinigen; der Erz-herzog aber werde seiner Zeit erfahren, was er zu thun habe. Man sehe starke feind-liche Abtheilungen von Presburg nach Wien ziehen: er solle den Feind möglichstentfernt halten. Während der Erzherzog Johann Alles aufbot, um seine Stellungzu Presburg zu behaupten, und namentlich die zweckmäßige Herstellung des Brücken-kopfs mit Eifer betrieb, liefen täglich Briefe und Befehle ein, die das Herannaheneiner großen Katastrophe bei Wien verkündigten und dem Erzherzoge das Festhalten