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Erster Band.
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60 V Erzherzog Johann von Östreich.

an seinem Posten empfahlen. Er selbst berichtete, daß der Feind seine ganzen Kräftenach Wien rücken ließe; bei Kittsee und auch über Bruck an der Leitha seien So-lennen dahingezogen; die Brücke nach der alten Aue habe der Feind abgebrochen,und nur eine Überfuhr habe er gelassen. Ferner meldete der Erzherzog, daß er ent-schlossen sei auszubrechen, und der Generalissimus möge auf dem rechten Donauuferzu diesem Ausfalle mitwirken. In der That traf der Erzherzog seine Anstalten, umdieses Unternehmen auszuführen, und ersuchte auch die Jnsurrection, seine Operationdurch eine starke Mitwirkung zu unterstützen, zumal am rechten Ufer kein Feind bisKarlsburg stand und Raab nur schwach besetzt war. Warum von Seiten der Jn-surrection nichts erfolgte, ist dem Erzherzog unbekannt geblieben. Am Nachmittagdes 3. Juli beschoß Johann die feindlichen Batterien, um sich zu überzeugen, wound wie viele Geschütze ihm entgegenstanden. Den Nachmittags war die Brückedes Erzherzogs vollendet und seine Streitmacht aufgestellt. Durch die Alte Aue sollteeine Colonne verbrechen und sich dieser und des Übergangs zu bemeistern suchen; einezweite sollte gerade aus dem Kopfe heraus über den dortigen todten Donauarm vor-dringen, über welchen ebenfalls eine Brücke geworfen war. Letztere Colonne solltedas Dorf Engerau und die dortige Batterie nehmen, zugleich aber sollten auf derPetschen-Jnscl mittels Überschiffung Truppen landen und das Dorf im Rücken neh-men. Dem Kaiser wie dem Generalissimus wurde die Operation mitgetheilt. Am iAbend des 4. Juli erhoben sich jedoch gewaltige Stürme und Regengüsse, die Gräbenfüllten sich mit Wasser, und der Erzherzog sah sich genöthigt, den Übergang auf den5. Nachmittags zu verschieben. Die Nachrichten, die von Seiten der Jnsurrectioneintrafen, zeigten solche Irrthümer an, wie daß Macdonald durch den Bakonyer Waldnach Weszprim gerückt sei. Drei Regimenter, hieß es weiter, seien deshalb vorge-sendet worden. Mesko sei nach Vereinigung mit Chasteler nicht bei demselben ge-blieben, sondern hätte den Marsch um das südliche Ufer des Plattensees fortgesetzt,um dann zum Gros der Jnsurrection zu stoßen. Sicher war derselbe wol auf die-sem Wege, aber mit Chasteler vereinigt wären gewiß bedeutende Offensivbewegungenmöglich gewesen. Durch elende Kleinlichkeiten und Nebenzwecke wurde das Größteund Beste gar häufig zu nichte gemacht. Es fehlte die energische Hand am Zügel.

Der Erzherzog Johann und die Schlacht von Wagram. l

Um 5 Uhr, am Morgen des 5. Juli, als der Erzherzog Johann aus dem IBrückenköpfe in die Stadt zurückkehrte, traf ihn auf der Brücke ein Courrier des Ge- >

neralissimus, der einen Befehl, dakirt vom 4. Juli Abends 7 Uhr (also binnen ^

10 Stunden), überbrachte. Dieser Befehl sagte aus: daß Bonaparte seine ganzen ,Kräfte an der Donau gegen die Lobau zusammenziehe, die bereits von Truppen strotze; ^daß er auch bereits den schmalen Donauarm, der die Lobau vom Lande trennt, mit !einigen Truppen übersetzt habe. Der Truppenzug habe schon den ganzen Tag überFischament gegen Schwechat, sowie von Bruck an der Leitha ebendahin fortgedauert.

Es seien dies die Streitkräfte Davoust's und des Vicekönigs Eugen, sodaß der Erz-herzog nur noch einen sehr geringen Feind vor sich haben könne. „Die außerordent-liche Stärke des Feindes", sagte der Befehl weiter, „die er gegen mich (den Gene- >

ralissimus Erzherzog Karl) nur durch große Schwächung aller übrigen Posten ver- >

sammeln konnte, sodert mich auf, Ew. Liebden zu befehlen, gleich nach Empfang !dessen Ihre Disposition dergestalt zu treffen, damit Sie den Brückenkopf (bei Pres-burg) unter dem General Bianchi und die Petschen-Jnsel nur durch sehr wenigeTruppen und etwas Geschütz besetzt halten, mit allen übrigen nur immer möglichendisponiblen Truppen, mit Zurücklaffung der Bagage und unnöthigcn Trains, sich nachMarchegg auf das rechte Ufer der March in Marsch zu setzen, um den etwa gegenmeine linke Flanke vordringen wollenden Feind selbst in die Flanke zu nehmen, odersonst nach Umständen zu dem großen Zweck mitzuwirken. Die beiläufige StundeIhres Eintreffens und die Kräfte, welche Sie mitbringen, wollen Sie mir sogleichanzeigen, damit ich Ihnen meine weitem Befehle nach Marchegg zukommen machen