Erzherzog Johann von Östreich. 603
I Als der Erzherzog Johann in der Gegend von Obcrsiebenbrnnn anlangte, war
es 5 Uhr. Das Feuer hatte schon abgenommen. Allenthalben sah man Rauchsäulenund brennende Dörfer; eine Todtenstille herrschte in der Gegend. Nur gegen die Do-nau und die Höhen von Stammersdorf dauerte, jedoch stets rückgängig, das Gefechtfort. Der Offizier, den der Erzherzog an den Generalissimus abschickte, konnte nichtdurchdringcn und mußte umkehren. Man machte Halt. In dem Walde von Neu-j hos stand ein Bataillon, in Untersiebenbrunn standen drei Compagnien und eineKanone. Major Dochy mit sieben Zügen Husaren besetzte die Vorposten, die nurschwache feindliche Posten gegen sich hatten; nur Leopoldsdors hielten 1300 Franzosenbesetzt. Oberstlieutenant Geramb wurde nun vorgesendet: er gelangte nach Markgraf-Neusiedel, die Patrouillen bis gegen Wagram. Überall fand man das Feld voll Todterund Verwundeter. Man machte mehre Gefangene, unter andern einen Artillerie-major. Derselbe erklärte jetzt dem Erzherzog die Bewegung Bonaparte's und wiederselbe, indem er am 5. von Macdonald die Fronte der östreichischen Stellung an-greifen ließ, seine Bewegung gegen den linken Flügel maskirke, sodaß schon dadurcham 5. die Sache entschieden, am 6. aber blos durch Geschütz und Reiterei gewirktworden sei. Auch stellte sich heraus, daß Baraguay d'Hilliers bereits dem KaiserNapoleon von dem bevorstehenden Ausfalle des Erzherzogs Johann, desgleichen von! dessen Marsch nach Marchegg und aus den linken östreichischen Flügel benachrichtigt
! hatte: es standen unter Marmont 30000 Mann an Reserve bereit, die bestimmt
waren, dem Erzherzog, würde er während der Schlacht angekommen sein, entgegen-zurücken. Bis die Nacht einbrach, blieb der Erzherzog in der verhängnisvollen Gegendstehen, noch immer hoffend, er werde von dem Generalissimus Befehle erhalten. Aufj großen Umwegen sandte er demselben seine Berichte zu. Von schmerzlicher Bewegungergriffen, wandte er sich an Frimont und sagte in Gegenwart aller Offiziere: „Siewissen, ob wir hätten früher kommen können! Wir sind noch eher da, als ich ge-meldet hatte. Sie werden sehen, unser vermeintlich zu spätes Eintreffen wird alleSchuld der verlorenen Schlacht tragen müssen! Dieser Umstand wird Manchemhöchst willkommen sein." Er beschloß während der Nacht rasch gegen die Brückeder Lobau zu rücken; allein dieser Plan zeigte sich doch bei der Unkenntniß über dieLage des Feindes und der Aussage der Gefangenen über die Besetzung der Brückeals unausführbar. Da der Erzherzog nicht stehen bleiben konnte, während das Haupt-heer seinen Rückzug fortsetzte, so kehrte er nach Marchegg zurück, wo er bei.Tages-anbruch eintraf und den 7. Juli über verweilte. Von da zog er aus die Nachricht,daß eine feindliche Colonne abwärts der Donau der March zugehe, nach Blanuna.
! Er erstattete hier dem Kaiser Bericht und schlug die Vereinigung mit den Streit-kräften Chasteler's und Eiulay's vor, um dann mit einer Armee von 40—50000Mann kräftig gegen den Feind zu operiren.
Faßt man die einzelnen Umstände ins Auge, so kann man dem Erzherzog Jo-hann durchaus nicht das Zuspätkommen bei Wagram als Schuld beimessen. Wiees stets geschah, so zögerte man auch diesmal, ihn aus dem Hauptquartier von derSachlage genau und ehrlich zu unterrichten und ihm zur rechten Zeit bestimmte Be-fehle zukommen zu lassen. Neben persönlichen Verhältnissen mochte hierbei wol auch! der Umstand vorwalten, daß der Generalissimus bis zum letzten Augenblicke über sein
Handeln in der Ungewißheit schwebte. „Meine Absicht ist nicht mehr", schrieb ernoch am 5. Juli, „an dem Ufer der Donau eine defensive Schlacht zu liefern."Beim Aufgeben dieser Absicht, am linken Donauufer einen zweiten Stoß zu pariren,
, scheint die Möglichkeit des Schlagens der Möglichkeit des Verfolgens plötzlich nach-! gesetzt und aufgeopfert worden zu sein. Man ließ den Feind jedoch ruhig seine rie-sigen Ufer- und Übergangsbauten vollenden. Man erzählte sich, wichtig thuend, garj Vieles von der mächtigen Kette der Verschanzungen, die den Feind am linken Ufer
Schritt für Schritt aufhalten würden. Freilich cxistirten auch keine solche Hinder-j nisse. Der Amtsbericht über die Schlacht bei Wagram meldet, daß der Feind, den
man ohne geringstes Hinderniß mit ganzer Macht den großen Strom hatte übersetzen