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Erzherzog Johann von Ostreich.
lassen, um 50000 Mann und 200 Kanonen starker als die östreichischen Strcitkräftegewesen sei. In diesem Hcrübcrlassen liegt doch eine etwas starke Zuversicht unfehl-barer Anordnung und unfehlbaren Siegs. Erst am 5. Juli, früh um 5/? Uhr,als man bereits die Ahnung hatte, daß die Partie verspielt werden könnte (nachfeindlichen Aussagen, daß sie schon verspielt gewesen) rief man den Erzherzog Johannauf den linken Flügel, der nun auch, trotz der Ermüdung seiner Truppen, sogleichAnstalten traf, den Befehl in Ausführung zu bringen. Wollte man aber auch zu-geben, daß der Erzherzog Johann bei größerer Energie wirklich einige Stunden eheraus Rosenberg's linkem Flügel hätte eintreffen können, so klingt es doch rein abge-schmackt, will man dem Zuspätkommen dieses winzigen, abgehetzten Häufleins den Ver-lust der Riesenschlacht und das Schicksal der östreichischen Monarchie zuschreiben.Das Zuspätkommen des Erzherzogs mochte anfangs wol dem Fürsten Nosenberg einenwillkommenen und natürlichen Entschuldigungsgrund abgeben. Allgemein aber fühlteman sich empört, als das Kriegsministerialbureau Grunne's in Ofen nach dem Frie-den ohne höhere Autorisation eine Relation über die Ereignisse des 5. und 6. Juliherausgab, in welcher namentlich dem Erzherzog Johann die Schuld an der Nieder-lage zugeschrieben wurde. Außerdem wollte man ja auch nicht einmal eine Schlachtverloren haben. Noch im August 1800 sprach es der Minister Stadion zu Komornoffen aus: Die Schlacht von Wagram sei keine verlorene, sondern nur eine abge-brochene gewesen, ja sie sei absichtlich aufgegeben worden, wie die gewonnene Schlachtbei Fleurus, um dadurch Belgien zu evacuiren. Im Centrum und auf dem rechtenFlügel sei die wagramer Schlacht offenbar gewonnen gewesen und hätte des Morgenssogleich wieder erneuert werden können. Graf Philipp Grunne sei so gut höchst zwei-deutig, als es damals (Juni 1704) der Prinz Christian von Waldcck gewesen. Bei-läufig ebenso intonirte der „erste Soldat von Aspern", Fürst Johann von Liechtenstein.Auch der Held Radetzky berührte gewisse Dinge sehr geheimnißvoll, achselzuckend, mitgeschlossenen Augen, und sagte: „Wenn in dem Augenblicke des abgeschlagenen Mac-donald'schen Durchbrechens des Centrums am Nußbach und der dadurch entstandenenwilden Flucht nur ein paar geordnete Reiterregimenter bei der Hand gewesen wären,eine wilde Niederlage wäre „für Napoleon unvermeidlich gewesen."*) Unleugbar istauch, daß der Rückzug der Ostreicher auf der böhmischen Straße wie auf dem Excr-cierplatze geschah. Die Soldaten ließen sich eher tödten, als daß sie ihre Fahnen ver-ließen. Sie nahmen Trophäen etwas mehr, als sie einbüßten.
Der Erzherzog Johann nach der Schlacht bei Wagram bis zum Frieden.
Am 8. Juli endlich erhielt der Erzherzog Johann vom Generalissimus aus Obcr-rohrbach die Nachricht, daß er sich mit dem Gros auf der Straße von Znaym zurück-ziehe, Rosenberg auf der von Brünn. Der Erzherzog solle die March halten, mitdem Palatin für Ungarn sorgen, Chasteler und Giulay sollen seine Befehle anneh-men; er selbst wolle am 10. bei Jtzelsdorf eintreffen und dort in vortheilhaster Stel-lung eine zweite Schlacht liefern. Von Presburg aus erließ nun der Erzherzog seineBefehle an Chasteler und Giulay. Seine Absicht ging dahin, aus dem Brückenkopfbei Presburg, der in der Nacht vom 7. zum 8. vergeblich angegriffen worden, her-auszubrechen, den Feind, der augenblicklich nur 4000 Mann zählte, zu werfen, nachOstreich sich zu wenden und dann gegen Wien mit vereinter Macht zu rücken. DerAusbruch aus dem Brückenköpfe war für die Nacht vom 10. zum 11. Juli bestimmt,die Disposition war wie das erste mal. Nur sollte nach Erreichung der Fläche dieRichtung so genommen werden, daß Kittsce links bliebe und die Straße nach Wieneingeschlagen würde. Unterdessen berichtete General Bach, der zur Beobachtung desFeindes mit einer Truppenabtheilung an der March gelassen worden war, daß sichdrei feindliche Colonnen über Schönfeld in die March gezogen hätten. Es war die2000 Mann starke Avantgarde des Vicekönigs Eugen, die am 10. Marchegg be-
*) Diese Reden hörte der Freiherr von Hormayr.