Die Schweiz
auf ihrer gegenwärtigen Entwickelungsstufe.
Geographische Übersicht.
Aem Land der Welt schlieft wie die Schweiz auf so engem Raume eine ebensoreiche Mannichfaltigkeit und so viele, schwer zu vermittelnde Gegensätze in sich, diedurch die vielartige Gestaltung des Bodens und den Wechsel des Klima, durch Ab-stufungen der Bildung, durch Unterschiede in Religion, Sprache und Abstammungbedingt sind. Aber die ganze Bevölkerung, durch schwer überstcigliche Eebirgszügenach mehr oder minder zahlreichen Gruppen räumlich getrennt, ist geeinigt und zu-sammengehalten durch die Idee der Unabhängigkeit und Freiheit, durch den gemein-schaftlichen Segen der Freiheit, durch das gemeinsame Interesse ihrer Behauptung.Wie sonst auch die Meinungen auseinandergehen, wie manchen häuslichen Zwist bisin die jüngste Zeit die Eidgenossen durchzukämpfen hatten: sie blieben wenigstenseingedenk jener Warnung, die schon das im Jahre 1385 erneuerte Landbuch desCantons Appenzell-Jnncrrhvden enthält: „ Kaisers Mantel, Königen Röckh, stundalle auf einem Tuch geschnittn, derowegen hüd'te dich o werthe Eidtgenosschast, daßdir nit ein Kappen daruß werde gemacht."
Nahe in der Mitte der nördlich gemäßigten Zone und wenig entfernt von derMitte Europas, erstreckt sich daS schweizerische Hochland, zwischen 23" 50 ^ bis 28"5^ östlicher Länge und 45" 50' bis 47" 50 ^ nördlicher Breite, über einen Flä-chenraum von 752 Quadratmeilcn, in einer Länge von 40, einer Breite von 25 undeiner Grenzlinie von etwa 153 deutschen Meilen. Zwischen Baden, Würtemberg, Vor-arlberg, Liechtenstein und Tirol, dem Lombardisch-Venetianischen Königreiche, Sardi-nien und Frankreich gelegen, hat die Schweiz fast überall natürliche Grenzen. Nörd-lich: Unterste und Rhein; doch liegen hier der Canton Schaffhaustn sowie zürcherischeund baseler Gebiete auf der rechten Nheinstite. Östlich: Bodenste, Rhein und bünd-nerisches Hochgebirge. Südlich: Genfersee und die Gebirgskette der wallistr. und bun-dener Hochalpen, sodaß jedoch einzelne Theile von Bünden und der Canton Tessinim Süden, desgleichen Genf und ein Theil seines Gebiets im Südwesten über dieseNaturgrenzen hinaustreten. Westlich bildet der Jura, wiewol weniger entschieden,die natürliche Grenze gegen Frankreich.
In der wasserreichen Schweiz nehmen Seen und Flüsse fast ein Vierzehnte! desFlächenraums ein; noch einen großem Raum steile und unfruchtbare Felsen und dieauf mehr als 130 Stunden sich ausdehnenden Gletscher. Die verschiedene Höheeinzelner Landschaften, die zahllosen engen, nach ungleichen Richtungen sich öffnendenThäler und die Abdachungen nach entgegengesetzten Richtungen bringen so grelle kli-Dle Gegenwart. IV. 1