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Vierter Band.
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Die Schweiz.

Völker erwägenden Welthandel. Und weil hier das Leben in kleinem Rahmen somannichfache Seiten darbot, geschah es um so leichter, daß nur das Eine oder An-dere hervorgehoben, daß es leichtfertig dem Urtheile über das Ganze zu Grunde ge-legt wurde. Dazu kam, daß bis aus die jüngste Zeit die eidgenössische Föderationallzu wenig eine Gesammtheit war, als daß man ein lebhafteres Bedürfniß gefühlthätte, nach einem Totalausdrucke für den Bestand der Gesammtkraft und für dasGesetz ihrer Entwickelung zu suchen. Wie einst in den kleinen Freistaaten Griechen-lands, bei der allgemeinen Theilnahme der Staatsbürger an der Gestaltung des öf-fentlichen Lebens, zugleich der Thatbestand desselben, soweit es das Interesse desAugenblicks und des Sonderstaats erfoderte, jedem Einzelnen deutlich genug vorAugen lag; wie man also noch wenig daran dachte, die im Gemeinwesen thätigenKräfte summarisch und statistisch zusammenzufassen: so war dies auch lange in dennur locker verbundenen schweizerischen Freistaaten der Fall. Erst in der neuestenZeit machte sich das Bedürfniß einer wissenschaftlichen Auffassung und Abspiegelungdes vorliegenden Stoffs lebhafter geltend. Besonders ist es Franscini, der sich inseinem neuesten Werke*) durch mühsame Sammlung eines reichhaltigen Materials,durch lichtvolle Anordnung des Stoffs, durch belehrende Vergleichung der schweizeri-schen Zustände mit denen anderer Staaten ein großes Verdienst erworben hat. Indem Maße, als sich sein Werk auch im Auslande verbreitet, wird es zut Beseitigungzahlreicher Irrthümer und vielfach umlaufender Vorurtheile wesentlich beitragen. Eswird augenscheinlich machen, daß sich die politisch-sociale Bedeutung der Schweiz imeuropäisch-amerikanischen Staatensysteme keineswegs nach dem geringen Umfange desLandes bemessen läßt.

Größe und Bewegung der Bevölkerung.

Zu Ende des Jahres 1844 hatte die gesammte Schweiz eine Bevölkerung vonetwa 2,320000 Bewohnern. Den Flächenraum zu 752 deutschen 12052 ita-lienischen) Quadratmeilen angenommen, gibt dies eine relative Bevölkerung von 3085auf die deutsche Quadratmeile. Die Schweiz, als Ganzes, gehört also zu den dich-ter bevölkerten Ländern Europas. Diese Dichtigkeit ist jedoch sehr verschieden inihren verschiedenen Theilen. Mit Rücksicht darauf, zugleich aber nach den Unter-schieden des Klima, des Bodens, der Beschäftigung der Bewohner u. s. w., lassensich die 22 Cantone in fünf Hauptgruppen abtheilen, ohne daß jedoch eine solcheAbtheilung in allen Beziehungen als maßgebend betrachtet werden dürfte.

Diese Gruppen sind: die Alpenschweiz, welche fast 47 Hundertel des gesamm-ten Flächcnraums umfaßt, und aus den Cantonen Schwyz, Uri, Unterwalden, Zug,Glarus, Berner Oberland, Wallis und Graubünden, ohne das Misoxerthal, besteht.Sie hat sehr wenig Ackerland, viele Wiesen und Weiden, die zum großen TheileGemeindeweiden sind. Auch auf den Grundstücken der Einzelnen haften gewöhnlichDienstbarkeiten des allgemeinen Weidetriebs. Die relative Bevölkerung beträgt nichtmehr als 67 Einwohner auf die italienische Quadratmeile, was nicht ausschließlich inder rauhen und gebirgigen Beschaffenheit des Bodens, sondern theilweise in den politisch-ökonomischen Verhältnissen liegt. Sehr verschieden hiervon ist die nur 12 Hunderteldes Flächenraums umfassende östliche Schweiz, mit den Cantonen Zürich, Thurgau,-St.-Gallen und dem von St.-Gallischem Gebiete eingeschlossenen Appenzell. Auchhier ist im Durchschnitt der Boden nicht sehr.fruchtbar, aber durch Cultur verbes-sert, zumal am Zürichersee und am linken Ufer des Bodensees. Getreidebau wechseltmit künstlichem Futterbau, mit Kartoffeln, Rüben und Hülsenfrüchten. Außerdem wirdeine sehr reiche Obstzucht und viel Weinbau getrieben, der indessen meist nur gerin-gere Sorten liefert. Zugleich ist diese östliche Schweiz der Sitz -der ausgebildetstenIndustrie. Die relative Bevölkerung ist nicht weniger als 370 Einwohner auf der

*) Neue Statistik der Schweiz. Nach der zweiten Ausgabe aus dem Italienischen übersetztund mit Anmerkungen von einem schweizerischen Staatsmanne (2 Bde., Bern 1848—49).