8 Die Schweiz.
Monate betrug. Im Canton Waadt, welches darin so ziemlich der übrigen Schweizgleichstehen mag, wurde sie 1833 — 36 auf 37 Jahre 9 Monate 16 Tage berechnet.
Weitere Bevölkerungsverhältnisse.
Nach der amtlichen Volkszählung für das Jahr 1837 fanden sich in der Schweizüber 56000 niedergelassene, oder für längere Zeit sich aufhaltende Ausländer, wasbeinahe drei Hundertel der Eesammtbevölkerung beträgt. Diese Zahl der Fremden,ungerechnet die der jährlich das Land Bereisenden, ist beträchtlicher als die Gesammt-zahl der im ganzen russischen Reiche regelmäßig sich aushaltenden Ausländer. We-niger genau sind die Daten über die Menge der im Auslande abwesenden Schweizer.Sie läßt sich im Ganzen auf 46000 anschlagen. Die Anziehungskraft der Schweizgegen das europäische Ausland ist also größer*) als umgekehrt. In noch höhcrmMaße läßt sich behaupten, daß die wohlhabende und gewerbfleißige Schweiz, trotzihrer verhältnismäßig starken Bevölkerung, dem Auslande mehr Arbeit gibt als vonihm nimmt. Abgesehen von der schon lange abnehmenden Zahl der in auswärtigemKriegsdienste stehenden Schweizer, ist die Menge der im Auslande niedere DiensteLeistenden nicht beträchtlich. Denjenigen, welche vorübergehend, namentlich zur Ernte-zeit in Oberschwaben, Hand- und Hülfsarbeiten im Auslande verrichten, mag dieZahl der zum gleichen Zwecke in den Grenzcantonen der Schweiz beschäftigten Aus-länder etwa gleichstehen. Dagegen ist die Zahl der eigentlichen schweizerischen Dienst-boten im Auslande sehr gering, während das auswärtige, namentlich das schwäbischeGesinde, in der Schweiz sehr zahlreich. Um so höher beläuft sich die Zahl solcherSchweizer, die im Auslande mit schweizerischem Capital in der Eigenschaft als Kauf-leute, Fabrikanten und in einigen Zweigen des Handwerks als Arbeitsunternehmerauftreten. .
Wie in den meisten Ländern Europas, so ist die weibliche Bevölkerung etwasstärker als die männliche. Ihr Überschuß beträgt 20500, sodaß auf je 100 Männer102 Weiber kommen. Das Übergewicht der weiblichen Bevölkerung findet sich zu-mal in den Cantonen, wo die höhere Entwickelung der Industrie und die mit ihrHand in Hand fortgeschrittene Theilung der Arbeit dem weiblichen Geschlechte zahl-reichere Erwerbszweige in Aussicht stellt. Nur in Bern, Waadt, Freiburg, Schwyzund Zug ist die männliche Bevölkerung etwas stärker, also in Cantonen, wo dielandwirthschaftlichen Beschäftigungen überwiegen.
Das Deutsche ist die Muttersprache von! etwa 75 °/° der Bevölkerung, dasFranzösische von 20 °/„, das Italienische von 5 °/°. Dazu kommen noch 40—50000in Graubünden, die sich eines eigenthümlichen romanischen Dialekts bedienen. DemProtestantismus gehören etwa 60°/, an, dem Katholicismus 40"/o oder 941500.Die Zahl der Juden, im Ganzen etwa 2500, ist nur gering. In mehren katholischenCantonen, in Aug, Tessin, Wallis, Schwyz, Uri und Unterwalden sind keine, odernur wenige vereinzelte Protestanten.
Die Zahl der Städte und stadtähnlichen Flecken ist beträchtlich genug. Dochbeläuft sich die Bevölkerung dieser 78 Städte nur auf 285000, ein Achtel oder einNeuntel der gesammten Einwohnerzahl, während die städtische Population in Großbritan-nien die Hälfte übersteigt, in Frankreich etwa ein Drittel beträgt. Die größten Städteder Schweiz, Genf und Basel, sind Grenzorte und Hauptpunkte des Verkehrs. Auch>im Innern sind die politischen Hauptorte der Cantone schon durch ihre Lage zugleichnatürliche Mittelpunkte des Verkehrs; etwa mit Ausnahme von Bern, das mehrpolitischen Rücksichten und historisch zufälligem Anlasse seine Entstehung verdankt.Die mittlere Einwohnerzahl der zehn größern Städte ist 13500 — 14000. In derSchweiz ist also von künstlich getriebenen Residenzstädten, wie sie in Deutschland sohäufig sind, und den nothwendig damit verbundenen Nachtheilen nirgend die Rede.
*) Indessen hat sich die Zahl der Auswanderer nach Amerika in der neuesten Zeit bedeutendvermehrt. Zn den Jahren 1823—42 kamen in Reuyork 7677 schweizerische Auswanderer an-