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Die Schweiz.
lande, die Benutzung der Dungmittel für den Feldbau gestattet. Immerhin wirddurch eine Vergleichung der landwirthschaftlichcn Zustände Großbritanniens und derSchweiz mit denen anderer Länder die höchst wichtige Thatsache bestätigt, daß inden letztem fast durchweg das Verhältniß der Futterländereien zum Ackerlande vielzu gering ist, und daß erst durch Vermehrung des Futtcrbaus und der Viehzucht derlandwirthschaftliche Eesammtertrag gesteigert, sowie eine reichere und gesundere Er-nährung des Volks erzielt werden kann. Im Ganzen liefert die Schweiz jährlich 45Millionen Cenkner Futter, im Werth von 112/- Millionen französische Francs.*)Der Capitalwerth des Nindviehstandes wird auf 94'/- Millionen Francs geschätzt. ImDurchschnitt hat die Schweiz über 853000 Haupt Rindvieh, worunter 475000 Kühe,90000 Ochsen, 169000 Rinder. Diese Zahl ist indessen im Sommer etwas höher,im Winter, wo die Alpenwirthschaft aufhört, etwas geringer. Das Verhältniß derZahl des Rindviehs zur Einwohnerzahl ist 5:12, während es im preußischen Staatenur 1:4 ist. Die Bereitung des Milchwerks wird. auf sehr zweckmäßige Weise be-trieben. Besonders muß des gerade in der neuesten Zeit mehr entwickelten Systemsder gemeinschaftlichen Käsereien erwähnt werden. Diese fabrikmäßige Production vonMilchwerk, für die Verarbeitung größerer Massen und für verhältnißmäßige Verthei-lung der gewonnenen Producte an die betheiligten Viehbesitzer, findet sich zumal inden Cantonen Bern, Luzern, Bünden, Freiburg und Waadt. Im letztem Cantonist sie erst seit Anfang dieses Jahrhunderts in Ausnahme gekommen. In einigenGegenden gehört die Käserei der Gemeinde, die sie um billigen Zins verpachtet. Wirfinden also hier einen Übergang von der frühern vereinzelten zu der allen Betheiligtenvortheilhaftern gemeinschaftlichen Arbeit durch freie Association, eine Art praktischenSocialismus, der das Privatcigenthum nicht aufhebt, sondern dessen Ertrag erhöht,und der sich gewiß mit gleichem Erfolge auf andere Zweige der Production, insbe-sondere der landwirthschaftlichcn, die noch in so hohem Grade an Zersplitterung lei-det, anwenden läßt. Nicht in gleichem Maße entwickelt sind die andern Zweige derViehzucht. An Hufvich — der großen Mehrzahl nach Pferde von nicht schöner, aberkräftiger und ausdauernder Race, da die Zahl der Maulthiere und Esel nur kleinist — hat die Schweiz etwa 106000 Haupt, im Werth von 22 Millionen Francs..Verhältnismäßig die meisten Pferde haben Bern, Waadt und besonders Freiburg. ImDurchschnitt zählt man nur 1 Stück Hufvieh auf je 22 Einwohner, in Preußendagegen 1 auf 9, in Östreich 1 auf 17. Der Schafstand, nur 470000 Stück, imWerth von 5,640000 Francs, gibt ein Verhältniß von 1 auf je 5, in Preußen von15 Stück aus je 14 Einwohner. Auch die Schweinezucht, gegen 320000 Stück, 1 auf8 Einwohner (in Preußen 1 auf 7), im Werthe von 11,367000 Francs, genügtnicht dem ziemlich beträchtlichen Verbrauche. Den Werth der Ziegen, 347000 Stück,oder 1 auf 7 Einwohner, schätzt man auf 4,050000 Francs; doch wird dieser Vieh-stand als nicht förderlich für die Landwirthschaft erachtet.
Im Rindvieh-, Schaf- und Schweinestand findet eine jährliche Vermehrung statt.Man zählt im Ganzen 7 Stück großes und Schmal-Vieh auf je 8 Einwohner, undschätzt den Gesammtwerth des Viehstandes auf 137,490000 Francs. Beiweitemden größten Ertrag werfen die Milchproducte ab. Dem beträchtlichen Erzeugnisse ent-spricht ein starker innerer Verbrauch, der jährlich in Bern, Aug, Freiburg und Ap-penzell-Außerrhoden je 21, 13, 10 und 8 Pfund aus den Kopf beträgt. An Käsewerden 508000 Centner jährlich erzeugt, wovon man aber nur 90000 Centner insAusland ausführt. Der Gesammtwerth der Käseproduction wird aus 26/r MillionenFrancs angeschlagen, der für Milch, Butter, Ziegen und Kälber auf 10 Millionen,sodaß au Producteu der Viehzucht durchschnittlich etwa 16 Francs auf jeden Ein-wohner kommen. Bei dem starken Verbrauch von frischem und gesalzenem Fleische
*) Wenn im fernern Verlaufe dieser Abhandlung die Summen einfach in Francs aus-gedrückt sind, so meint man durchweg französische Francs; ist von Schweizerfrankendie Rede, so ist dies besonders ausgesprochen. D. Red.