12 - Die Schweiz.
Grundes entbehren. Dies gilt namentlich von den Klagen über zu frühen selbstän-digen Gewerbbetrieb. Auch geht aus allen statistischen Mittheilungen deutlich genughervor, daß die ökonomische Lage der züricher Handwerker keineswegs eine ungünstigegeworden ist. *) Es konnte vielmehr mit großer Wahrscheinlichkeit nachgewiesen wer-den, daß diese Classe, welche 6978 steuerpflichtige Handwerker zählt und nicht ganzein Siebentel sämmtlicher Steuerpflichtigen ausmacht, ein Gesammtvermögen vonwenigstens 15,425000 Schwcizerfranken besitzt, und einen jährlichen Gesammtcr-werb von 5,358000 Schweizersranken hat, sodaß der durchschnittliche Antheil aufden Einzelnen an Vermögen 2 — 5000 Franken, an Erwerb 500 Franken beträgt.Wenn endlich an der Vermehrung der Concurse in den Jahren 1855—45 der züricherHandwerkerstand um ein Zehntel stärker betheiligt ist, als sein Verhältniß zur Gc-sammtzahl der Steuerpflichtigen beträgt, so ist auch dies, bei der größern Beweglich-keit und Abhängigkeit des Gewerbbetriebs von Zufälligkeiten, kein besonders ungün-stiges Verhältniß. Nach dem Allen zieht der Berichterstatter des Gutachtens denSchluß, daß der Handwerkerstand keineswegs in der Rückkehr zu veralteten und un-haltbaren Zuständen sein Heil zu suchen habe; sondern, mit Unterstützung des Staats,in einer zweckmäßigern Sorge für eine tüchtige berufsmäßige Vorbildung, in der Er-weckung eines regern Wetteifers durch periodischen Wiederkehr von Industrieausstel-lungen, wie sie in St.-Gallen und vor einigen Jahren in Zürich zur Ausführungkamen; durch die Begründung von Jndustriehallen; vor allein durch zweckmäßige undumfassende Benutzung des freien Vereinsrechts, wodurch, mit Vermeidung der Nach-theile des frühern Zunftzwangs, alle Vortheile der Association gewonnen werde» kön-nen. In der That scheint im schweizerischen Handwerkerstände in der neuesten undgerade in derselben Zeit, wo zahllose Petitionen deutscher Handwerker die Hülfe desStaats in Anspruch nahmen, die Überzeugung Raum gewonnen zu haben, daß nichtsowol durch Zwangsmaßregeln und Beschränkungen im Wege der Gesetzgebung, alsvielmehr durch die freie Selbstthätigkeit der Gewerbtreibendcn selbst gebessert und ge-holfen werden könne.
Urproduktion.
Man schätzt das Alpen- und Weideland der Schweiz aus 20 Hundertel der ge-summten Oberfläche, und auf ebenso hoch den Umfang der steten Wiesen. Das Acker-land hingegen veranschlagt man auf 11 Hundertel; Rebland auf nahe ein Hundertel;Waldungen auf 17 Hundertel; und endlich das unbebaute Land, Gewässer, öde Ge-birge, Wohnungen, Straßen u. s. w. auf 3t Hundertel. Sehr beträchtlich ist alsodas Verhältniß der Futterländereien, nicht blos der natürlichen, auch der künstlichen,zu dem übrigen Culturlande. Im benachbarten Baden begreift das Ackerland bei-,nahe die Hälfte, das Weide- und Wiesenland dagegen nur je ein Dreizehnte! und einElftel. Am nächsten der Schweiz im Verhältnisse der Futterländereien steht das inder landwirthschaftlichen Production so weit vorgeschrittene Großbritannien, das inseiner starken Viehzucht zugleich das Vehikel für einen Ackerbau findet, dessen Er-trag den verhältnißmäßigen Werth der landwirthschaftlichen Erzeugnisse des großenund natürlich fruchtbarern Frankreich weit übertrifft. Ist dies nicht in demselbenMaße in der Schweiz der Fall, so liegt der Grund zwar zum Theil in der Be-schaffenheit des Ackerlandes, zum andern Theile aber in der von der Natur selbstbedingten Alpenwirthschast, die nicht in gleichem Maße, wie im Flach- und Hügel-
Bon 515 ihr Gewerbe selbständig betreibenden Handwerkern der Stadt Zürich im Jahre1847 war doch nur ein Einziger erst 22 Jahre alt, und nur sechs standen im Alter zwischen25 und 24 Jahren. Auch der Berichterstatter der thurgauischen Gemeinnützigen Gesellschaftschildert den ökonomischen Zustand der Handwerker des Cantons Thurgau als ziemlich befrie-digend. Von 5;kI4 Gewerbtreibenden sind daselbst 454 mit großen Hülfsmitteln ausgerüstet,2894 mit hinreichenden, 1293 mit geringen und 439 mit keinen. Zu den Mitteln des Hand-werksbetriebs sind 1684 ganz oder zum Theil durch Erbschaft gelangt, 2515 haben ihr Be-triebscapital durch Fleiß und Kenntniß erworben.