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Vierter Band.
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Die Schweiz.

gemeinen in jener pfa'ffischen Herrschaft, die sich den Fortschritten der Neuzeit hem-mend entgegenstellte, so ist er doch wol im Besondern hauptsächlich in der größer»Menge der katholischen Feiertage zu suchen. Denn das ist augenfällig genug, daßeine Vermehrung der Arbeitstage in den reformirten Cantonen seit 300 Jahren end-lich zu ganz andern ökonomischen Ergebnissen führen mußte. Noch minder als dieUnterschiede in der Vertheilung des Vermögens treten diejenigen in der Lebensweisehervor. In der Schweiz, die keine Fürstenhöse, keine leicht,erworbenen hohen Be-soldungen und keine willkürlichen Gnadenbezeugungen kennt; wo es keine kastenmäßigausgeschiedenen Stände, folglich keinen sogenannten standesmäßigen Aufwand gibt;wo man namentlich nichts weiß von jenem Luxus der Bedienung, wie er in denmonarchischen Staaten als wuchernde Pflanzstätte eines geschäftigen Müssiggangs be-steht: trägt selbst die Lebensweise der Reichen und Reichsten den Stempel republika-nischer Einfachheit, und unterscheidet sich beiweitem nicht in dem Maße wie inimonarchischen Auslande von derjenigen der minder bemittelten Classen. Diesem ge-wohnheitsmäßigen und gleichsam naturwüchsigen haushälterischen Sinne,, der sich beidem Schweizer ausbilden mußte, weil er seinen Besitz stets nur durch sich selbst unddurch mühsam ausdauernde Arbeit erwarb, und weil er sich in seinem republikani-schen Gemeinwesen das verführische Beispiel des Prunks und der Verschwendungfern hielt: verdankt das Land, trotz äußerlich ungünstiger Verhältnisse, hauptsächlichseinen »»gemeinen Wohlstand. Neben einer berechnenden Sparsamkeit in Haushal-tung und Geschäft hat aber auch das wohlthätige Institut der eigentlichen Spar-,kassen schon früh, sogar schon früher als in England, Eingang gefunden, und sichzumal in der neuesten Zeit zu einem besonders hohen Grade entwickelt. Die Zahlder Haupt- und Filialkassen und der Einlagebureaux war 1845: 150 — 200 mit110 —120000 Einlegern und 30—35 Millionen Francs Einlage zu Reservefonds.Im Durchschnitt kam eine Sparkasse oder doch ein Einlageburcau auf 20000 Ein-wohner, 1 Einleger auf je 20, und 1400 Francs Guthaben auf je 100 Individuen,sowie 250 — 300 Francs Capital auf jeden Einleger. In Frankreich dagegen kamnur 1 Einleger auf 65 — 70 Einwohner und 1110 Francs Capital auf 100 In-dividuen; in Preußen 170 Francs Einlage auf je 100 Einwohner. Nur Belgienhatte 1600 Francs Capital auf je 100 Bewohner, kann aber nicht zum Maßstabedienen, da hier auch Provinzen, Gemeinden und Kirchen ihre verfügbaren Gelder inden Sparkassen anlegen.

Über die Größe des Arbeitslohns, der sehr verschieden ist, gibt es nur verein-zelte Notizen. Im Durchschnitt ist der Lohn für eigentliche Handwerkerarbeit ziem-lich hoch, und beträchtlich höher als in Deutschland. Doch beträgt im Aargau undden Nachbarcantonen der Verdienst der Maurer, Steinmetzen und ähnlicher Arbeiternur 9 —10 Batzen täglich. Auch der Taglohn der Spinner und Weber daselbstwird durchschnittlich auf 10 Batzen oder 1 Franc 50 Centimes, sowie auf 3 — 5Batzen für jüngere Arbeiter im Alter von 14—18 Jahren, angeschlagen, was in-dessen verhältnismäßig nicht einmal sehr gering ist, da Peel den Wochenlohn einesenglischen Arbeiters auf 10 Schillinge oder 1 Franc 70 Centimes täglich schätzte.In Waadt hat man berechnet, daß die Dienstlöhne sowol in Stadt als Land, undzwar mit Rücksicht auf die jetzigen Preise von Lebensmitteln und Kleidung, seit einemhalben Jahrhundert um wenigstens ein Drittel gestiegen sind. Am geringsten ist derVerdienst solcher Fabrikarbeiter, die sich die neuern und verbesserten Methoden derArbeit nicht aneignen konnten oder wollten. Einigen Gegenden, welche durch ihreträge Vorliebe für das Herkömmliche zu verarmen drohten, ist die Sorge des Staatsdurch Einführung neuer Industriezweige bei der jünger» Generation mit Erfolg zuHülfe gekommen: so im Fischenthal im Canton Zürich durch Einführung von Jac-quardweberei und Korbflechten, in einigen Theilen des Werner Oberlandes durch Aus-dehnung der Fabrikation von Holzwaarcn. Die sehr weit verbreitete Verbindung derlandwirthschaftlichen mit der industriellen Arbeit macht es möglich, daß geringererArbeitslohn bezahlt werden kann, ohne daß gleichwol das Loos des Fabrikarbeiters