Band 
Vierter Band.
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185
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Louis Blaue» 185

lung der Menschheit mit dem richtigen Namen der Epoche des Individualismusbenennt.

'Von letzterm ist der Protestantismus die erste große historische Erscheinung; da-her beginnt Blanc seine Geschichte mit diesem. Es heißt freilich weit ausholen, wennman zu der Geschichte der Französischen Revolution bis zu Huß hinaufsteigt. AberBlanc erkennt in Huß einen Apostel der von ihm selbst vertheidigten Bruderliebe;ferner ist ihm auch die Thatsache wichtig, daß man der Autorität des Papstes einConcil überordnete, der monarchischen Idee auf diese Weise einen Stoß gab und derstürmischen Regierung der Versammlungen den Weg öffnete. Pascal Duprat, inder „ksvuö inäopsnclanto" vom 10. Juli 1817, läßt sich eine ähnliche Wortkra-merei wie Lerminier zu Schulden kommen, wenn er sagt, daß Huß sich immer dochauf die Autorität der Bibel stützte, während die Revolution sich im Namen derVernunft und des Rechts gemacht habe. Als ob Huß, der sich gegen die Mis-bräuche der Autoritätsherrschaft erhoben hat, darum alle Documente der Autorität,und noch dazu eines, in welchem so viel „Vernunft" und „Recht" vorherrscht wiein der Bibel, aufgeben mußte! Dahin führt die Sucht zu kritteln und gelehrt zuthun. Obgleich Duprat Blanc's Einleitung zu lang findet, meint er doch, Thiersvernachlässige im Gegensatze zu ihm die Vorläufer der Revolution doch allzu sehr,sodaß die Revolution bei ihm wie Numa's Schild vom Himmel zu fallen scheine.

Luther und den Protestantismus beurtheilt Blanc gewiß zu einseitig; er glaubtLuther habe nicht Muth genug gehabt bis ans Ende zu gehen, und verkennt dieNaivetät dieser großen Gestalt, die, obgleich sie das Dogma angegriffen hatte, dochwiederum in demselben befangen war. Tief hingegen ist die Entwickelung der Folgendes Protestantismus. Da man den Menschen zum Sklaven eines höher« Willens,einer,geistigen Welt machte, so wurde er daraus angewiesen, seine Kraft desto mehrin der materiellen Welt auszubreiten. Aus diese Weise kam ein neues Princip desHandelns in die, Welt: so entwickelte sich die Industrie. Calvin betrachtet Blancals den Gesetzgeber des revoltirenden Geistes. Diese neue Art von Unterdrückung,sagt er, paßte nur für einen Militairfeudalismus, und daher kam es auch, daßder Calvinismus in Frankreich durch den Adel eingeführt wurde und sich durch dasSchwert festzusetzen suchte! Der Calvinismus geht vom Schlachtfelde in die Bücher,von der Theologie in die Politik, vom kriegerischen Adel in die Bürgerclasse über,und herrscht so nach und nach in Religion, Politik und Philosophie. Blanc zeigtuns nun die protestantischen Publicisten Frankreichs, Hotman, Hubert Languet, dieReaction Bodin's und den mehr dem Bruderprincipe sich hinneigenden La Boelie.Dann verfolgt er den Individualismus in der Philosophie, in Montaigne und Ra-belais. Erstem nennt er den Apostel des nachsichtvollen Egoismus; den Indivi-dualismus des Letztem findet er trotz seiner lachenden Form abstoßender. Das letzteWort von Rabelais' Philosophie, sagt er, ist: „trinke!" Obgleich nun alles Großeund selbst Größte, Voltaire nicht ausgenommen, was unter dem Fraternitätsprincipzurückbleibt, bei Blanc sozusagen durchsällt, so läßt er diesen Erscheinungen doch auchwiederum Gerechtigkeit widerfahren, und seine Charakteristiken Montaigne's und Ra-belais' sind an sich vortrefflich.

Stil und Methode Blanc's sind in diesem ersten Bande ganz eigenthümlich.Geschichte kann man diese Schreibweise eigentlich nicht nennen: es ist eine Abwechse-lung von Erzählung, Philosophie, Kritik und Portraitzeichnung, die aber so geschicktgeführt wird, daß Politik, Literatur und der ganze gesellschaftliche Zustand Frank-reichs uns nach und nach, ohne unsere geistigen Kräfte besonders anzustrengen, le-bendig und mehr oder weniger getreu vorgeführt wird. Das Urtheil ist immer selb-ständig, wenn auch nicht neu; die Combinationen sind oft überraschend, einzelneAusfälle glänzend und nicht selten genial, wie wir zu sehen Gelegenheit haben werden.So ist die Beurtheilung der Ligue und ihrer Literatur vortrefflich. Nichts entgehtdiesem consequenten Geiste, was seinen Grundsätzen zur Stütze werden könnte. Sosagt er: Sieht man nicht die ganze demokratische Bewegung selbst aus dem finstern