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Vierter Band.
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274 Die Märzrevolutioa in Preußen.

gung Meister zu werden, wenn sie durch wirkliche Concessionen den intelligenten Theildes Volks auf ihre Seite gezogen und die ungefährlichen Demonstrationen von fernüberwacht hatte. Das Erstere geschah nicht; von Lchterm geschah das Entgegenge-setzte. Es war der alte Tik des Polizeistasts, immer präventiv aufzutreten. Nach-dem man einige Tage lang, bis zum 12. März, die Volksversammlungen tolerirthatte, wurden am 18. März plötzlich große Militairkräfte entfaltet, um sie zu ver-hindern. An diesem Abend entstanden die ersten ernsten Conflicte, welche den Keimzu der allgemeinen Erbitterung gegen das Militair legten. Die städtischen Behördenhatten sich endlich ermannt und über eine Adresse geeinigt, die vermittels Deputationdem König überreicht werden sollte. Leider wußten sie auch jetzt noch nicht die öffent-liche Stimmung ungeschminkt darzulegen. Während alle Welt mit dem Prcßver-sprechen vorn 8. März unzufrieden war, drückte die Adresse ihren Dank dafür aus.Sie fodert dann, stets in umschreibenden Redensarten, die schleunige Einberufungdes Landtags, die Errichtung einer volksthümlichern Vertretung u. s. w. Schon am13. März hatte sich die Deputation beim Könige melden lassen, war aber aus denfolgenden Tag beschicken worden. Am 14. März nahm der König die Adresse ent-gegen; seine Antwort zeigte, daß seine Umgebung keine Ahnung von Dem hatte wasdie öffentliche Meinung war. Der König spielte auf die Unruhen des vorhergehen-den Tags an und tröstete die Deputirten gewissermaßen, indem er bemerkte, daß,

' wenn es ringsherum koche, man nicht erwarten dürfe, daß in Berlin allein die Stim-mung unter dem Gefrierpunkte stehe. Was die verlangten Reformen betreffe, sosei die Hauptsache bereits gewährt, das Einberufungspatent für den Landtag voll-zogen. Mit vollster Offenheit und mit vollstem Vertrauen würde er dem Landtageentgegentreten. Seine Losung sei: „Freie Völker, freie Fürsten"; nur wenn Beidefrei wären, könne die wahre Wohlfahrt gedeihen. Die andern Bitten könnten nurdurch den Landtag ihre Lösung erhalten; ein näheres Eingehen darauf sei daher nichtnöthig. Doch eines Ausdrucks der Adresse müsse er erwähnen, desjenigen nämlich,welcher gegen die allmälige Entwickelung der Verfassung gerichtet sei; diesem könneer nicht unbedingt beitreten. Es gebe gewisse Dinge, die sich nicht übereilen lassen,wenn man nicht Gefahr laufen wolle, sie auf den Kopf zu stellen. /,Kühn und be-dächtig" das seien die Losungsworte jedes guten Feldherrn: das wolle auch er nichtvergessen. Die gute, alte deutsche Ordnung dürfe nicht unbeachtet bleiben. Auchdie Gliederung der Stände sei deutsch; wer dagegen anstrebe, der setze sich Gefah-ren aus. Ebenso komme der Besitz als althergebrachte Grundlage der Standschaftin Betracht. Doch alles Dies könne nur mit dem Landtage erledigt werden. Eswar hiernach offenbar, daß König und Volk sich nicht verstanden, und daß es denMittelspersonen theils an Willen, theils an Einsicht gebrach, dieses Verständniß zubewirken. Der berliner Magistrat schien froh zu sein, daß er sich der Adreßsacheentledigt: damit, glaubte er, sei nun Alles gethan. Mit überschwänglichen Wortenmachte er das Resultat der Audienz bekannt und hoffte, daß die Einwohnerschaft„von gleicher Begeisterung" wie er selbst werde ergriffen werden.

Wirklich brachte der „Staats-Anzeiger" denselben Abend das Patent, von dem derKönig gesprochen. Es hieß darin, der König habe im Verein mit der östreichischenRegierung seine deutschen Bundesgenossen eingeladen, sich unverzüglich zu einer ge-meinsamen Berathung behufs der Regeneration des Deutschen Bundes zu vereinigen.Das Resultat dieser Berathung würde jedenfalls Maßregeln bedingen, zu deren Aus-führung der König der Mitwirkung des Vereinigten Landtags bedürft. Dieserhalb,und weil der König in so wichtigen Epochen sich nur in Vereinigung mit den Stän-den stark fühle, habe er beschlossen, den Landtag zum 27. Apr. einzuberufen. DieVerblendung der Regierung erschien unbegreiflich. Während das ganze Land fasteinstimmig die sofortige Einberufung des Landtags verlangte, damit die außcrgesetz-lichen Agitationen dort ein natürliches und berechtigtes Organ fänden, während diesofortige Gewährung Dessen, was die meisten kleinern Staaten schon erlangt hatten,verlangt wurde, schob man die Berufung des Landtags noch fernere sechs Wochen