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Die Märzrevolrttion in Preußen.
hinaus, und erwähnte auch mit keiner Sylbe, daß man diesem wenigstens Vorlagenüber die innere Reorganisation Preußens machen wolle. Es war aber seitens derRegierung nicht bloßer Mangel an richtiger Auffassung der Verhältnisse: man wolltedie Bewegung leiten, nicht indem man sich an deren Spitze stellte, sondern manglaubte Kraft genug zu besitzen, sie einen selbstvorgezeichneten Weg in beliebigemSchritt, bis zu einem gewissen abgesteckten Ziel, und nicht weiter, führen zu können.Man wartete auf Ostreich und dessen Entschlüsse. Die alte Furcht vor dem TadelMetternich's war noch wach wie zuvor. Den kleinern Regierungen wurden Notenzugesandt, worin man sie auffoderte, keine Concessionen zu machen. An die säch-sische Grenze wurden Truppen hingesandt, um die dortige Bewegung, welche eben-falls durch eine wenig einsichtvolle Regierung hervorgerufen war, nöthigenfalls unter-drücken zu helfen. Und während dieses Zuwartens wuchs die Bewegung bereits zugefährlichen Ausbrüchcn heran. In Westfalen und in der Rheinprovinz hatten schoncommunistische Elemente sich eingeschlichen. Hier durchzogen Banden das Land undverbrannten die Schlösser der Adeligen; dort zerstörten Arbeiter die Maschinen undFabrikgebäude ihrer Herren. Dazu fast in allen großen Städten die Erbitterunggegen das Militair. In Berlin namentlich wurde es seit dem 13. März von Tagzu Tag unruhiger. Jeder Tag sah neue Conflicte, neue Menschenopfer. Vergebensmachten selbst die angesehensten Bürger darauf aufmerksam, daß das Zurückziehendes Militairs die Unruhen dämpfen würde. Das wäre gegen die Ehre der Armee— hieß es. Die herrschende Aufregung erhielt noch neue Nahrung durch die am15. März angelangte Nachricht, daß in Wien eine Revolution ausgebrochen, daßMetternich entflohen, daß der Kaiser alle von ihm verlangten Reformen bewilligt habe.Jetzt hieß es natürlich, man müsse hier Dasselbe erreichen. In Wahrheit hatten diewiener Ereignisse das Ministerium mächtig erschüttert; der letzte Rückhalt war mitdem Sturze Metternich's entschwunden. Die Nachrichten aus den westlichen Pro-vinzen wurden immer beunruhigender. Die Bewegung ging dort von der Bürger-schaft selbst aus; die größern Städte beschlossen, Deputationen nach Berlin zu sen-den und entschiedene Erklärungen von der Regierung zu federn.
Die Ereignisse vom 18. März; Spaltung der öffentlichen Meinung.
Die Minister sahen ein, daß es unter solchen Umständen nothwendig sei, fernereConcessionen zu machen, und dann ihre Entlassung zu nehmen. Der General Thile,der sich dieser Ansicht anschloß, wollte jedoch, daß man die weitem Concessionen, dieman zu machen geneigt war, den neuen Ministern überlasse. Diese Ansicht drang in-dessen nicht durch, und so wurden die Entlassungsgesuchc zwar eingereicht, vom Kö-nige auch genehmigt, jedoch ganz geheim gehalten. Der 17. März verlief in auffal-lender Ruhe; von den Scenen der vergangenen Tage sah man nirgend auch nureine Spur. Schon glaubte die Regierung Alles beseitigt. Am Morgen sagte derMinister von Bodelschwingh noch zum russischen Gesandten, er könne nach Hauseschreiben, daß Alles abgemacht sei. Doch noch im Lause des Tags liefen beunruhi-gende Nachrichten aus den einzelnen Stadttheilen ein. Der Polizeipräsident vonMinutoli meldete dem Minister des Innern, man habe seither Straßenemeuten ge-habt, aber am folgenden Tage werde die Revolution ihr Haupt erheben; an vielennachweisbaren Punkten der Stadt werde sie unverhohlen gepredigt und verkündigt.Auf Beweise eines wirklichen Revolutivnsplans mochte sich wol diese Meldung nichtbegründen lassen. Es war aber sehr erklärlich, daß der Haß gegen das Militair,die Nachrichten aus Wien, die äußerliche Unthätigkeit der Regierung in dem ent-schlossenen Theile der Bevölkerung den Gedanken hatte reifen lassen, mit Gewalt Daszu nehmen, was so hartnäckig verweigert wurde. Am 17. März Abends langte dieDeputation der Stadt Köln an; am Morgen des 18. März wurde sie vom Königeempfangen. Der Oberbürgermeister von Köln, Herr von Wittgenstein, übergab dieAdresse, worin die Federungen der Provinz aufgeführt waren, indem er hinzufüge,