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Vierter Band.
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350 Die Schweiz.

machte, oder wirklich einschritt. Letzteres geschah gegen den Professor W. Snell, dervon der Hochschule entfernt und auf eine augenfällig illegale Weise sogar aus demCanton verwiesen wurde. Dieses schwankende, zweideutige und der früher befolgtenPolitik so sehr widersprechende Benehmen gab den entschiedenen Radikalen den will-kommenen Anlaß, die Masse des Volks für die schon lange erfolglos angeregte, aberdringend nothwendig gewordene Verfassungsrevision zu gewinnen. Schon 1846 mußtendie alten Regenten in Bern weichen, und Ochsenbein, der frühere Anführer der Frei-scharen, ward an die Spitze der Geschäfte berufen. Zugleich trat eine neue Ver-fassung, die den Grundsatz der Volkssouverainetät in der Form der repräsentativenDemokratie nach allen Consequenzen durchführte, an die Stelle der frühern Consti-tution, welche in ihrem indirecten Wahlsystem und ihrem Wählbarkeitscensus nochvielfache Misstände insichgeschlossen hatte. Jetzt erst, nach diesem Umschwünge immächtigsten Cantone, ward, der ultramontanen Minderheit gegenüber, sowol die Mehr-heit der Canton als der schweizerischen Bevölkerung zu einer in sich einigen und ge-schlossenen Masse verbunden. Gleichwol würde sich eine unvermeidlich gewordene heil-same Krisis noch längere Zeit verzögert haben, hätten nicht die ultramontanen Can-lone, im Rausche ihres Siegs, mit einer durch fremde diplomatische Einflüsterungengenährten Anmaßung an ihrem Sonderbunde festgehalten, und dadurch der Mehrheitder schweizerischen Bevölkerung und ihren Regierungen ein entschiedenes Einschreitenzum Rechte und zur Pflicht gemacht.

Entstehung des Sonderbundes; Bewegung in Genf und Frciburg; Beschluß der Auflösungdes Sonderbundes; Vollstreckung dieses Beschlusses und ihre nächsten Folgen.

Die Begründung des Sonderbundes, dessen hauptsächlicher Leiter der in Lu-zern zum Schultheißen berufene C. Siegwart wurde, fällt nach einem erst späteröffentlich gewordenen Protokolle in das Jahr 1845. Er wurde unmittelbar nachder bundesverfassungsmäßigen Erledigung der Klosterfrage durch die Tagsatzung, alsoschon vor dem ersten Freischarenzuge, abgeschlossen. Der angebliche Zweck war dieVertheidigung gegen Eingriffe in die Cantonalsouverainetät. Indessen waren alle Ein-richtungen getroffen, um unter günstigen Umständen die Offensive ergreifen zu können,und schon die Zeit des Abschlusses macht es deutlich, daß man die Vertheidigungwol auch gegen die Vollstreckung rechtsgültiger Tagsatzungsbeschlüsse auszudehnen ge-dachte. Der Bund bestand zunächst aus den Canwnen Luzern, Uri, Schwyz, Unter-walden, Zug und Freiburg. Nach dem Siege der ultramontanen Partei in Wallis(1844) trat auch dieser Canton bei. Als endlich im Jahre 1846 der Bestand die-ses Bundes im Bunde auf ofsicielle Weise bekannt wurde, entstand in der ganzenSchweiz die äußerste Aufregung.

In Genf, woselbst unter der Verfassung von 1842 bald wieder die sogenanntenConservativen das Übergewicht im Großrathe und Staatsrathe erlangt hatten, wares schon im Februar 1843 zu neuen Reibungen gekommen. Allein die Insurgentenmüßen die Waffen niederlegen, nachdem am 14. Febr. die Regierung eine allgemeine >Amnestie erlassen. Dieser Sieg steigerte die Rücksichtlosigkeit der herrschenden doctri- !nairen Partei gegen den Stand der öffentlichen Meinung. Als Zürich auf der Tag-satzung von 1846 die Auflösung des Sonderbundes beantragt hatte, mochte daherGenf diesem Vorschlage, der damals nur Ilff/? Stimmen, also noch keine entscheidende !Mehrheit aus sich vereinigte, nicht beitreten. Die vom Staatsrathe beantragte undvom Großen Rathe in der Hauptsache angenommene Jnstruction des genfer Gesandtenlautete vielmehr auf eine Vertagung der Sonderbundssrage auf unbestimmte Zeit.

Die nächste Folge hiervon waren Volksversammlungen und Protestationen von dereinen Seite, sowie Zusammenziehung von Truppen von Seiten der Regierung. EineVolksversammlung in der Vorstadt St.-Gervais am 6. Oct. beschloß zwar, keineOffensive gegen die Regierung zu ergreifen. Doch verbarrikadirten die Unzufriedenendiese Vorstadt während, der Nacht auf die Nachricht von der Verhaftung einigerFührer der Volkspartei. Nach vergeblichen Unterhandlungen am folgenden Tage ließ