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Die Schweiz.
der Staatsrath St.-Gervais beschießen; allein eine tapfere Gegenwehr wies alle An-griffe mit starkem Verluste für die Regierungstruppcn zurück. Am 8. Oct. gedachteder Staatsrath die Beschießung fortsetzen zu lassen. Unterdessen kam aber im Haupt-theile der Stadt eine Volksversammlung zu Stande, die den Staatsrath zur Abdan-kung auffoderte. Der Staatsrath gab nach, und am 9. Oct. wurde unter dem Vor-sitze von James Fazy, dem Hauptleiter der Bewegung, eine provisorische Regierung' ernannt, die in der Sonderbundsfrage den Beitritt Genfs zum Antrage von Züricherklärte. Auch ward an die Stelle des bisherigen ein neuer Großrath von 90 Mit-gliedern gewählt, der zugleich als Verfassungsrath einen neuen Constitutionsentwurfausarbeitete. Die gelungene genfer Jnsurrection weckte auch in Freiburg die Hoff-nungen der Jesuitengegner, namentlich in der Stadt und im reformirtcn BezirkeMurten. Allein eine unbesonnene Schilderhebung am 7. Jan. 1847, mit unzuläng-lichen, schlecht combinirten Mitteln unternommen und ohne Nachdruck ausgeführt,scheiterte gänzlich, und hatte jetzt in Freiburg, wie früher in Luzern, zahlreiche Ver-» Haftungen und Auswanderungen zur Folge.
Noch war keine legale Mehrheit von Ständen für einen Auflösungsbeschluß^ gegen den Sonderbund'vorhanden, und geraume Zeit richteten sich alle Anstren-^ gungen der Parteien entweder auf Herbeiführung oder Hintertreibung eines solchen! Beschlusses. Besonders schwankte die Wage in St.-Gallcn, das zum Schicksalscan-ton der Schweiz geworden war, indem es nur noch auf eine Stimme mehr oder> weniger ankam. Zwei Jahre lang hatten sich im Großen Rathe von St.-Gallcndie beiden Parteien mit 75 gegen 75 Stimmen schroff gegenübergestanden, bis end-lich im Jahre 1847 die Gegner des Sondcrbundes mit einer Stimme Mehrheit dasÜbergewicht im Großen Rathe errangen, und die Entfernung des Landammanns Baum-gartncr, früher Führer der ultraradicalen, jetzt der ultramontanen Partei, aus derRegierung durchsetzten. So kam endlich mit 12'/- Stimmen — da Neuenburg offen-bar Partei für den Sonderbund nahm, und Basel-Stadt und Appenzell-Jnnerrhodenin schwankender Stellung blieben — am 20. Juli 1847 der Beschluß für Auflösungdes mit der Bundesverfassung unvereinbaren Sondcrbundes zu Stande. Daran knüpftesich im September ein weiterer Beschluß, welcher die Jesuitensache als Bundessacheerklärte und, unter Verbot der künftigen Aufnahme des Ordens in irgend einem Can-ton, die Stände Luzern, Schwyz, Freiburg und Wallis zur Entfernung' der Jesuitenaus ihrem Gebiete-einlud. Auf beide Beschlüsse und auf die Auffoderung, Alles zuunterlassen, was den Landfrieden stören könne, zumal alle außerordentlichen Rüstungeneinzustellen, antworteten die sieben Cantone des Sondcrbundes mit Protestationen undsetzten ihre Rüstungen mit größerm Eifer fort.
Es handelte sich nun um die Western Maßregeln zur Vollziehung dieser Be-schlüsse. Nach Vertagung der Tagsatzung für einige Wochen, und nach dem Ein-laufe neuer Jnstructionen für die noch mit beschränkten Vollmachten versehenen Ge-sandten Eraubündens und Tessins, beschloß die Tagsatzung am 18. Oct. eine Procla-mation an das Volk der Sonderbundscantone, sowie die Absenkung von Commissarenin jeden derselben. Diese Gesandten wurden überall zurückgewiesen, und selbst dieVeröffentlichung der Proklamation unterlag einem Verbot. Jetzt rief die Tagsatzungeine wohlgerüstete Armee von 50000 Mann, die bald bis nahe an 100000 Mannerhöht wurde, unter die Waffen, und ernannte den eidgenössischen Obersten H. Du-four von Genf zum Obergeneral. Eine solche Heeresmacht hatte früher die Eidge-nossenschaft niemals auch nur zur Hälfte gesehen. Ihr gegenüber hatten die siebenSonderbundscantone 36000 Mann auf die Beine gestellt, die von einem freilich nurunvollkommen organisirten Landstürme von 47000 Mann unterstützt werden sollten.Rechnet man hierzu die zum großen Theile sehr wohlbewaffneten Bürgerwehren, diein den die Sonderbundscantone begrenzenden Cantonen für den innern Dienst undzur etwa erfoderlichen Vertheidigung der Cantonalgrenzcn aufgeboten wurden, so hattedamals die Schweiz weit über 200000 Mann unter den Waffen, obgleich die Can-