Der Kaukasus' 407
des echten oder obern Kaukasus ziehen sich unbedeutende tertiaire Höhen dahin undmachen das Land hügelig. Gewöhnlich sieht man auch das Küstengebirge der Krimals eine Fortsetzung des Kaukasus an; es besitzt dieses aber cinp verschiedene Con-struction, die es nicht wahrscheinlich macht, daß es zu gleicher Zeit mit dem Kau-kasus emporgehoben worden. An seinen beiden Enden finden sich indessen dieselbentertiairen Gesteine.
Der Kaukasus unterscheidet sich wesentlich dadurch von den schweizer Alpen, daßman in den letzter» deutlich einen Rücken unterscheiden kann, aus dem sich schein-bar erst die Kuppen als sogenannte Hörner erheben. Zm Kaukasus besteht dasMittelgebirge, also der Hauptzug, zum großen Theil aus zusammenhängenden Ketten-gliedern, die ein tiefes Bassin einschließen. Rücken und Hörner lassen sich wenigerunterscheiden, da der erstere selbst aus unregelmäßigen Zacken zu bestehen scheint.Echte Hörner, wie der Elbruß, der Kasbek, der Schahdagh u. s. w., sind nur Aus-nahmen und liegen, wie der erstere und letztere, oft außerhalb des Hauptzugs. ZnFolge dieser zerklüfteten und zerrissenen Zacken oder des vielzackigen, nicht abgerun-deten Rückens gehören echte Gletscher von irgend einer bedeutendem Ausdehnung zuden Seltenheiten. Mangel an der einer üppigen Vegetation nothwendigen Feuchtig-keit geht daraus hervor; die Pflanzenwelt kann sich keineswegs hinsichtlich ihres Reich-thums mit der der Schweiz oder des nordkleinasiatischen Küstcngebirges messen, vb-wol an Mannichfaltigkeit der Arten der Kaukasus nicht nachzustehen scheint.
Alle Bäche und Flüsse, welche von Norden nach Süden oder umgekehrt fließen,vereinigen sich in vier Hauptströmen, von denen zwei sich mit westlicher Richtung indas Schwarze, zwei in östlicher in das Kaspische Meer ergießen, zwei wiederum denKaukasus im Norden und zwei im Süden begrenzen: es sind dies Terek, Kuban,Rion und Kur. Der erstere nimmt so ziemlich in der Mitte des Kaukasus in einemBassin, welches nördlich den Kasbek zur Grenze hat, seinen Ursprung, durchbricht die-ses östlich vom genannten hohen Berge in nördlicher Richtung, und läuft in einemengen Thale nach der nördlichen Ebene, in der er plötzlich sich östlich wendet, umsein Wasser dem Kaspischen Meere zuzusenden. Durch das Terekthal führt seit un-denklichen Zeiten eine Straße nach den transkaukasischen Ländern, die seit der Be-sitznahme Georgiens oder Grusiens durch die Russen auch für Fuhrwerke gang-bar gemacht worden ist. Man nennt sie gewöhnlich die Militairstraßc. Sie ist dienatürliche Grenze zweier Hälften des Kaukasus, die man gewöhnlich als den linkenoder östlichen und den rechten oder den westlichen Kaukasus unterscheidet. Der Tereknimmt an seiner östlichen Umbiegung die vom Elbruß kommende Malka auf, wäh-rend er weiter unten sich mit der ihr fast parallelfließenden Ssunsha oder Ssundscha,die für ihn alle von Süden kommenden Gewässer sammelt, vereinigt. Der Kubanerhält seine Hauptquellen vom Elbruß, fließt ebenfalls zuerst nördlich und biegt sich,in der offenen Ebene des Nordens angekommen, nach Westen, um dem Schwarzen,und mit mehren Nebenarmen dem Asowschen Meere zuzufließen. Die wichtigsten Flüsse,welche sich mit ihm vereinigen, sind der Urup, die Lada und die Schachwaschä.
Aus zwei.Gebirgsthälern östlich vom Elbruß entspringt der Rion, der Flußdes goldenen Vließes oder der Phasis der Alten; er hat zuerst eine west-südwest-liche, dann eine südliche und endlich eine westliche Richtung. Die vom meßchischcnGebirge hauptsächlich kommende Quirila und der dem Hauptzuge entspringende Zche-mß-Zkhal (d. i. Pferdefluß, Hippos der Alten) sind seine hauptsächlichsten Nebenflüsse.Der vierte Fluß endlich, der Kur (Kyros der Alten), hat zwar aus dem armenischenHochlande, nördlich von Erzerum, seinen Ursprung, nimmt aber, nachdem er seinennord-nordöstlichen Lauf in einen östlichen umgeändert hat, alle Flüsse des Kaukasusöstlich vom meßchischcn Gebirge aus. Die wichtigsten sind die Liachwi, die Araguaund der Alasan. Die Aragua hat ihre Quellen auf der Südseite des großen Terek-bassins; in ihrem südwärts sich ziehenden Thale setzt sich die große Militairstraße,nachdem sie den Kreuzberg überschritten, nach Tiflis fort. Alle übrigen Flüsse, na-mentlich die, welche sich außerdem in das Schwane Meer ergießen, sind außer dem